Schlagwort-Archive: Solidargemeinschaft

Über dem Niveau

Auf Dauer ist das derzeitige Rentenniveau nicht zu halten. Darin sind sich Experten und Politiker einig. Statt die öffentliche Hand sollen Betriebsrenten richten, was der Generationenvertrag nicht mehr zu bieten vermag. Generationenvertrag? Dieses als sinnvolles Instrument der Rentensteuerung einmal erdachte Konstrukt taugt nicht mehr. Tatsächlich leeren sich die Rentenkassen und ein Versprechen in die Zukunft ist nicht mehr zu halten, sondern jeder ist sich selbst auch persönlich der Nächste, die Alten wie die Jungen, gesellschaftlich und privat.

Eine Solidargemeinschaft zu fordern, aber sie dennoch nicht zu bekommen, verschärft die ohnehin dramatische Situation. Worte reichen nicht. Gibt es tatsächlich Alternativen? Vielleicht die Einrichtung einer Generationenbank als Pflichtsparkasse. Das Programm lautet: Du bekommst, was Du zu Lebzeiten eingezahlt hast, sei es an erbrachten Eigenleistungen, sei es an Geld. Du kannst abheben, wenn Du Leistungen benötigst. Zum Beispiel hast Du Leistungen erbracht, die entsprechend bewertet werden und die als Rentenverstärkung nützen, wenn der Pflegeaufwand geringer ist als erwartet.

Ansonsten gilt: Wer Pflegeleistungen erbracht hat, bekommt ebenfalls Pflegeleistungen. Wer gegeben hat, dem wird gegeben. Eine Gesellschaft, die im Übrigen die Aufmerksamkeit wieder für sich entdeckt, wird auch Ehrenleistungen denjenigen nicht versagen, die sich um das Land, die Gesellschaft und ihre Bürger verdient gemacht haben. Dadurch werden Leistungsanreize auch für Menschen geschaffen, die sich mit eigenem Engagement sonst eher zurückgehalten hätten. Je selbstbewusster die Zivilgesellschaft dank der von ihr eingerichteten Generationenbank unter Solidargesichtspunkten selbst für eine würdige Alterssicherung sorgt, desto mehr entlastet dies nicht nur den Staat, sondern kräftigt auch die Bürgergesellschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Philanthropische Richtungszeichen in der Gesundheitsfürsorge

Am Beispiel der weit aufgefächerten Gesundheitsdiskussion lässt sich sehr anschaulich machen, zu welchen Verwerfungen eine nicht adäquat geführte Regelungsdebatte führen kann. Es ist von der Solidargemeinschaft die Rede, von Selbstverantwortlichkeit, von Behandlungsrichtlinien und dergleichen mehr. Kleinste Abstimmungsthematiken werden als  Visionen  benannt  und  dienen  doch  nur  als  Stellschrauben  für Versicherungsregelwerke und Behördenkompetenzen. Eine Gesundheitsfürsorge, die den verantwortlichen Menschen im Auge hat, müsste sich zunächst einmal die Frage stellen, ob  und  warum  der  Einzelne  überhaupt  die  Wohltaten  der  Gesellschaft  im gesundheitlichen Bereich entgegennehmen will und darf. Alles, was mir als Patient angeboten wird, hat auch damit zu tun, dass man mir etwas nimmt. Man nimmt mir nicht nur Geld, sondern auch Entscheidungskompetenz und schränkt meine Möglichkeiten, selbstverantwortlich mein Leben zu gestalten, ein. Andererseits ist es sehr gewagt, darauf abzustellen, dass es eine Solidargemeinschaft gebe und diese sozusagen verpflichtet sei, für andere einzustehen. Dies zumal dann, wenn der potenzielle Zuwendungsempfänger durch seine  Lebensweise  nichts  oder  nur  wenig  zu  seiner  Gesunderhaltung  beiträgt. Zudem soll es noch gerecht zugehen. Aus der Sicht eines Zuwendungsempfängers mag das gegebenenfalls noch angehen, weil er eigensüchtig, wie alle Menschen nun einmal sind,  bedenkt,  dass  es  doch  ganz  prima  sei,  wenn  ihn  die  Zuwendung  nichts  koste. Andere Mitglieder unserer Gemeinschaft sehen dies durchaus kritisch und sagen sich, wenn wir schon dafür einstehen müssen, dann wollen wir unsere Leistungen doch zumindest beschränken und kontrollieren. Eigennützig, wie diejenigen, die zur Kasse gebeten werden, nun einmal auch sind, begeben sie sich in einen Wettbewerb zu den Zuwendungsempfängern.  Erkennt  aber  der  Eigennützige  den  Fremdnutzen  des Bemühens, wird er, und zwar jeder aus seiner Perspektive, alles dafür tun, dass das Gesundheitsmodell erfolgreich ist. Krankheit ist keine Katastrophe. Es ist etwas völlig Normales und gibt sogar unserer Gesellschaft eine Chance zur Neubewertung unserer Lebenseinstellung.

Im Ndlovu Medical Center des Arztes Dr. Hugo Tempelman in Elandsdoorn (Südafrika) habe ich mit Verwunderung erfahren, dass unser gängiger Aids-Slogan „Gib Aids keine Chance“ dahingehend abgewandelt worden ist, dass „Aids Deine Chance“! Was bedeutet das? Es ist immer eine Frage unserer Bewertung, ob etwas funktioniert, erfolgreich ist oder  nicht.  Der Aidskranke  in  Südafrika  erlebt  nicht  nur  seine  Wiedergesundung auf einem bestimmten Niveau als persönliches Glück, sondern weiß auch, dass seine Arbeitskraft der Wirtschaft nicht verloren geht und dass er darüber hinaus oft in sozialen Projekten nach seiner Wiedergesundung weitaus erfolgreicher tätig ist, als er dies zuvor in seinem Leben eingeplant hatte. Erfolgreich ist, was wir bewerten. Wir müssen lernen, aus der Gesundheitsvorsorge Nutzen zu ziehen, und zwar in der Form eines offenen Marktes. Richtlinien helfen uns überhaupt nicht weiter, wenn es richtig ist, was ich erst kürzlich erfuhr, dass künftig genotypische Behandlungsformen unsere Krankheitsversorgung bestimmen     werden,     d. h.     nur     eine     sehr     persönliche Behandlungsform Erfolg zu versprechen vermag.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Viva Familia!

Kinder sind wunderbare Geschöpfe. Es macht Freude, sie dabei zu beobachten, wie sie vom ersten Tage ihres Lebens an ihre Eigenständigkeit entwickeln, sich Fähigkeiten aneignen, die es ihnen erlauben, durch Bewe­gung, Sprache, mit Schauen und Begreifen ihre Umwelt zu entdecken. Sie brauchen dabei Hilfe und Unterstützung, die zunächst nur nahe Angehörige, wie Eltern, Ge­schwister und natürlich auch Großeltern, Tanten und Onkel gewähren können. Die Ent­wicklung des Kindes beginnt mit Vertrauen, Vertrauen in die Kompetenz und die Zuwen­dungsbereitschaft seiner Familie. Das verlangt ein hohes Maß an Verantwortung der Bezugspersonen, erlaubt aber auch ein hohes Maß an Exklusivität der Familie mit dem Kind. Zwischen Kind und Fami­lie wird mit der Geburt eine Primärzuständigkeit begründet, die zeitlebens besteht, getragen von Verpflichtung, Verantwortung und Zutrauen. Jedes Kind ist wichtig für unsere Gesell­schaft. Dabei trägt auch diese Verantwortung dafür, dass sie selbst durch Förderung der familiären Anliegen dem Kinde gerecht wird. Es sind die Eltern, die die Bildungschancen und Interessen ihrer Kinder von der Geburt an wahrnehmen. Sie müssen dabei unterstützt werden, diese Aufgabe mit Stolz und Genugtuung zu übernehmen. Sie müssen sicher sein, einen der wichtigsten Bei­träge für unsere Gesellschaft, also auch für die Menschen zu leisten, die keine Kinder haben können oder wollen.

Viva Familia! will diesem Gestaltungsrecht, das auch eine Pflicht beinhaltet, Anerkennung zollen durch Projekte wie:

  • Filina, ich singe für dein Leben gern
  • Erzählen und Singen mit Eltern
  • Vorbild schaffen und wahrnehmen
  • Minimuse
  • frühkindliche Ernährungsgewohnheiten (Pizza im Glas)
  • seelische Gesundheit des Kindes (Achtung Kinderseelen!)
  • Überforderung durch Unterforderung, Kindergarten, Schule plus plus

In der Familie wird eine Verantwortungsgemeinschaft begründet, die zeitlebens nicht auflösbar ist, da Eltern und Kinder sich aufgrund ihrer Nähe einschränkungslos korrigieren und miteinander ab­gleichen dürfen. Dieses Verhältnis wird oft gestört, und zwar primär nicht aufgrund eines Span­nungsverhältnisses in Eltern-Kind-Beziehung, sondern eher durch Einflüsse von Außen, die das Selbst­bewusstsein der Familie beschädigen und damit die Tauglichkeit des Familienmodells in Frage stellen. Die Familie ist aber entgegen aller Skepsis durchaus dazu geeignet, den Menschen durch das ganze Leben zu be­gleiten, zunächst durch Fürsorge, dann als Spiegel im Zeitpunkt des pubertären Auswahl­prozesses bis zur Gestaltung der Solidargemeinschaft während des Erwerbslebens bis hin zur Alterssicherung. Das Modell besteht in der Abgrenzung und in der Nähe, verträgt keine Überforderung, ist aber allen Prüfungen gewachsen, wenn nicht äußere Verunsicherungen und Opportunitäten einen anderen unheilvollen Weg weisen. Eine der Verlockungen heißt: Du brauchst keine Familie, wenn Du den Staat als Vor- und Fürsorger hast, der mit seinen Erziehungs- und Bildungsmodellen eher als du begreifst, was deinem Kind nützt oder schadet. Damit wird die elterliche Fähigkeit, selbst Verantwortung zu tragen, ausgehebelt und ein unheilvoller Prozess der Entmündigung in Gang gesetzt, der während des gesam­ten Lebens Menschen abhängig von staatlicher Fürsorge machen kann.

Viva Familia! setzt dagegen alles auf die familiäre Karte, d. h. zeigt die Chancen und Wege für eine kraftvolle Entwicklung der Familie innerhalb der Gesellschaft auf, die es nicht nur er­laubt, dass sich das Kind zu einem ebenbürtigen Partner in der Gemeinschaft entwickelt, sondern auch Eltern ermöglicht, eine Gelegenheit zu erkennen, ihr Erwerbs- und Sozialleben gemeinsam mit den Kindern zu meistern, sich wechselseitig dabei zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass keiner benachteiligt wird, sei es in der gemeinsamen Fürsorge und Pflege der Eltern für ihre Kinder, als auch dem Recht und der Pflicht, gemeinsam für die notwendige Un­terhaltung und Stützung der Familie zu sorgen. Die Mittel hierfür sind nicht neu, werden aber zögerlich eingesetzt, da der Staat es sich weitgehend vorbehält, im gesellschaftlichen Gestaltungsbereich die Oberhoheit zu behalten. Ein paar Beispiele:

  • Neben weiteren Kinderkrippen und Kindergären zu schaffen, ist es wünschenswert, die Mittel bereitzustellen, die eine betriebsnahe Kinderbetreuung für Mütter und Väter während ihrer Arbeitszeit erlauben, damit sie sowohl ihren beruflichen Aufgaben gerecht werden, als auch ihren Kindern nahe sein können. Bekanntermaßen sind Kinder gerade in der Kinderkrippen- und Kindergartenzeit oft gesundheitlich anfällig, was dazu führt, dass Eltern wider Erwarten plötzlich ihren Ar­beitsplatz verlassen müssen, um ihr krankes Kind von der Kinderkrippe oder vom Kindergarten abzuholen.
  • Es könnten durch Zuschüsse und steuerliche Entlastungen von Arbeitgebern Anreize da­für geschaffen werden, betriebsnahe Kindergarteneinrichtungen zu etablieren. Die betriebliche Nähe würde dazu führen, dass Eltern die Möglichkeit ha­ben, ihrer Sorge für das Kind zu entsprechen.
  • Familien sollten für ihre Kinder eine weithöhere steuerliche Entlas­tung erfahren und Kinder, die für ihre Eltern sorgen, dieses Privileg auch für sich in Anspruch nehmen können. Sie entlasten durch ihr Verhalten die Gesellschaft und stärken zudem die lebenslang eingegangene Verpflichtung, füreinander da zu sein.

Viva Familia! unterstützt diesen Prozess der Solidarität und fordert einen Beitrag von der Gesellschaft zur Stärkung der Rolle der Familie als wichtigstem Baustein der familiären Entwicklung.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski