Schlagwort-Archive: Parallelwelten

Parallelwelten

Wie soll das gehen, Parallelwelten?

Wir atmen dieselbe Luft, essen, trinken, haben Wohnungen oder leben auf der Straße, bewegen uns in der Regel im gleichen Tagesrhythmus, werden geboren, leben und sterben. Natürlich jeder für sich, aber wir haben strukturell die gleichen Lebenserwartungen. Natürlich leben wir nebeneinander her, jeder für sich, in seiner Familie, Beruf und Freizeit. So lebt halt jeder in seiner Blase. Und wieso sollen dies Parallelwelten begünstigen oder ausdrücken?

Vielleicht deshalb, weil genetisch und sozial, meist bereits vor der Geburt eines Menschen, Voraussetzungen für die lebzeitige Zuweisung von Vorteilen in einer Welt geschaffen wurden, die so konstruiert und konditioniert ist, dass eine Veränderung des eigenen Status erschwert ist bzw. meist ganz ausscheidet. Der systemimmanente Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Welten kann zwar negiert, aber nicht beseitigt werden.

Das mag schädlich sein, kann als ungerecht empfunden werden und ist sogar Auslöser vieler Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen. Sie entsprechen aber einer Realität, die weder durch Appelle und Argumente noch durch deren Negieren beseitigt oder verändert werden kann. In der Akzeptanz anderer Welten kann jedoch auch eine Bereicherung für die Entwicklung eigener Möglichkeiten durch Zuwendung, wie auch durch Wettbewerb geschaffen werden.

Wenn dies gefährdungsfrei geschieht, haben alle Bürger der unterschiedlichsten Welten eine Chance, die Zukunft einsichtiger, vielfältiger und damit ertragsreicher zu erleben. Es empfiehlt sich der weite Blick.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Staatsmacht

Die Macht des Staates beruht darauf, Recht zu besitzen und dieses auch durchzusetzen. Der Bürger vertraut darauf, hat aber auch Interessen, die mit denjenigen des Staates nicht konform sind.

Der Bürger beansprucht Rechtsgarantie, d. h. er beansprucht, dass er sich darauf verlassen kann, dass der Staat Recht zu seinen Gunsten auch durchsetzt. Dem Bürger ist zudem die Kontinuität der Rechtsgewährung äußerst wichtig, weil er seine gesamte Planung darauf abstellt. Insofern investiert der Bürger in die Verlässlichkeit und Rechtsgewährung des Staates, um aber andererseits sehr individuell auszuloten, wie er vorhandene Rechtskonstrukte zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann.

Dies geschieht teilweise legal, aber auch illegal bzw. unter Ausnutzung temporärer Regelungs- bzw. Rechtssetzungsschwächen des Staates. Moderne Kooperationsformen der Staaten, wie zum Beispiel die Europäische Union, Freihandelsvereinbarungen und Staatenbünde schwächen die souveräne Rechtssetzungsfähigkeit des Staates und insbesondere die Rechtsdurchsetzung in seinem Interesse.

Da auch faktische Parallelwelten im Cyber-Bereich und Parallelwährungen dank der Blockchain-Technologie, wie zum Beispiel Bitcoin, entstehen, verliert der Staat an Kontrolle und damit auch an Macht. Dies wird von den Bürgern zunächst als Vorteil empfunden, bis er dann feststellt, dass mangelnde Rechtssetzung und Rechtsgewährung auch dazu führen kann, dass institutionelle Garantien verschwinden und seine Existenzsicherung ausschließlich davon abhängt, dass er in der Lage ist, belastbare Verträge mit anderen Menschen und Einrichtungen auszuhandeln.

Wegen bestehender Ungleichheiten im gesamten öffentlichen Bereich ist allerdings damit zu rechnen, dass das Individuum den Kürzeren zieht und letztlich die Macht des rechtsgewährenden Staates noch dazu von Internetplattformen eingenommen wird. Dann geht es aber nicht mehr um Recht, sondern um die Nützlichkeit jedes einzelnen Menschen für Internetstrukturen. Das plurale Recht hat seinen Schuldigkeit getan. Es kann gehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski