Der Körper, das unbekannte Wesen. Da sich der Mensch nicht mehr ganzheitlich begreift, ist ihm auch die Krankheit in ihrer Normalität fremd. Er empfindet sie als Bedrohung, feststellbar als körperliche Beschwerden. Diese sollen mittels Ärzten und Heilpraktikern möglichst schnell beseitigt werden. Der Körper soll nicht mehr stören. Damit er nicht mehr stört, bekommt er Mittel verabreicht, deren Wirkung wir nicht kennen. Sie sind uns in der Regel auch gleichgültig. Wichtig ist uns nur, dass die störende Empfindung beseitigt wird. Dabei vertrauen wir umfassend Medikamenten, gegebenenfalls auch solchen, die homöopathisch wirken, unserem Körper selbst aber schon deshalb nicht, weil er die Krankheit zugelassen anstatt sie verhindert hat. Also sei – so meinen wir – der Körper auch unfähig, für die Beseitigung des störenden Gefühls – der Krankheit – selbst zu sorgen. Ein verhängnisvoller Irrtum. Es ist selbstverständlich, dass der Körper zur Beseitigung schwerwiegender Krankheiten vielfältiger, manchmal auch medika-mentöser Unterstützung bedarf. Grundfalsch ist es dabei allerdings, die eigenen Abwehrkräfte des Körpers nicht in Betracht zu ziehen. Anstatt die Herausforderung anzunehmen und diese Kräfte zu aktivieren, werden sie durch die Art und Weise unseres Vorgehens geschwächt, neutralisiert und vor allem verhängnisvoll programmiert. Der Körper hat ein Langzeitgedächtnis. Wenn sich in die Erinnerung des Körpers einnistet, dass er überhaupt nicht selbst aktiv werden muss, wird er beim nächsten Krisenfall zwar wieder die Symptome anmelden, sich aber wie gewohnt passiv verhalten. Das geht eine ganze Zeit lang gut, signalisiert indes den für die Krankheitsbekämpfung relevanten Selbstabwehrkräften des Körpers, dass sie keine Aufgaben mehr haben. Sie können sich zurückziehen. Der Mensch ist damit schutzlos geworden; dies auch dann, wenn er für jeden spezifischen und z. B. in Westeuropa relevanten Krisenfall vorgesorgt hat. Krankheiten haben die Neigung, den Typus zu variieren und es ist sehr fraglich, ob sämtliche Medikamente auf Dauer dazu angetan sind, bei allen Varianten Abhilfe zu schaffen. Deshalb ist eine Doppelstrategie sinnvoll. Der Mensch sollte sich mit Gelassenheit seiner Krankheit widmen, sich mit Hilfe der Ärzte, Heilpraktiker bei schwerwiegenden bzw. bei weniger relevanten Krankheiten mit Hilfe der Hausmittel Klarheit über seinen Zustand verschaffen und zielführend seine körpereigenen Kräfte aktivieren. Oft genügt schon das Bekenntnis zur Krankheit, das dazu führt, dass der Körper in Übereinstimmung mit Geist und Seele beginnt, aus der Erstarrung herauszufinden. Die Säfte fließen wieder, das wechselseitige Vertrauen wächst. Der Körper ist ein wunderbares Biotop. Es ist erstaunlich, wie viel er zu verkraften vermag, und wie sehr er sich daran freut, wenn er einmal Zuspruch erhält, Unterstützung durch Schlaf, Spaziergänge, aber auch Leistungsanreize. Wir Menschen sind nicht auf Bequemlichkeit programmiert, sondern unser Körper fordert die Unruhe von uns, die Fähigkeit zu ständigen Veränderungen. Sich selbst heilen, bedeutet, seinen Körper kennenlernen zu wollen, hinzuhören, zu fühlen und mit Güte die Fähigkeiten des Körpers wahrzunehmen, sich selbst zu helfen. Zunehmend sind Ärzte bereit, nicht nur den Körper ihrer Patienten, sondern den Patienten Mensch auf diesem Weg zu begleiten, ihm Anregungen und Hilfe zu bieten und wenn es sein muss ihn auch mit Medikamenten zu versorgen, die den Körper nicht lähmen, sondern stimulieren.
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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski