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German Angst

Angst war oft schon Gegenstand meiner Betrachtungen in Blogbeiträgen. „German Angst“ noch nie. Wieso? Vermutlich deshalb, weil „German Angst“ ein Begriff ist, den andere als Ausdruck für unsere Befindlichkeit als Deutsche geprägt haben, wir aber uns diesen nicht zu eigen machen wollen oder können. Der Begriff „German Angst“ strahlt etwas Befremdliches aus, etwas, das geeignet ist, uns verächtlich zu machen und unsere Schwierigkeiten, mit der Welt zurechtzukommen, als verwunderlich beschreiben soll.

Unsere Angst vor allem bietet gleich auch das deutsche Gegenmittel: „Hab dich doch nicht so!“ Wie es mit den Ängsten anderer Menschen weltweit bestellt ist, weiß ich, wie viele Deutsche, auch nicht. Es gibt sicher Ängste, die alle Menschen teilen und die mit Armut und Umweltzerstörung in Verbindung gebracht werden können, um nur zwei herausragende Themen zu nennen.

Bei Asterix und Obelix gibt es die stete Angst, dass einem das Dach auf den Kopf fallen könnte. Bei uns scheint es so, als gäbe es vor allem eine Art Angst, die durch mangelndes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten hervorgerufen wird. „The German Angst“ scheint also vor allem eine allumfassende Angst zu sein, die allerdings im Einzelfall wieder gebändigt und überwunden werden kann.

Sie beruht auf hoher Sensibilität, aber auch Erfahrungswissen. So oft und so leicht wurden die Deutschen schon Opfer ihrer eigenen Hybris. Sie glauben, dass sie sich keine weiteren Fehler leisten können und schicken daher ihre Angst vor, damit sie mögliche Irritationen schon von vornherein ausräumt.

Gelingt das? Ich habe da meine Zweifel. Ich glaube, dass Zuversicht, Unbekümmertheit und Mut, die Gefahren erkennen, einkalkulieren, aber nicht Besitz und Seele und Geist ergreifen lassen, viel bessere Ratgeber sind, als Angst, die schließlich danach trachtet, etwas zu verhindern, anstatt es zu ermöglichen. So aber kann weder persönlich, noch gesellschaftlich eine vertrauensvolle Zukunft gestaltet werden. Die Zuversichtlichen, die meinen, dass schon immer alles gut gegangen sei, haben wahrscheinlich recht. Wer wagt, gewinnt, oder?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Restitution

Es ist gut, dass Bewusstsein und Sensibilität dafür wachsen, dass geraubte oder nicht ethisch sauber erworbene Kunst- und Kulturgegenstände wieder an frühere Eigentümer bzw. Besitzer zurückzugeben seien. Dies sollte allerdings nicht nur das Naziraubgut, die Enteignung und Übervorteilung von Juden betreffen, sondern alles, was in Kriegen oder unter Ausnutzung von Machtpositionen direkt oder indirekt entwendet wurde.

Nach meiner Auffassung ist die Begrifflichkeit hier weit zu fassen, denn, wie der Volksmund zu Recht weiß: „Unrecht Gut gedeiht nicht gut.“ Das heißt, der Raubbegriff sollte auch diejenigen Artefakte mitumfassen, die nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv Einfluss auf das Herausgabebegehren ehemaliger Rechteinhaber haben. Es geht nicht nur um Rechtspositionen, sondern auch um Würde und Integrität.

Was sich auf persönlicher Ebene vollziehen sollte, gilt gleichermaßen für ehemalige Kolonien, Mandatsgebiete und andere Machtsphären, die zur Unterdrückung von Kulturen, Wesensarten und Traditionen missbraucht wurden. Nicht nur die materielle, sondern auch die immaterielle Restitution ist unumgänglich, um nicht nur zwischen den Völkern dieser Welt einen Austausch auf Augenhöhe stattfinden zu lassen, sondern Erfahrungen zu erlauben, die durch selbstermächtigte Interpretation, Anmaßung und Verweigerung des selbstbestimmten „Anderen“ verschlossen sind.

Kulturschätze anderer Völker glänzen im Licht ihrer Regionen, Bezüge und jahrtausendalten Interpretationen ganz anders in unserem Bewusstsein, als das intrinsische Vorbild unserer eigenen historischen und kulturellen Apologie. Wir müssen mehr in Restitutionsfragen investieren, um nicht museal zu erstarren, sondern aus dem materiellen und ideellen Besitztum an geborgten Gegenständen Kraft für Neues schöpfen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski