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Die Erfahrung der gesunden Ernährung

Oft lassen wir es uns richtig gut schmecken. Am besten schmeckt, was viel Fett, Salz und Glutamat enthält, aber auch das Auge isst mit. Wir haben eine Vorstellung, wie Essen aussehen muss. Es muss nicht nur frisch sein, lecker duften, sondern uns auch schon optisch verführen. Wenn es dann auch so schmeckt, wie wir es gesehen haben, dann ist der Genuss vollkommen. Was wir dann an Zusatzstoffen und beigefügten Aromen zu uns genommen haben, ist zumindest für den Augenblick eher nebensächlich. Zuweilen verspüren wir eine kleine Erschütterung im Magen, fühlen uns nach dem Essen müde und abgespannt. Aber schon nach der nächsten Herausforderung sind wir wieder einsatzbereit. Das Essen soll unseren Hunger vertreiben, uns aber auch trösten und ein gutes Gefühl der Geborgenheit verbreiten. Das wollen Eltern nicht nur für ihre Kinder, ihre Heranwachsenden, sondern ebenso für ihr Baby. Das Kleinstkind soll satt werden, sich geborgen fühlen, sich am Essen erschöpfen und möglichst wieder einschlafen. Der mütterliche Milchsegen reicht oft bald nicht mehr aus und die Eltern beginnen, ihrem Kind Fertignahrung zu verabreichen. Zunächst in der Flasche und später wird dann vorwiegend aus gebrauchsfertigen kleinen Gläsern das Essen gelöffelt. Auf Säuglingsnahrungen aus Gläsern strahlen alle Kinder um die Wette, die Gläschen und Tiegel zeigen frisches Obst, Haferflocken vom wogenden Feld und jede Zutat wirkt frisch und appetitlich. „Frisch auf den Tisch“ gilt allerdings für Säuglingsnahrung nicht.

Auch wenn das Fläschchen oder das kleine Gläschen noch so harmlos aussieht, es ist Teil einer Massenproduktion von Kindernahrung, die in gigantischen Kesseln hergestellt wird. Teils automatisch, teils mit Hand werden tonnenweise Obst und Gemüse verarbeitet, Qualitätskontrollen werden selbst-verständlich durchgeführt, aber der Wettbewerb um die Nachfrage bestimmt den Preis. Die Kalkulation ist entsprechend. Der Aufwand wird weitergegeben an den Kunden. Der Kunde will seinen Kindern selbstverständlich etwas Gutes tun und verfüttert ihm die durchaus teuer erworbene Nahrung bis zum Bodenrest. Das Kind protestiert nicht, sondern gewöhnt sich an die ihm zugeführte Menge. Bei Verlust der gewohnten Mengen schreit es. Das Kind stellt sich ein auf einen bestimmten Geschmack. Wird ihm dieser vorenthalten, so schreit es. Hat sich das Kind an Fertignahrung erst einmal gewöhnt, wird es kaum mehr bereit sein, sich auf Selbstgemachtes der Eltern einzustellen. Aber nur beim Selbstgemachten besteht die Gewähr dafür, dass die Eltern zuvor zunächst selbstständig untersucht haben, ob die Zutaten etwas taugen, die von ihnen hergestellte Speise dem Kind auch bekommt und ob die zugeführte Menge an Essen auch aufnahmefähig und bekömmlich ist. Es gibt nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, dass die maschinell hergestellte Essensware der eigenen Auswahl und Zubereitung durch die Eltern überlegen ist. Es ist nur eine Frage der Gewohnheit und unserer Bequemlichkeit, was unser Kind zu essen bekommt. Es ist nicht die Menge des zugeführten Essens für das Kindeswohl maßgeblich, sondern dessen Gehalt. Dieser Gehalt drückt sich nicht nur aus in Kalorien und Joule, sondern in der Nachhaltigkeit der zugeführten Energie. Einen derartigen Energiekompass habe ich bei Fertiggerichten bisher nicht feststellen können. Selbst hergestellte Babynahrung ist nicht nur für Kleinkinder schmackhaft und bekömmlich, sondern erfahrene Eltern bangen stets, ob von der Kindermahlzeit noch etwas für sie selbst übrig bleibt. Sie schmeckt ja so gut!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski