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Rente

Solange ich zurückdenken kann, gibt es die Rentendiskussion. Dabei geht es stets um die Frage, wie lange Rente gezahlt wird und wer für diese künftig aufzukommen hat. Es ist vom Generationenvertrag die Rede und vor allem davon, dass leider die immer jüngste Generation zusätzlich anschaffen muss, um die Rente zu bezahlen. Die gegenwärtige Generation hält dies für eine Zumutung, hält aber still, wohlwissend, dass die nächste Generation auch schon anvisiert ist, um die Rente anzusparen, obwohl sie dies natürlich noch nicht weiss.

Niemals ist es sicher, ob dieser Generationenvertrag funktioniert, aber er wird als so gerecht empfunden, dass sogar, um dem Klientel wohl zu gefallen, verschiedene Renteneinstiegszeiten für vertretbar gehalten werden. Es ist von der Rente ab 63 die Rede, ab 67 oder schon von Frühverrentung ab 55. Neben der staatlichen Rente gibt es verschiedene andere betriebliche und altersbetriebliche Altersversorgungen. All dies kostet Milliarden. Wir sind es unseren Arbeitnehmern schuldig, weil es gerecht ist, dass sie ab einem bestimmten Alter nichts mehr tun.

Natürlich wollen wir sie auch loswerden. Sie sollen auch nichts mehr tun und der nächsten Generation Platz machen. So würden wir es natürlich niemals sagen. Sieht aber so Solidarität aus? Ich habe da meine Zweifel. Solidarisch ist es, denjenigen zu helfen, die nicht mehr arbeiten können, das Wollen dürfte dabei eher zweitrangig sein. Wir Menschen sind in der Pflicht, für uns zu sorgen, ob wir Jugendliche sind oder alte Menschen. Wenn wir nicht mehr können, brauchen wir die Unterstützung der Familie und die des Staates.

Es spielt keine Rolle, ob wir bis zum Alter von 70 oder 80 arbeiten oder dies schon mit 60 nicht mehr können. Wenn wir Hilfe benötigen, sind wir auf ein umfassendes Angebot angewiesen und können uns nicht abfinden mit Regelzuweisungen, die von Zeit zu Zeit minimal erhöht werden. Der menschengerechte Pflegeaufwand ist enorm und derjenige, der sein Leben lang gearbeitet hat, kann von seinen Kindern und subsidiär auch von der Gesellschaft verlangen, dass er würdevoll die Zeit bis zu seinem Tode verbringen darf.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für diejenigen, die neben ihren Arbeitgebern auch in die Rentenkasse eingezahlt haben oder für Pensionäre, sondern für alle, die im Dienste der Gesellschaft tätig geworden sind, ob sie verrentet waren oder nicht. Auch, wenn es altmodisch klingen mag, ein Ehrensold, eine staatliche Unterstützung, die in keiner Weise der Rente nachsteht, hat auch derjenige verdient, der keine Rentenanwartschaften erworben, aber zum Beispiel als Selbständiger gearbeitet, hohe Steuern gezahlt hat und dann verarmt ist.

Das gilt auch für diejenigen, die freiwillig und ehrenamtlich einen Großteil ihrer Zeit für die Gesellschaft tätig geworden sind und diese Tätigkeit einer beruflichen vorgezogen haben. Ist ein Ehrensold für diese nicht angemessen? Solidarisches Handeln verlangt von der Gesellschaft nicht nur diejenigen zu bedenken, die dem Mainstream entsprechen und die Mehrheit sind, sondern auch denjenigen, hinter denen üblicherweise keine Rentenlobby steht. Eine solidarische Gesellschaft erkennt die Nöte aller Menschen und fühlt sich diesen verpflichtet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski