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Populismus

Was sind die Ursachen des Populismus? Was hat ihn hervorgerufen und welche Umstände befördern ihn? Die Spekulationen dazu füllen Zeitungen und Bücher und sind in vielen Talkshows präsent. Merkwürdigerweise habe ich im öffentlichen Diskurs bisher nicht vernommen, dass es hierfür auch systemische Gründe geben kann. Ein bestimmender Aspekt bei dem Verlust von Ordnung.

Aus meiner Sicht sind es nicht diffuse gesellschaftliche Gründe, die den Populismus bewirken, sondern ganz konkrete Umstände des menschlichen Zusammenlebens, die wir zur Disposition gestellt haben. Es geht dabei um das sogenannte Milieu, den Kiez und natürlich auch um die Enge der nachbarschaftlichen Kontrolle. Diese Form der Gemeinschaft erschien der Zwischengesellschaft verpieft, nicht aufnahmefähig durch andere Menschen, unmodern und akulturell.

Angefangen von der Hausgemeinschaft bis zum nachbarschaftlichen Miteinander in Gaststätten und Kegelklubs wurden diesen Gemeinschaften Attribute wie zwanghaft und spießig zugeordnet. Dabei funktionierte die soziale Kontrolle und verhinderte ein Auseinanderbrechen solidarischer Lebensvorstellungen.

Statt Miteinander, Vernunft und ähnlicher Zielorientierung sind Unzufriedenheit und Egoismus in die Kieze eingezogen. Dies bietet keine Geborgenheit mehr. Selbstverständlichkeiten werden aufgerissen durch Fremdheit und Ängste, Paralysierung durch Medien und das Internet. Den medialen Angriffen auf sein Selbstverständnis kann das Milieu nichts mehr entgegensetzen. Das Ergebnis sind Unsicherheit, Angst und der verzweifelte Versuch seiner Bewohner, zumindest im Protest eine Heimat zu finden. Es geht dabei weniger um Inhalte, als um die Chance sich durch ein bestimmtes Auftreten Respekt und Gehör zu verschaffen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Touristen

Ach´ wie schön ist Panama! Das Ziel moderner Touristen ist die Welt. Es gibt aber kein beständiges Ziel. Statt immer wieder Italien ist Teheran, Moskau, Peking und Vancouver angesagt. Nicht nur die Städte, aber gerade diese geben den Touristen Gelegenheit, sich Dank Selfie und Internet mit der ganzen Welt zu vernetzen und zu zeigen, was alles geht. Es ist üblich geworden als Tourist, ob in der Stadt oder auf dem Land gleichermaßen, mit Flip-Flops, kurzen Hosen und T-Shirts aufzutreten. So sind Touristen zwar leicht erkennbar, aber gerade dies weist auf ein Problem hin. Die Touristen sind in der Überzahl.

Dank Verkehrsmitteln, Airbnb und Billighotels ist für Touristen heute fast alles möglich. Sie nehmen eine Stadt in Besitz, und zwar zu jeder Jahreszeit. Manche Städte – wie Palma de Mallorca – klagen darüber schon und versuchen, Kontingentierungen einzuführen. Bewohner anderer Städte reagieren aggressiv gegenüber Touristen oder ziehen sich in wenige von den Touristen noch unerkannte Quartiere zurück.

Um das Problem zu benennen: Die meisten Gegenden in dieser Welt sind zunächst von den ortsansässigen Menschen zum Nutzen ihrer Bedürfnisse gestaltet worden. Sie legen noch immer Wert auf bestimmte Sitten und Gebräuche, die ihre Heimat ausweist, zum Beispiel Ästhetik und zivilisierten Umgangston. Ein bestimmtes ortstypisches Verhalten verkörpert also diesen Menschenschlag, dessen Errungenschaften und Verhaltensweisen, die der Tourist eigentlich kennen lernen sollte. Das Gegenteil ist heute aber oft der Fall.

Der Tourist schert sich überhaupt nicht um die einheimische Bevölkerung, ihre Esskultur, Gebräuche und Sprache. Mit Englisch geht alles und das Verhalten, zumindest in der Gruppe entspricht der angemaßten Freiheit. Let´s Party, ein paar Tage später sind sie ja ohnehin wieder weg, also weitergezogen. Diese durchaus herrschende Touristenmentalität wird heute oft beklagt und kann durch mehr Umsatz nicht kompensiert werden. Wenn man sich nur für wenige Augenblicke am Brandenburger Tor aufhält, Selfies schießt und anschließend Donuts oder Eis dort zu sich nimmt, erfährt man nichts über Berlin.  Die Touristenwelt passt nicht zu uns Bewohnern, ob in der Stadt oder auf dem Land.

Wir müssen anfangen, von Touristen Respekt vor uns zu erwarten und dies als Teil einer Kampagne werden lassen, die Fremde willkommen heißt, aber auch das Einhalten von Regeln einfordert. Tun wir dies nicht, werden Aggressionen wachsen und sich Abwehrverhalten entwickeln, die Selbstschutzcharakter aufweisen. Gesetzgeber, Staat und Gemeinden müssen schleunigst diese Regeln aufstellen. Wenn die Touristen sich daran halten, sind sie willkommen, wenn nein, sollten sie wegbleiben.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Worte

Wir stehen unter erheblichem Lieferdruck. Zwei Mal in der Woche soll ein neuer Blogbeitrag erscheinen. So habe ich es mit Frau Klame verabredet. Gedanken und Gefühle, die auf Vorkommnisse reagieren. Darüber will ich schreiben, den Prozess und die Wirkung erläutern. Ich greife zum Diktiergerät und lege los. Ich weiß, es wird sich ein Wort zum anderen fügen und schließlich etwas entstehen, das ich selbst mit Verwunderung lesen werden. Das soll ich geschrieben haben?

Schon möglich, denn als aufmerksamer Mensch bleibt mir nicht alles verborgen, vieles wird mir erzählt und manches lese ich nach. Die eigenen Überlegungen mit einzuarbeiten, gelingt mir desto besser, je mehr ich mich gedanklich schon von dem Anstifter meiner Wahrnehmungen entfernt und befreit habe. Ich leugne nicht, dass es mir Spaß macht, nach einem Blatt Papier zu greifen, mich dann zu konzentrieren und Ideen zu Themen zu entwickeln, über die ich schreiben könnte. Wenn ich sie nicht aufschreibe, vergesse ich sie wieder, vertraue aber darauf, dass die Gedanken mich schon nachhaltig genug plagen würden, um irgendwann dann doch wieder zu erscheinen.

Jeder Blogbeitrag ist eine Minigeburt und diese Minischöpfung entsteht erst dadurch, dass meine Mitarbeiterin Frau Gerlach diese zu Papier bringt, geduldig die Korrekturprozesse begleitet, meine Handschrift zu entziffern vermag und schließlich auch noch meine Frau gegenliest, bevor Frau Klame übernimmt und in den Blog einpflegt. Auf einen Resonanzraum habe ich bewusst verzichtet.

Ist der Blog im Internet angekommen, ist er bei mir weg. Ich weiß über den Provider, dass sehr viele die Beiträge anklicken und oft erstaunlich lange verweilen. Aber, es sind nur Worte. Sie bewegen nichts, weil es offenbar nicht gelingt, die Medien so zu nutzen, dass sie als Transmitter für Respekt, Menschenrechte und Zuneigung dienen. Manche Menschen können auch durch Twittern verstören, aber durch Worte allein wird nichts bewegt, wenn der Resonanzraum zu klein ist. Ich muss nachdenken, ob es sinnvoll ist, Worte zu verbreiten, die Tausende zwar regelmäßig Woche für Woche lesen, aber deren Sinn offenbar allein darin besteht, nichts zu bewirken.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski