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Gewalt

Neunjähriges Mädchen von Mitschüler angegriffen, Prellungen, Gehirnerschütterung und Zerrungen im Rippenbereich. Achtjähriger hinterrücks niedergeschlagen von gleichaltrigem Mitschüler, eine Gehirnerschütterung hat dies zur Folge, neunjähriges Mädchen von Mitschülerin mit einer Schere bedroht unter Ankündigung, sie niederzustechen. Dies ist eine kleine Auswahl alltäglicher Verletzungshandlungen, wie sie sich in Grundschulen abspielen.

Die Gewalt setzt im Bereich der Kinder früh an und steigert sich im Zuge der jugendlichen Entwicklungsstufen. Schubsen, Prügeln und dabei auch verübte Gemeinheiten sind an sich nichts Unbekanntes bei Kindern. Dennoch hat sich der Maßstab verändert. Die Veränderung drückt sich dadurch aus, dass es sich nicht mehr nur um ein Kräftemessen handelt, sondern um grundlose Aggressionen, die meist heimtückisch auf ein zufälliges Opfer zielen.

Kein Kind bleibt heute an Schulen von den Möglichkeiten der Verletzungshandlungen verschont. Es gibt Lehrer, die führen darüber Aufzeichnungen, andere bestellen Eltern ein, um sich über das Verhalten der Kinder zu besprechen und schließlich gibt es vereinzelt Versetzungsmaßnahmen. Die Gründe für die Aggressionen werden damit nicht aufgedeckt und zuweilen werden sogar Eltern zu Mittätern.

So wurde im oben genannten Beispiel des neunjährigen mit einer Schere bedrohten Mädchens, dieses von der Mutter der Angreiferin ihrerseits mit den Worten bedroht, dass sie sie töten werde, wenn sie ihre Tochter nochmals bei der Lehrerin verpetze. Manche Eltern streiten die Aggressivität ihrer Kind ab und bekräftigen Beschuldigungen der Täter, dass das andere Kind angefangen habe und sich das eigene Kind nur gewehrt hätte.

Viele Erzieher und Lehrer verhalten sich ratlos, wiegeln oft ab und hoffen auf eine allgemeine Beruhigung. Das ist aber ein Irrtum, dass dies geschehe, denn die nicht geklärten Aggressionen hinterlassen nicht nur psychische Spuren bei den Opfern, sondern fördern sogar systemische Verhaltensweisen, bei denen dann gewalttätige Vorgänge sich als normal und abwendbar in Schulen erweisen. Deshalb ist es unumgänglich und wichtig, nicht nachzulassen in der Aufklärung der Kinder, in den Klassen, auf den Schulhöfen. Deshalb ist es wichtig, Regeln durchzusetzen und dadurch den Kinder eine Orientierung zu geben.

Deshalb ist es schließlich wichtig, Verantwortung für das eigene Verhalten und Empathie für andere frühzeitig zu lehren und zu vermitteln, um einer selbst sich erzeugenden Gewaltspirale bereits bei den Kindern den Schwung zu nehmen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Erfolgstraining

Dem „kleinen goldenen Buch“ des Dale Carnegie Erfolgstrainingsunternehmens entnahm ich folgende Empfehlungen aus dem Werk des Dale Carnegie „Wie man Freunde gewinnt“.

„Gewinnender Auftreten“

  1. Kritisieren, verurteilen und klagen Sie nicht.
  2. Wecken Sie in Anderen lebhafte Wünsche.
  3. Lächeln Sie.

„Führen Sie“

  1. Beginnen Sie mit Lob und aufrichtiger Anerkennung.

„Ein guter Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden“

  1. Beten Sie.

Die Liste der guten Regeln ließe sich fortsetzen. Keine der in diesem Büchlein ausgesproche­nen Empfehlungen habe ich als esoterisch überzogen eingeordnet. Vielmehr vermitteln die Empfehlungen Binsenweisheiten, die den Umgang mit anderen Menschen sympathischer und erfolgversprechender gestalten. Eigentlich bedürfte es weder dieses Büchleins, noch kosten­intensiver Trainingsprogramme, um ein „Lächeln“ wieder auf die Gesichter anderer Menschen zu zaubern oder mir selbst ein „Danke“ zu entlocken.

Aber es ist offenbar so, dass das Selbstverständliche in unse­rer Gesellschaft nicht selbstverständlich ist, sondern Bestätigungen und Ermutigungen eingeübt werden müssen, um berufliche und private Erfolge herbeizuführen. Was bedeutet das nun für uns Menschen? Benötigen wir ein taktisches Training, um andere anzulächeln? Ist Beten die taktische Ultima Ratio auf dem guten Weg, Sorgen und Ängste zu überwinden?

Wer kein gläubiger Mensch ist, dem dürfte das Beten auch nicht helfen. Derjenige, der anderen Men­schen nicht gutgesonnen ist, scheitert zumindest innerlich am Verständnis für andere Men­schen. Ist die Identität zwischen dem eigenen Verhalten und der inneren Einstellung nicht gewahrt, dürfte die Erfolgsausbildung scheitern, ja sogar das Misstrauen daran genährt werden, dass das Training nur einem einzigen Ziel dient, Erfolg zu haben, d. h. sich gegen­über anderen mit seinen eigenen Interessen durchzusetzen. Gelingt das wirklich?

Ich habe da meine Zweifel, verstehe aber auch sehr gut, dass die Trainingsprogramme zumindest für die Zeit der Ausbildung das wohlige Gefühl vermitteln, alles sei einfach und erreichbar, wenn man nur will und sich an die wohlmeinenden Empfehlungen hält. So gehört die Ausbildung in den Trainings­zentren selbst zu den schönsten und bleibendsten Erlebnissen der Teilnehmer, schafft Verbin­dungen, vielleicht sogar Freundschaften. Da draußen in der Welt der Selbstverwirklichung, von Ansprüchen und Gier sieht dann schnell die teuerste Empfehlung oft sehr alt aus.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ordnung

Die rechtliche Ordnung wird dadurch bestätigt, dass manche wagen, ihre Regeln zu überschreiten. Sie wird von Menschen fortgeschrieben, wobei eine Regelüberschreitung die nächste provoziert und so fort. Ordnung schafft Sicherheit, macht aber gefangen. Diejenigen, die sich im Recht auskennen, strapazieren diese Ordnung, suchen nach Schlupfwinkeln oder knüpfen das Netz des Rechts mit ihren Ansichten enger, als es ist. Die Unwissenden verstricken sich, wollen wissen, was geht oder nicht geht, meinen dabei nicht nur ihre Ansichten und Verhaltensweisen, sondern beharren auf Handlungsanweisungen.

Aber erst die Überwindung des normativen Denkens macht unsere Rechtsordnung wertvoll, denken wir z. B. an den Rechtsanwalt Nader, der in den 60er-Jahren den Verbraucherschutz in den USA herausgefordert hat, indem er mit Argumenten aus dem nichtrechtlichen Bereich Unternehmen zwang, auf gesundheitliche und technische Risiken der Bürger einzugehen. Lebenssachverhalte sind in erster Linie unjuristisch und bekommen durch die Juristerei nur so lange ihre allgemeinverbindliche Legitimität, bis diese Verbindlichkeit auch wieder infrage gestellt wird. Ein sich selbst reproduzierendes Justizsystem entfernt sich weit vom Judiz des Menschen, verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit bei denen, die auf einem würdevollen Leben des Menschen bestehen, und schafft ein trotziges Unverständnis bei denjenigen, die der vermeintlichen Überlegenheit des Gesetzes und der Justiz vertrauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski