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PHILANTHROPIE UND MENSCH

Ein nahe liegender Einwand gegen die hier vorgestellten Ansichten könnte lauten: Es wäre zwar gut, wenn es eine philanthropische Gesellschaft gäbe, aber der Mensch ist noch nicht so weit oder kann das nie schaffen. Der Mensch sei, so wird behauptet, egoistisch und bequem. Des Weiteren verfüge er über ein großes Repertoire an Ausreden und Lügen, liebe die Spekulation und die Macht.

Es ist müßig, dagegen anzuargumentieren, entscheidend ist, aus den menschlichen Fehlern und Schwächen einen positiven Impuls abzuleiten und aufzuzeigen, dass der Mensch nebst seinem Drang, auch Gutes zu tun, gerade aufgrund der oben beschriebenen Eigenschaften wach, aufmerksam und im Sinne der Evaluierung eines Produktes konkurrenzfähig bleibt. Es ist unser gemeinsames Anliegen, den Dingen einen eigenen Wert zu verleihen, d. h. klarzustellen, dass gesellschaftliche Anerkennung nicht mehr primär nur über Geld erkauft werden kann, sondern durch eine besondere Art der gemeinnützigen Leistung im Verbund mit anderen Menschen. Dies schließt weder Individualität aus, noch ist eine Wertminderung impliziert, denn gerade diese selbstbewussten Eigenschaften werden gefordert und gefördert, um gemeinsame Projekte voranzubringen.

Der Mensch ist ein neugieriges und an Innovationen orientiertes Wesen und wird das Besondere der Eigenschaften philanthropischer Einrichtungen für sich als Chance der Erprobung neuer Formen der Erwerbstätigkeit und der Zukunftsplanung begreifen. Er erhält zusätzliche Möglichkeiten, sich erst noch entwickelnden Aufgaben zu stellen und zum eigenen Wohlergehen, wie auch dem anderer beizutragen. Vorteilssuche und Neid sind zwar nicht auszuschließen, aber das Beispiel der Vorbilder wird denen als Leistungsansporn dienen, die zunächst gewartet haben, ob es gelingt, auch weitere Menschen davon zu überzeugen, dass es einen anderen Weg der gesellschaftlichen Werterhaltung und Bereicherung als den der schonungslosen finanziellen Kapitalmaximierung gibt, nämlich die Schaffung des Zuwendungskapitals, eine Möglichkeit des Zuwenders, zusätzlich gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren. Zu geben ist nicht nur gerecht, sondern schafft dem Gebenden auch die Genugtuung seiner Freiheit und Unabhängigkeit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

„Yes, WE do.“

Einige Worte zur Hugo Tempelman Stiftung für Südafrika. Unter dem Motto „positiv verändern“, unterstützt die Stiftung, deren Treuhänder ich bin, seit 2007 die Arbeit des Arztes Hugo Tempelman und seines Teams beim Aufbau von medizinischer Betreuung und Sozialprojekten in Südafrika, bei der Aids-Aufklärung und bei Langzeittherapien. Das Besondere  dieser  Stiftung  ist  neben  der  Förderung  der  gemeinnützigen  Tätigkeit  des Arztes  Hugo  Tempelman  in  Südafrika  die  Möglichkeit,  dieses  Projekt  in Verfahrensschritten wie ‚Copy and Pace’ sowie ‚Social Franchising‘ auch in andere gefährdete Regionen dieser Welt zu übermitteln, zum Beispiel nach Moldawien in enger Kooperation mit anderen dort vor Ort tätigen NGOs (Non-Governmental Organisations). Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, sondern es ist wichtig, sich darauf zu konzentrieren, nachvollziehbare Anliegen und deren Marktfähigkeit im Auge zu behalten, Partner  dafür  zu  gewinnen,  diese  Anliegen  gemeinsam  umzusetzen  und  den  Mut  zu haben, dies auch konsequent zu tun. Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte einmal: „Yes, we can.“ Das dürfte in der Regel zu wenig sein. Unser Bekenntnis muss lauten: „Yes, we will.“ oder „Yes, we do.“ Demjenigen, der handelt, erwächst ungeheure Kraft.  Das  weiß  jeder, der politisch  oder  auch  wirtschaftlich,  überhaupt  in  welcher Funktion auch immer, als Überzeugter unterwegs ist. Deshalb ist es so wichtig, nicht nachzulassen bei der Selbstbefragung: Was kann ich tun, was kann ich besser tun und wie kann ich vielleicht sogar noch umfassender Anliegen befördern, für deren Sinn und Nutzen ich stehe? In der Erkenntnis, dass Kooperationen unabdingbar sind, um die philanthropische Gesellschaft zu formen, haben wir uns mit unseren Partnern zusammengeschlossen, um in Berlin nicht nur Stiftungsberatung anzubieten, sondern werdende   Stiftungen   sozusagen  in  Patenschaften   zu   begleiten   und   den   an   der Philanthropie interessierten Menschen eine ständige Anlaufstelle bei unserer „Stiftungs-Task-Force“ zu bieten. Es gibt auch sonst viele Projekte, in die jeder Bürger sich als ´ einbringen kann. Ferner wird er zum Beispiel Mitglied eines Stiftungskuratoriums oder Beirats, einer Einrichtung, in der er sich mit Gleichgesinnten zum regen Meinungsaustausch und zur Erörterung der weiteren Möglichkeiten seines Engagements treffen kann.

Nicht vergessen werden soll natürlich die Vielzahl an bereits vorhandenen Gruppenstiftungen, gemeinsamen Stiftungen, Einzelinitiativen und Bürgerstiftungen. Sie alle bieten das verlässliche Fundament für die Entwicklung einer prosperierenden philanthropischen   Bürgergesellschaft,   die   nötig   ist   als   Ergänzung   des   staatlichen Handelns in unserer Gesellschaft und für sie. Nicht gegeneinander arbeiten Staat und Gesellschaft, sondern sie ziehen nur mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen am selben Strang, können voneinander lernen und sich gemeinsamen Herausforderungen stellen, die leichter und oft auch flexibler gelöst werden können, weil der gemeinnützige, nicht staatliche  Akteur  unabhängig  von  politischer  Legitimation  durch Parteien  und Wahlen, aber  durch  seine  Gremien  legitimiert  äußerst  kompetent  und  wirksam  handeln  kann. Selbst die Wirtschaft kann von der Philanthropie lernen, und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt CSR (Corporate Social Responsibility), sondern indem sie sie als Herausforderung hinsichtlich Ideen, Produktion und Vertrieb auf einem global spannenden Markt der sozialen Unternehmen wahrnimmt.

Lassen Sie uns gemeinsam Märkte der Begegnung schaffen, Gelegenheiten kreieren, uns näher kennenzulernen, festzustellen, wie wir voneinander profitieren können und wo wir Gelegenheiten haben, unsere vielfältigen Fähigkeiten zu allseitigem Nutzen fruchtbar einzubringen. Das Leben ist eine wunderbare Herausforderung, sich zu entwickeln, sich zu bestätigen und sich in der Kommunikation mit anderen Menschen seines Daseins zu versichern.  Es  ist  zudem  eine  einmalige  Gelegenheit.  Wir  sollten  sie  mit  Interesse, Sorgfalt, Genauigkeit, aber auch mit Freude und lebendigem Einsatz nutzen, dabei aber wir selbst bleiben und uns in dem Maße auf andere einlassen, wie wir glauben, dies gegenüber uns selbst verantworten zu können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski