Wer sagt eigentlich, dass wir immer alles regeln müssen. Vielleicht liegt auch eine große Kraft darin, nichts zu tun und abzuwarten, was passiert. Zu meiner Verblüffung erzählte mir ein Bekannter einmal, dass er auf nichts reagiere, vor allem keine Behördenschreiben etc. Die meisten Dinge würden sich von selbst erledigen. Der Erfolg wäre immer 50 zu 50.
Das Ungemach, mit dem umzugehen, was nicht klappt, sei weit geringer, als der Aufwand, der vorsorgend getroffen werden müsse, damit nichts passiere. Diese Haltung hat mich beeindruckt, auch wenn ich selbst so nicht handele. Aber dennoch weiß ich, dass wir uns viel zu wenig bewusst darüber werden, dass jede vertane Chance eine neue Chance offerieren könnte.
Nehmen wir allerdings keine Chancen wahr, versiegt irgendwann der Zustrom an Möglichkeiten. Wir bekommen keine mehr. Deshalb sollten wir wohl beides lernen, das Abwarten können und das Zugreifen. Auch wenn uns viele Chancen entgehen, es bleiben noch genügend vorhanden. Auch, wenn wir Absagen erfahren, uns wichtige Vorhaben nicht gelingen, die nächsten kommen bestimmt.
Wer weiß, wozu es gut ist. Dieser Spruch kann uns trösten, wenn wieder einmal eine mittlere Katastrophe über uns hereingebrochen ist. Natürlich versuchen wir, dies zu vermeiden, aber sehen dann nach einiger Zeit, dass der Spruch wahr ist. Dies deshalb, weil wir selbst alles daransetzen, aus einer misslichen eine für uns positive Situation zu gestalten. Was dem Einzelnen gelingt, sollte unserer Gesellschaft auch gelingen. Schluss mit der Reglosigkeit.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski