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Sharing

Unsere Begriffswelt strotzt vor Anglizismen. Dennoch habe ich nicht das deutsche Wort „teilen“ hier gewählt, sondern Sharing. Sharing ist mehr als Teilen. Es umfasst das gemeinsame Teilen. Unter Sharing-Economy verstehen wir eine Wirtschaftsform, die sich dadurch mitteilt, dass alle am Produktionsprozess beteiligten Menschen ihren Erfolg miteinander teilen. Bei der Sharing-Economy ist der Konsument, wie auch der Produzent gleichermaßen in der Pflicht, etwas zu gestalten, das sinnvoll ist und alle bereichert, den Konsumenten, wie den Produzenten, den Distributer genauso wie den Investor. Es geht um ein gemeinsames Anliegen.

Themen gemeinsamer Anliegen finden sich bei der Müllvermeidung, wie bei der Lebensmittelrettung, dem Klimaschutz und der Mehrfachnutzung von Böden und Gerätschaften. Der Gedanke der Share-Economy ist übertragbar in fast alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens, um den größtmöglichen Nutzen für alle aus vorhandenen Ressourcen und deren Handhabung zu schaffen.

Auch, wenn Mehrwerte und Profite entstehen, Leistungsanreize geschaffen werden und Fortschritt willkommen ist, entspricht es der Logik, bisheriges, auch nutzbringendes Verhalten zu überprüfen und dieses neuen Herausforderungen anzupassen. So findet Sharing künftig zum Beispiel auch darin seinen Ausdruck, dass in Restaurants statt prall gefüllter Teller Schüsseln auf den Tisch kommen und die Gäste das, was sie nicht essen können oder wollen, mitnehmen und auf der Straße verteilen. Dies geschieht in vielen Ländern aus religiösen oder sittlichen Gründen, jedoch noch nicht bei uns.

Sharing heißt aber, Verantwortung zu übernehmen für sich selbst, für andere und für die Sache. Zu teilen ist gerecht und ein Zukunftsversprechen für unsere Kinder und Enkelkinder. Deshalb wünschen wir uns das Essen aus Schüsseln und „doggy bags“.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Teile und herrsche Sharing Economy

Nicht die Welt ist aus den Fugen geraten, sondern unsere Wahrnehmung von Veränderungen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, klimatischen und politischen Bereich eröffnet uns die Möglichkeit, nicht nur mit den bereits erprobten und daher bekannten Handlungsmodellen auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen zu reagieren, sondern vielfältiger, sensibler, komplexen und auch fragiler.

Dabei sollten wir allerdings nicht verkennen, dass alle unsere Überlegungen und Handlungsangebote selbst Entwicklungsprozessen ausgesetzt sind, also alle die Endgültigkeit anstrebenden Modelle keine Verwirklichungschance haben. Es gibt rationale Gründe dafür, aber auch emotionale Überzeugungen, dass der bisherige demokratische Kapitalismus keine Zukunft hat.

Bewährtes wird möglicherweise zumindest auf Zeit erhalten bleiben, aber insgesamt werden keine Lösungen mehr möglich sein, die nicht auf permanenten Fragestellungen beruhen. Um der Zersplitterung und Beliebigkeit zu entgehen, ist es dabei erforderlich, gesellschaftliche Nenner aufzutun, die die gesellschaftliche Orientierung für viele komplexe Fragen erlauben, seien diese aus dem Bereich Klimaschutz, Müllvermeidung und Altenpflege, um nur drei wichtige Punkte zu benennen.

Ein System wieder durch ein anderes zu ersetzen, selbst, wenn es ausgedient haben sollte, wird künftig keine Handlungsempfehlung mehr sein. Erfahrungen sind wichtig, aber wir sind frei, umfassend neu zu empfinden, zu denken und Möglichkeiten zu erproben. Unsere Gesellschaft hat sich global und partikulär Dank Internet, den Plattformen der Begegnung und sonstiger technischer Möglichkeiten partizipativ entwickelt.

Was liegt daher näher, als dieses Partizipationsmodell als Role-Modell zu verwenden und dabei darauf zu achten, dass alle Kräfte freigesetzt und auch gebündelt werden, um gemeinsame Ziele, klimatisch, wirtschaftlich, politisch und sozial zu erreichen. Durch „recoupling“ wird wirtschaftlicher und sozialer Erfolg verbunden, die Wirtschaft der Zukunft ist gemeinwohlorientiert und findet ihren Ausdruck in Sharing Economy, Kreislaufwirtschaft, Co-Working und gemeinsamer Anstrengung, diesen Planeten als lebenswert zu erhalten. Alles von Menschen für Menschen. Wir sind vor neue umfassende Aufgaben gestellt. Das vermag in uns einen Pioniergeist zu entzünden, schafft Lebensbestätigung und Gestaltungsmut. Packen wir es an!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski