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Touristen

Ach´ wie schön ist Panama! Das Ziel moderner Touristen ist die Welt. Es gibt aber kein beständiges Ziel. Statt immer wieder Italien ist Teheran, Moskau, Peking und Vancouver angesagt. Nicht nur die Städte, aber gerade diese geben den Touristen Gelegenheit, sich Dank Selfie und Internet mit der ganzen Welt zu vernetzen und zu zeigen, was alles geht. Es ist üblich geworden als Tourist, ob in der Stadt oder auf dem Land gleichermaßen, mit Flip-Flops, kurzen Hosen und T-Shirts aufzutreten. So sind Touristen zwar leicht erkennbar, aber gerade dies weist auf ein Problem hin. Die Touristen sind in der Überzahl.

Dank Verkehrsmitteln, Airbnb und Billighotels ist für Touristen heute fast alles möglich. Sie nehmen eine Stadt in Besitz, und zwar zu jeder Jahreszeit. Manche Städte – wie Palma de Mallorca – klagen darüber schon und versuchen, Kontingentierungen einzuführen. Bewohner anderer Städte reagieren aggressiv gegenüber Touristen oder ziehen sich in wenige von den Touristen noch unerkannte Quartiere zurück.

Um das Problem zu benennen: Die meisten Gegenden in dieser Welt sind zunächst von den ortsansässigen Menschen zum Nutzen ihrer Bedürfnisse gestaltet worden. Sie legen noch immer Wert auf bestimmte Sitten und Gebräuche, die ihre Heimat ausweist, zum Beispiel Ästhetik und zivilisierten Umgangston. Ein bestimmtes ortstypisches Verhalten verkörpert also diesen Menschenschlag, dessen Errungenschaften und Verhaltensweisen, die der Tourist eigentlich kennen lernen sollte. Das Gegenteil ist heute aber oft der Fall.

Der Tourist schert sich überhaupt nicht um die einheimische Bevölkerung, ihre Esskultur, Gebräuche und Sprache. Mit Englisch geht alles und das Verhalten, zumindest in der Gruppe entspricht der angemaßten Freiheit. Let´s Party, ein paar Tage später sind sie ja ohnehin wieder weg, also weitergezogen. Diese durchaus herrschende Touristenmentalität wird heute oft beklagt und kann durch mehr Umsatz nicht kompensiert werden. Wenn man sich nur für wenige Augenblicke am Brandenburger Tor aufhält, Selfies schießt und anschließend Donuts oder Eis dort zu sich nimmt, erfährt man nichts über Berlin.  Die Touristenwelt passt nicht zu uns Bewohnern, ob in der Stadt oder auf dem Land.

Wir müssen anfangen, von Touristen Respekt vor uns zu erwarten und dies als Teil einer Kampagne werden lassen, die Fremde willkommen heißt, aber auch das Einhalten von Regeln einfordert. Tun wir dies nicht, werden Aggressionen wachsen und sich Abwehrverhalten entwickeln, die Selbstschutzcharakter aufweisen. Gesetzgeber, Staat und Gemeinden müssen schleunigst diese Regeln aufstellen. Wenn die Touristen sich daran halten, sind sie willkommen, wenn nein, sollten sie wegbleiben.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Bilder

Selfie von und mit mir am Brandenburger Tor. Flüchtlingskind tot, angespült an griechischem Ufer. Persönliche Bilder, fremde Bilder, Schicksalsbilder, Geschichtsbilder, Realbilder und Fakebilder. Und dann das Kopfkino. Traumbilder, Bilder aus Bildern, eigene Projektionen und die anderer.

Du sollst Dir kein Bildnis machen von deinem Nächsten. Du sollst Gott nicht abbilden. So fordern manche Religionen. Und trotzdem eine Bilderflut, wozu? Können Blinde auch sehen? Was verhindert das Bild, was verschafft es? Die Fragen mögen dumm erscheinen, da Bilder allgegenwärtig sind. Aber, sie sind dennoch nichts ohne uns, weil erst durch unsere Wahrnehmung die Bilder ihren spezifischen Charakter entfalten. Es sind die Bilder unseres Lebens, die wir aufrufen können, um Entwicklungen zu messen und uns zu erinnern, wenn Gefühle und Gedanken nicht ausreichen.

Bilder sind spezifisch, fordern Korrespondenz. Sie sind zwar dem Gedanken verwandt, aber der Bildraum ist noch weiter, unbeherrschbar durch den Moment. Das Bild verändert sich durch unsere Wahrnehmung, verändert sich durch Zeit und Umstände. Die Bilder in uns sind die Blaupausen der Wirklichkeit, werden aber erst real durch uns. Das Bild ist das, was wir uns vorstellen, selbst dann, wenn für das Betrachten des Bildes Maßregeln oder Rezepturen vorgegeben werden. Dem Bild kann sich keiner entziehen, weder ein Gegenstand, noch eine Idee.

Das Bild ist allmächtig und herrscht über Zeit, Raum und Ewigkeit. Das Bild macht nicht Halt vor Blinden und schafft auch aus Ornamenten umfassende, wenn auch subjektive Identitäten. Wir Menschen erfahren Bilder und machen uns Bilder, von allem.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski