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Schein und sein

Der Schein bestimmt das Sein in der Gesellschaft. Das Wortspiel birgt einen Kern Wahrheit. Die Anerkennung, die ein Mensch in unserer Gesellschaft erfährt, beruht meist darauf, dass es dem Geltungssuchenden gelingt, sich anderen überzeugend zu präsentieren. Überzeugend ist eine Präsentation dann, wenn körperliche Vorteile, Sprachvermögen, finanzielle Überlegenheit oder große Virtuosität in der Pflege sozialer Netzwerke zur Geltung gebracht werden kann.

Kommunikative Fähigkeit ist sicher ein Schlüsselwort für soziale Anerkennung, die das Sein bestätigt. Der äußere Schein mag trügen, stellt aber gleichwohl für die Mehrheit der Menschen eine existenzielle Selbstvergewisserung dar. Oft ist der Schein von dem Sein nicht zu trennen, aber das Sein mag sich vom Schein durchaus zu emanzipieren.

Gemeint ist das Sein, das auf Leistung, Empathie, musischer, sprachlicher und intellektueller Kraft beruht. Dieses Sein macht sich frei von Erwartungshaltungen der Gesellschaft, findet ein ausgeglichenes Verhältnis zu Geben und Nehmen, ist an der eigenen Entwicklung interessiert und leistet einen Beitrag für andere. Dass auf einen solchen Menschen oft auch alle Scheinwerfer gerichtet sind, stört nicht, denn er hat sich davon nicht abhängig gemacht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski