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Gedankenerfinder

Ich bin ein Erfinder von Gedanken. Keiner meiner Gedanken ist es wert, auf die Goldwaage gelegt zu werden. Diese Gedanken sind auch nicht meine Gedanken im Besonderen, sondern es sind Gedanken, die mir zufliegen, wie Körner des Mondstaubs oder Mücken. Es gibt Gedanken, die mich piksen, die ich lästig abschüttle und manche, die ich wie Staub auf dem Mantel trage. Um andere Bilder zu nutzen, Gedanken sind wie Jonglierbälle. Ich werfe sie hoch, sie fallen zurück, sie schnellen wieder empor oder schnurren wie bei einem Jo-Jo an einem anderen Gedanken entlang, bis sie auspendeln.

Keiner der von mir erfundenen Gedanken hat irgendeinen Sinn, den ich ihm beilege. Jeder der Gedanken verfügt aber über einen eigenen Sinn, der aufbricht, wenn der Gedanke sein Ziel erreicht hat. Als Erfinder von Gedanken bin ich nur Medium, mäßig beteiligt, an dem sich selbst schaffenden Produkt. Es macht aber Spaß, Gedanken zu erfinden, sie zu diktieren, aufzuschreiben oder zu artikulieren, um anderen Menschen Gelegenheit zu geben, mit diesen Gedanken etwas anzufangen, was ihnen vielleicht nützen könnte.

Der Sinn meiner Gedanken liegt also ausschließlich in ihrer Erfindung. Wenn ich meine ganze Kraft darauf konzentriere, möglichst viele Gedanken hervorzubringen, kann es am Ende sein, dass irgendein Gedanke auslösend für Gedanken anderer sein kann. Wenn ich zum Beispiel den Gedanken äußere, dass wir Menschen alles von Menschen für Menschen machen, kann dieser eigentlich selbstverständliche Gedanke eine Revolution auslösen, die den Planten rettet und uns das belässt, was wir mit der Natur zum Leben benötigen. Ein einfacher Gedanke zwar, aber vielleicht für den Augenblick noch der Sinnvollste.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mastermind/Masterplan

Es gibt einen Plan in allen Dingen … Zu dieser Einschätzung kann auch derjenige gelangen, der strikt von sich weist, dass Gott oder die Götter hinter allem und in allem stecken. Jede Geburt und auch der Tod vollzieht sich planvoll, d. h. folgt einer Regel, die dem Leben innewohnt. Auch jede Erschütterung zum Beispiel durch ein Erdbeben erfolgt planvoll. Die Flutwelle, der Tsunami, der die erlebte Erschütterung auszugleichen sucht und dabei selbst verheerend wirkt. Das kleinste Teilchen folgt einem Plan, wie auch die Weite des Universums. Der Plan mag im Urknall begründet worden sein oder auch in seinem Echo. Der Plan entfaltet Leben aus Genomen, schafft Individualität und Gemeinsinn.

Der Sinn des Ganzen kann in einem Spiel von „Trial and Error“ begründet sein, aber auch einer Konzeption folgen, einem Masterplan, der alles eint, ausgleicht und die Entwicklungsspur gelegt hat. Am Masterplan, den wir zumindest erahnen dürften, sind die Leerstellen unsere größten Herausforderungen. Für uns sind sie von der menschlichen Einschätzung abhängig. Das, was wir nicht wissen, lässt uns beharrlich nach Sinnzusammenhängen forschen. Objektiv ist der Masterplan aber in keiner Weise von unserer Einschätzung abhängig, sondern wirkt trotz unseres Glaubens oder Nichtglaubens, unseres Forschens und Verwerfens. Der Masterplan folgt einer Logik, die in ihm selbst begründet ist. Die in ihm selbst begründete Logik kann, aber muss nicht vernünftig sein, sondern kann auch irrational sein, einer Laune entspringen. Der Laune eines stets einflussnehmenden Zustandes, den die Menschen als Erfahrung kennen und daher vielleicht als Gott bezeichnen. Andere mögen ihn als den Kopf hinter allen Dingen sehen, ihn vermenschlichen, vergegenständlichen. Das ist nachvollziehbar, aber dem Plan gleichgültig. Die Wirkungsmacht ist entscheidend und sie besteht. Das spüren wir und bringen unsere Erfahrungen vielfältig zum Ausdruck. Wir wissen alles, weil der Plan in uns angelegt ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski