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Wende

Im geläufigen Sinn verstehen wir unter wenden „umkehren“ und sich auf den Weg zum Ausgangspunkt machen. Nun gibt es allerdings nicht nur das buchstäbliche Wenden auf der Straße, sondern auch die Verkehrswende, die Mobilitätswende, die Energiewende, die historische und die politische Wende.

Bei den letzten Begriffen kann man wohl nicht von Wende reden, sondern die Wende signalisiert hier den Punkt, an dem das Vorhaben zum Stoppen kommt und eine neue Richtung nimmt. Der Verkehr auf unseren Straßen wird nicht weniger, wenn wir eine Wende proklamieren. Der Verkehr setzt sich allenfalls anders zusammen, ist konzeptioneller mehr aufeinander abgestimmt, als dies bisher der Fall war. Damit korrespondiert auch die Mobilitätswende, denn unbestreitbar läuft alles auf die Elektromobilität hinaus. Das aber nur dann, wenn wir genug Kapazitäten haben, um den erforderlichen Strom zu produzieren, weiterzuleiten und zu speichern.

Mit ein paar aufgestellten Windrädern und Solarmodulen sind wir noch meilenweit von einer Energiewende entfernt. Wie auch in diesen Bereichen sind politische Wenden oft gefährlich, verwirklichen auch nicht das, was sie verkünden. Die politische Wende in der DDR führte nicht zurück auf den Punkt null deutscher Gemeinsamkeiten, sondern setzte einen noch längst nicht abgeschlossenen Prozess der Angleichung zweier deutscher Staaten in Gang.

Da sich keine Wende in Westdeutschland vollzog, sondern ausschließlich in Ostdeutschland entsprechende Impulse gesetzt wurden, bleibt ein Gefühl der Unvollkommenheit des gesamten Prozesses. Eine gesellschaftliche Wende ist ein Prozess des sowohl als auch und gerade keine radikale Umkehr. Diejenigen, die sich umdrehen, um einen anderen Weg zu gehen, müssen sich vergegenwärtigen, dass man ihnen hinterherruft, sie seien Wendehälse. Für viele Menschen ist auch der falsche Weg der richtige. Sie drehen sich auch dann nicht um oder versuchen eine andere Lösung zu finden, wenn ihnen jeder sagt, sie seien auf dem Holzweg. Dabei können sie durchaus recht haben in ihrer Sturheit oder in ihrer klaren Sicht auf die Möglichkeiten, die ihnen die beharrliche Beibehaltung ihrer Orientierung ermöglicht.

Wendebereit zu sein, ist sicher eine Tugend, aber jede Wende mitzumachen, nicht unbedingt besonders anerkennungswürdig. Auf seinem Lebensweg, die persönliche und die gesellschaftliche Orientierung nicht zu verlieren, ist lobenswert, jedoch ist stets darauf zu achten, dass ein Wendemanöver nicht in einer „Halse“ endet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski