Noetik ist die Theorie der Denktätigkeit. Theletik ist die Lehre vom Willen zu Handeln. Pragma ist die Anschauung des tatsächlichen Tuns. Kopfloses Handeln bringt uns nicht weiter, deshalb ist das Denken unumgänglich für sinnvolles Tun. Aber auch Denken, das keine Handlungsoption hat, erschöpft sich im Konjunktiv, könnte, sollte und wäre gut.
Um der Gefahr von zusammenhangslosen Parallelitäten zwischen Denken und Handeln zu begegnen, muss eine verlässliche Verbindung geschaffen werden, und zwar der auf der Theletik beruhende Wille zum Handeln. Diese Lehre greift nicht ein, sondern zeigt die Strukturen des Handelns auf, ermöglicht Plattformen und vergewissert sich sämtlicher Argumente, die für oder gegen das Handeln in der konkreten Form sprechen.
Erstaunlich, wie unüberlegt viele doch handeln, also ohne die Konsequenzen zu bedenken. Erstaunlich auch, wie wenig vom Wahrnehmen und Denken umgesetzt wird. Ich vermute, dass die Defizite gerade dieses fehlende Scharnier zwischen Denken und Handeln in unserer Zeit ausmachen.
Tu doch was, mach doch was, irgendwas. Dieser Slogan unserer Studentenzeit kann uns nicht mehr freuen. Aber auch zu erkennen, dass vieles in unserer Gesellschaft schiefläuft und dennoch nichts zu tun, macht unsere Agonie gleichermaßen deutlich. Nein, sicher, es gibt kein Patentrezept, aber Menschen haben in Ausnahmesituationen stets gezeigt, zu welchen Heldentaten sie fähig sind. Ist es nun nicht wieder an der Zeit, dass Menschen sich auf diese Fähigkeiten besinnen und durch Vorbild, Integrität, Reflexion, Empathie und Können gerade diesen Weg beschreiten, um nicht nur Proteste loszuwerden, sondern tätig einzugreifen, gemeinsam mit anderen Missstände zu beseitigen, um den Lebenserfolg zu sehen, ggf. auch zu genießen.
Dass dies möglich ist, zeigte nicht nur Nelson Mandela, Pablo Neruda oder Mahatma Gandhi. In jedem Menschen stecken Fähigkeiten, die er in diesem einzigartigen Leben nicht nur für sich, sondern auch für andere, unsere Gesellschaft und die Welt nutzen kann. Er kann und sollte sie auch dafür nutzen, alle diejenigen zu beeindrucken, die versuchen durch Verunglimpfung, Einschüchterung, Verhöhnung und Falschinformation selbstverständliche Mitmenschlichkeit in Frage zu stellen. Wir haben sehr viel nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und die ganze Gesellschaft zu verlieren, wenn wir nicht überlegt und planvoll handeln.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski