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Selbstgenügsamkeit

Was wäre, wenn alle Menschen so wären, wie ich. Ich verspreche: ein Paradies. Es gäbe keine Kriege mehr, kein Hass, keine Gewalt, keine Diebstähle, es herrschte nur Respekt und Höflichkeit. Jeder übernähme für sich und andere Verantwortung, um nur einige Aspekte zu nennen. Ob dies langweilig wäre, vermag ich nicht zu sagen, weiß aber ganz genau, dass diese utopische Vorstellung nicht funktioniert. Es wäre eine Welt ohne Pestizide, ohne Plastik und wenig Fleisch.

Die Autoindustrie wäre erledigt, da sie nur alle 30 Jahre ein Auto bauen dürfte, die Bekleidungsindustrie ohnehin und sämtliche Warenhäuser wären geschlossen, Amazon und Ebay gegenstandslos. Mit dieser Erkenntnis wehre ich mich, wenn auch etwas wehmütig, im Interesse meiner Mitmenschen dagegen, dass die Welt so ist, wie ich es mir wünsche und andere Menschen das genauso sehen sollten.

Die Schlussfolgerung daraus ist aber, dass keiner der Auffassung sein kann, das Leben anderer habe sich in seinen Vorstellungen von der Welt auszurichten. Würde es so funktionieren, gäbe es zum Beispiel im Frühjahr keinen Spargel mehr, da keine Menschen aus Rumänien, Syrien oder Afghanistan mehr in der Lage wären, unseren Spargel zu stechen, weil man sie nicht mehr ins Land ließe.

Da die „Urdeutschen“ für diese Arbeit nicht geeignet sind, fällt also die Spargelernte aus. Mangels Arbeitskräfte werden kontinuierlich auch die Rentenerwartungen abgebaut und Sozialleistungen gestrichen. Ganz zweifellos ist das bitter, aber nicht ungerecht, denn es wird eintreten, was gewollt war. Wir haben unser deutsches Paradies. Wir sind unter uns. Ohne Investitionen von außen, ohne fremde Menschen und Einmischungen. Wir hätten, was manche wollen, vielleicht sogar künftig eine Mehrheit der Deutschen, wenn wir ihrem Willen entsprächen.

Wenn dann später einmal das Klagen einsetzen sollten, sind diejenigen, die den Zustand zu verantworten haben, entweder verstorben oder haben sich neuen Ideen zugewandt. Verantwortung ist ausgesprochen flexibel, ob in Trumps Amerika, in Frankreich, Italien, Türkei und demnächst auch in Deutschland.

Dabei könnte alles so einfach sein: Anstatt uns auf die eigenen Interessen zu fixieren, könnten wir auch die Interessen anderer berücksichtigen und dabei unsere Möglichkeiten erweitern, anstatt sie zu verengen. In der Welt von morgen ist dies sogar unumgänglich, will man verhindern, in einem altzeitlichen Museum zu erstarren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gift

Tonnenweise werden derzeit in Belgien Eier vernichtet. Sie sind vergiftet. Können wir noch in Ruhe irgendein Lebensmittel in Deutschland verzehren, das mit Eiern in Berührung gekommen ist?

Nein, wir wissen nicht, in welchen Großbetrieben, Kantinen oder Fabriken die Eier verarbeitet wurden. Sie befinden sich in Kindernahrung, wie Nudeln oder Kuchen. Systematisch werden wir Menschen vergiftet. Durch Pestizide, Diesel und Reinigungsmittel. Ist das normal? Ist das ein Kollateralschaden, den man in einem prosperierenden Land einfach hinnehmen muss?

Wahrscheinlich wird dies jeder verneinen und auch jeder Politiker behaupten, dass man alles unternehmen werde, um der Situation Herr zu werden und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Dieses Vorbringen ist natürlich kläglich und soll die Ohnmacht kaschieren, die angesichts der umfassenden Angriffe auf unsere Gesundheit besteht. Was könnte getan werden? Es wird nach repressiven Maßnahmen gerufen. Die Schuldigen müssten bestraft werden und künftig sei der Schutz gegen Vergiftungen und Verseuchungen auszubauchen.

Also, der Staat wird das regeln? Das ist nicht anzunehmen. Es fehlt an einem wichtigen Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft, d. h. es mangelt an einer allgemeinen Überzeugung aller Menschen, dass man dieses oder jenes nicht tut, hier also: andere Menschen zu vergiften. Es wäre an der Zeit, einen Kodex zu schaffen, der Anforderungen eines Menschen enthält, die unabdingbar sind.

Artikel 1 GG enthält zwar schon das Gebot, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Das ist aber zu wenig. Es müssen Regeln geschaffen werden, die die Verabredung beinhalten, andere nicht zu schädigen, zu vergiften, zu übervorteilen etc. Mit Strafgesetzen allein ist dies nicht getan. Religionen haben früher einen Ordnungsrahmen für menschliches Verhalten gesetzt. Der Einfluss der Religion ist geschwunden, ohne dass zwischenzeitlich Alternativen kodifiziert worden wären. Stets werden in Sonntagsreden die Werte unserer Gesellschaft angemahnt, ohne dabei genau zu bekennen, worin diese Werte tatsächlich bestehen sollten. Werte sind belanglos, wenn sie nicht erreicht werden oder sie gar nicht erkannt werden können.

Es kommt daher weniger auf die Werteansicht als vielmehr auf das Verhalten jedes einzelnen Menschen in der Gruppe an. Alles wird von Menschen für Menschen geschaffen. Wir müssen verinnerlichen, dass es uns wert ist, für uns selbst und für künftige Generationen die Welt als unsere gesunde Lebensgrundlage zu erhalten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski