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Wachstum

War bis noch vor Kurzem Wachstum der Schlüssel zur gesellschaftlichen, nein sogar menschlichen Entwicklung, erfährt Wachstum heute eine negative Aufladung. Die einen meinen, dass Wachstum erforderlich sei, um die zivilisatorischen Errungenschaften zu sichern und dabei auch weiter auszubauen, während andere meinen, Wachstum zerstöre unser ökologisches Gleichgewicht und sei schädlich für die Welt. Die einen fürchten das ungebremste Wachstum, die anderen meinen, ein gebremstes Wachstum sei möglich und schließlich wollen einige sogar auf jedes Wachstum verzichten.

Dabei ist immer von dem ökonomischen Wachstum, das Auswirkungen auf unsere Lebensgestaltung habe, die Rede. Unbestreitbar hat ökonomischer Wachstum zeitweilig zumindest für einige zu enormen wirtschaftlichen und kognitiven Möglichkeiten beigetragen. Wachstum hat nicht nur Kriege ermöglicht, sondern diese auch verhindert, ist mitverantwortlich für Lebensverlängerung und Gesundheit. Wachstum hat Demokratie ermöglicht und Liberalität erzeugt.

Es wäre daher aus meiner Sicht falsch, Wachstum als verwerflich abzustrafen und den Versuch zu unternehmen, Wachstum auf null zu stellen bzw. umzudrehen. Nicht das Wachstum ist schuld an unserer ökologischen Misere, sondern es sind wir selbst, weil wir offenbar übersehen, dass Wachstum nur ein wichtiges Werkzeug dazu ist, auch künftigen Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen und diesen Planeten für die Menschen zu erhalten.

Wachstum muss sich allerdings entkoppeln vom Shareholder Value und sich einklinken beim Stakeholder Value. Nicht der Reichtum Einzelner kann das Wachstumsziel sein, sondern das Nutzen der Renditen, um uns alle weiter voranzubringen. Dort, wo geschaffen wird, entstehen Gewinne, das ist selbstverständlich, aber, ob und wie Gewinne verwandt werden, ist ein noch zu bestellendes Feld.

Wir haben Chancen und Möglichkeiten, unsere vorhandenen Errungenschaften zu nutzen, um neue Tätigkeitsfelder zu erschließen, wenn wir Wirtschaft und Ethik nicht als Gegner oder Ethik allenfalls unter Compliance-Gesichtspunkten sehen. Die Ganzheitlichkeit in wirtschaftlichen Prozessen, die Philanthropie könnte uns die Augen zu neuen und umfassenderen Tätigkeitsfeldern eröffnen, wenn wir ressourcenschonend, gemeinschaftlich orientiert, bedarfsgerecht die Ziele unseres Einsatzes definieren. Geld ist tot. Der Kapitalismus alter Prägung ist tot. Wenn wir die bisherigen systemischen Erfahrungen aus der Wirtschaft nutzen und Neues erproben, dürfte sich ein Kosmos neuer Möglichkeiten auftun. Packen wir es an!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski