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Krieg und Frieden (Teil 1)

Wie Himmel und Hölle, Mord und Totschlag, wecken auch Krieg und Frieden allgemeines Interesse. Fast jeder will sich auf eine Seite schlagen und seine Meinung bekannt geben. Wie alle anderen Begriffspaare folgen Krieg und Frieden der knappen Information, die der Mensch in dieser Welt bekommt. Auf den Impulsen an/aus beruht das Universum –   jedenfalls das menschliche. Gerade weil wir Menschen bei der Entscheidungsfindung zwischen den Möglichkeiten Leben und Vernichtung so wenig weitere Informationen benötigen, vermögen wir uns mühelos auf das Ergebnis einzulassen. Entweder ist man für den Frieden oder man ist für den Krieg. Dem Einwand, dass ich es mir mit dieser Darstellung zu einfach mache, begegne ich gerne folgendermaßen:

Es gibt etliche Menschen, die erklären, sie seien nur unter bestimmten Voraussetzungen für den Krieg. Es gibt auch diejenigen, die erklären, dass sie gegen den Krieg seien, weil bestimmte Voraussetzungen nicht vorlägen, obwohl die Kriegstreiber Gegenteiliges behaupteten. Sie sind Vorder- und Rückseite derselben Medaille. Die grundsätzliche Bereitschaft, Kriege zuzulassen, wird an Bedingungen geknüpft, deren Herbeiführung mehr oder weniger möglich ist. Dies ist ohne Weiteres nachvollziehbar. Es gibt Zeiträume des Lebens und es gibt Zeiträume des Todes. Wir legen jeweils den Schalter um. Damit verändern wir ökonomische, soziale und ethnische Bedingungen. Es ist überhaupt nicht zu leugnen, dass der Krieg eine reinigende Wirkung hat. Insgesamt können wir danach wieder neu anfangen und uns auch beim Überwinden des Krieges und seiner Folgen beweisen. Die mediale Wirksamkeit des Krieges überdauert Epochen, seine Opfer sind binnen Generationen vergessen. Kein Krieg hat bisher etwas gebracht. Dies ist so nicht richtig. Jeder Krieg schafft bessere oder schlechtere Voraussetzungen im Verteilungskampf, wirtschaftlichen Aufschwung und neue Verhältnisse. Die Frage ist allerdings, ob der Krieg deshalb gerechtfertigt ist oder ob es nicht auch andere Möglichkeiten der Konfliktbereinigung gäbe? Dies würde bedeuten, dass der Mensch zu komplexeren Modellen der Daseinsbewältigung fähig wäre. Gäbe es keine Kriege mehr, stagnierte die Umverteilung. Gäbe es keine Kriege mehr, würden Regionen so befriedet, dass sie sich dem Konsum entziehen würden. Gäbe es keine Kriege mehr, kämen diejenigen nicht mehr zum Zuge, die auch mal herrschen wollen. Gäbe es keine Kriege mehr, wären die Menschen unbequemer für die Oligarchen. Es käme Konkurrenz zum Zuge. Gäbe es keine Kriege mehr, bliebe der Feind weg und es müssten sich diejenigen, die handeln, der Verantwortung stellen. Gäbe es keine Kriege mehr, wäre die Waffenindustrie am Ende.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski