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Europa

Europa versinkt im Chaos, löst sich auf. „Weh und ach“ schallt es aus den Mündern der Politiker und echot es in allen medialen Veröffentlichungen. Na und? Was soll das Geschwätz? Besinnen wir uns doch einen Moment darauf, was Europa ist. Dieser Kontinent ist die Heimstätte von Menschen, die hier leben. Man nennt sie Europäer. Da löst sich keineswegs etwas auf, weil Menschen nicht verschwinden.

Ja, zugegebenermaßen gibt es wirtschaftliche Verwerfungen, Endsolidarisierungen (furchtbares Wort!), Machtgehabe, Bevormundungen und Rücksichtslosigkeiten. Aber, so gebe ich zu bedenken, ist dies nicht immer so, ob in Klein- oder Großfamilien. Zoff gehört zum Lebensalltag, die großen Worte und die unsinnigen Taten.

Dennoch: Auch das Scheitern bietet Chancen, sich trennende Wege kreuzen sich wieder, wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. Irrtümer ziehen Einsichten nach sich, neue Herausforderungen führen zu neuen Lösungen, dies auch bei scheinbar unüberwindbaren Konflikten, denn die Geschichte zeigt, dass alle Gegner irgendwann ermatten oder erkennen, dass an unerwarteter Stelle Neues entsteht, sie dann aber nicht abseits sein wollen. Es ist immer an der Zeit, mit Gelassenheit Leitfäden zu entwerfen, Verabredungen zu treffen, eine Mediation einzuplanen, zu untersuchen, weshalb einzelne europäische Staaten so oder so handeln. Der Appell allein an Vernunft und Einsicht ist zwar wohlgemeint, aber nicht förderlich.

Ob in Einzel- oder Gruppengesprächen ist es stets dem gemeinsamen Anliegen förderlich, anderen vorbehaltlos zuzuhören und schon dadurch zu einer Entlastung beizutragen, Haltungen zu verstehen, auch wenn man sie selbst nicht teilt und Lösungsmöglichkeiten jedem zuzutrauen. All dies schon aus eigenem gesellschaftlichen und staatlichen Interesse heraus. Das ist eine europäische Haltung, die anstiftet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski