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Selbstoptimierung

Tu´ was, irgendwas, mach doch was… So lautete der Aufruf zur Selbstoptimierung von Studenten in den 70er Jahren. Es gab aber auch noch eine Ergänzung: „Mach kaputt, was Dich kaputt macht!“ Bezogen auf die damaligen politischen Verhältnisse ein schlimmer Satz, denken wir an dessen Interpretation durch Brandstifter und die RAF.

Wenn es aber darum ginge, diesen Satz dahingehend zu interpretieren, dass wir uns von dem trennen sollten, was uns kaputt macht, dann könnte diese Aussage auf Verständnis der Menschen hoffen. Noch geht es uns oft um die Kariere, also höher, schneller, weiter zu kommen als Andere. Selbst dann, wenn ich eigentlich nicht mehr in der Lage bin, mein Arbeitspensum zu schaffen, gibt mir das Internet die Möglichkeit, andere per E-Mail oder Facebook davon zu überzeugen, dass ich äußerst aktiv bin. Club, Partys, Reisen, kein Event bleibt unbesucht. Der Selbstoptimierung in den Bereichen Arbeit und Freizeit entspricht derjenigen bei Fitness und Networking. Die ganze Kraft und Ausdauer, die ich in meine Selbstoptimierung lege, schafft mir soziale Anerkennung und wünschenswerterweise auch Geld. So lautet das Versprechen. Aber Versprechen sind eben nur Versprechen, halten oft nicht Wort und dann wird die Vergeblichkeit der Selbstoptimierung deutlich: weder bleibende Schönheit, noch Geld – alles vergeblich? Aber nein, lebendig!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski