Schlagwort-Archive: Selbstbeschränkung

Positiv

„Positiv zu sein, ist eine Chance.“ Diese und ähnliche Parolen las ich auf der Hauptstraße einer Landgemeinde in Südafrika. Gemeint war, dass derjenige, der positiv auf HIV getestet wurde, seine Chance auf Leben wahrnehmen darf und sollte.

Diesen Appell verdanken wir Hugo Tempelman, einem nicht nur begnadeten Arzt, der in Südafrika wirkt, sondern auch dessen großem sozialen Verständnisses. Wer positiv denkt, überwindet nicht nur Krankheiten, sondern gewinnt auch eine Lebenseinstellung, die vieles ermöglicht, was auf den ersten Blick unerreichbar erscheint.

Wieso? Es passiert, dass die ganzen Kräfte sich darauf konzentrieren, Möglichkeiten zu erkennen, vorhandene einschränkende Denkmuster überwunden werden und sich Zuversicht und Freude dabei einstellt, Neues und Unerwartetes auszuprobieren. Das Verharren in individuellen, sozialen und politischen eindimensionalen Denkstrukturen bewegt nichts.

Aus Frustration entsteht Selbsthass und Selbsthass steigert den Hass auf alles, was sich dagegen nicht wehren kann. Jede Selbstbeschränkung, sei diese ideologisch oder emotional, stärkt die Erreger von seelischen Krankheiten und verhindert jeden Heilungsverlauf. Wenn wir dem gesunden und kollektiven Selbstempfinden eine Chance geben wollen, müssen wir anfangen, positiv zu denken, zu empfinden und zu handeln. Diese Chance hat jeder einzelne Mensch und wir alle zusammen als Gruppe, Gemeinschaft, Volk und Weltenbürger.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Zuhören

Das Zuhören ist eine Kunst des Sprechens, und zwar so, dass andere Interesse daran haben, das Gehörte zu erfahren. Zum allgemeinen Zuhören gehört daher das Sprechen über Dinge, die andere Menschen tatsächlich interessieren. Der Zuhörende reklamiert für sich, dass er dadurch, dass er anderen zuhört, etwas erfährt, was ihn nicht nur persönlich bereichert, sondern auch in die Lage versetzt, wieder anderen etwas mitzuteilen, was diese wiederum interessiert und beschäftigt. Es hört sich banal an, Sprechen und Zuhören sind eine Kunst der Selbstbeschränkung im Interesse der Üppigkeit von Gedanken und Meinungen. Eine Vielfalt, die, wenn sie nutzbringend eingesetzt wird, alle weiterbringt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski