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Zufälle

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr. Es ist 12.12 Uhr. Eine nicht verbredete Begegnung mit einem guten Freund aus Berlin, zum Beispiel auf dem Jungfernstieg in Hamburg oder in der MoMA in New York. Oder, das richtige Kreuz auf dem Tippschein? Alles Zufälle? Ja und nein.

Wer nicht Lotto tippt, kann auch nichts gewinnen. Wer nicht nach Hamburg oder New York fährt, wird dort auch keinem Freund begegnen. Der Blick auf die Uhr mit ähnlichen symmetrischen Ergebnisse ist jede Stunde möglich. Wir zählen auch nicht, wenn es nicht klappt. Also, nichts Besonderes?! Ja und nein.

Bestimmte Menschen nehmen die ihnen zufallenden Umstände wahr, andere nicht. Zufälle sind abhängig von Zeit und Gelegenheit, auf die wir durchaus Einfluss nehmen können. Zufälle sind also geplante Ereignisse, die sich erst in einen bestimmten Moment bewähren. Den Herstellungsprozess für Zufälle können wir uns vielleicht so vorstellen: alle Möglichkeiten zum Beispiel eines Lottogewinns, einer Begegnung oder sonstigen Ereignisses werden durch Siebe geschüttet, die sich immer mehr verjüngen, bis schließlich nur noch eine Möglichkeit im bewahrenden Moment durch das Sieb aufgefangen wird. In dieser Sekunde wird deutlich, dass der Zufall folgerichtig und unausweichlich ist.

Es ist an uns, die Zutaten in Siebe zu geben und sie so fein zu filtern, dass sie den uns überraschenden Erwartung entsprechen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Null Toleranz

Kann sich noch jemand daran erinnern, in welchem Zustand sich New York Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts befand? Nein? Die Stadt drohte zu verwahrlosen. Alle Regeln des menschlichen Zusammenlebens schienen außer Kraft gesetzt. Die Polizei war machtlos angesichts der sich häufenden Verbrechen, Gewalttätigkeiten und Drogendelikten. Es häufte sich auch der Müll nicht nur im Central Park. Die Stadt schien mit bröckelnder Fassade eher auf eine Apokalypse, anstatt auf eine blühende Zukunft zuzutreiben. New York ist aber nicht untergegangen. Trotz aller Herausforderungen an eine sehr große Stadt, Gentrifizierung, Turbokapitalismus und unendlichen Problemen bei der Erhaltung der innerstädtischen Kommunikationswege.

Die Stadt ist wieder da. Sie ist großartig und liebenswert. Im Central Park gibt es keine freilaufenden Hunde, aber ein Sonderterrain für Hunde, keine überfüllten und halb entleerten Papierkörbe, umhertreibende Restbestandteile von Partys, wenig Ruhestörung, stattdessen Erhaltung und Erneuerung der Stadt, wohin man schaut.

Null Toleranz. Diese kurze Formel erfunden von dem früheren Bürgermeister Giuliani war das Rezept, das heute noch wirkt. Dabei ging es nicht darum, die Vielfältigkeit einer Stadt anzutasten, sondern gerade diese Vielfältigkeit zu erweitern durch Respekt und Toleranz, aber auch Einhaltung von Regeln. Dies ist für die Entwicklung jeder Gemeinschaft, ob Stadt, Land, Dorf von entscheidender Bedeutung. Es gibt Regeln, die wir strikt einhalten müssen, ob als Autofahrer, als Radfahrer oder Fußgänger, als Nachbar, als Eigentümer oder Obdachloser, als Christ, Muslime oder Jude, als hier Geborener oder Hierhergekommener, als Tourist oder Einheimischer. Null Toleranz gegen Übertretung unserer Regeln.

Wir müssen an Erfahrung gewinnen, dass diejenigen, die Regeln erlassen haben, diese auch durchzusetzen bereit sind. Wir müssen erfahren, dass es für uns besser ist, diese Regeln nicht zu missachten, sondern sie für uns aus eigener Überzeugung zu verinnerlichen. Wir müssen uns einmischen, wenn wir glauben, dass Regeln überprüft, verändert, erweitert oder abgeschafft gehören. Aber solange diese Regeln und Gesetze gelten, sind auch sie für uns verbindlich. Nur, indem wir auch anderen zeigen, dass wir bereit sind, diese Regeln zu achten, werden wir die noch Unentschlossenen dafür gewinnen, dies ebenso zu tun, sei es aus Pragmatismus oder Überzeugung.

Nicht nur eine Großstadt wie Berlin benötigt diese Regeln, wobei für Berlin zu prognostizieren ist, dass bei fehlender Umsetzung eines Programms zur Einhaltung von Regeln, diese Stadt über kurz oder lang sich mit den gleichen Problemen konfrontiert sieht, wie es New York in den 80er/90er Jahren tat. Es wäre schade um Berlin, eine Stadt, die dann zwar noch arm, aber nicht mehr sexy, sondern nur noch problematisch wäre. Deshalb sollten Politiker und wir alle Verantwortung für die Einhaltung unserer Gesetze und Regeln übernehmen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski