Schlagwort-Archive: Souverän

Hey Big Spender

Wer bewundert ihn nicht, den reichen Gönner, der uns an seinem Überfluss teilhaben lässt. Mag er alt und krank und nicht mehr ganz von Sinnen sein, wenn das Geld fließt, der Rubel rollt, die Geldscheine auf den Zockertisch flattern, es Champagner, Kaviar und Mädchen im Überfluss gibt, wer schaut da noch genau hin. Wer schaut da noch genau hin, woher der plötzliche Überfluss, der Reichtum kommt und wie lange das Spiel dauern wird. Katzenjammer?

Jedenfalls dann nicht, wenn das Spiel am Schönsten ist und später ist nun mal später. Hey Big Spender. Natürlich ist hier nicht der legendäre einsame Mann und seine letzte Party gemeint, sondern unsere letzte Party, die Party unseres Staates, denn wir, die Bürger des Staates sind das Volk, der Souverän. Eine ganze Zeit lang wurde ohne uns gefeiert, und zwar als es am Schönsten war.

Jetzt dürfen wir mitmachen, weil das Geld ausgeht. Das ist zwar nicht ganz richtig, denn Geld gibt es noch mehr als zuvor, sozusagen im Überfluss, aber das Spiel funktioniert nicht mehr richtig, denn trotz hoher Einsätze, sind die Chips nichts mehr wert, sogar, dass der Staat seine Bürger verzockt, bleibt ohne Eindruck. In kaum einem Stall finden sich noch Esel, die Gold scheißen und wir können arbeiten so viel wir wollen und kneten auch daraus nicht die Münzen aus Edelmetall, die erforderlich sind, um den Zockermoneten einen Glanz zu verleihen.

Was bleibt? Die Croupiers räumen ab. Das Kasino wird geschlossen und wir fangen von vorne an, kramen zusammen, was wir für Wert halten, bringen es zur Bank und lassen uns versprechen, dass die von uns beauftragten des Staates sorgfältig unsere Schätze prüfen, deren Wert taxieren und damit das Maß unserer Währung bestimmen. Was wir geben, wollen wir zurück mit Zins und Zinseszins. Auf Heller und Pfennig. Oder auf Euro und Cent. Wer auf eigene Rechnung Geld druckt, fliegt raus. Die Zockerbuden bleiben geschlossen und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Das kann auch einmal Champagner und Kaviar sein, aber nicht dauernd. Das hält kein Mensch aus.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Henne oder Ei

In seinem steuerpolitischen Verhalten treibt der Staat seinen Souverän, den Bürger vor sich her. Der Bürger erbringt Arbeitsleistungen und versucht, sein Einkommen zu vermehren. Diese Rechnung geht nicht auf. Der Bürger wird in seinen Erwartungen getäuscht, denn er bekommt letztlich weniger als er verdient hat; einen Großteil seines Einkommens verliert er durch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Der Bürger versteuert sein Einkommen jedoch nicht nur einmal, sondern ständig mit jeder Aktivität, meist wird ihm dies nicht einmal bewusst. Die mit den Sozialversicherungsbeiträgen erworbenen Rentenanwartschaften z. B. sind zwar ihm gegenüber abgegebene Versprechungen, sind aber genauso wenig sicher, wie jeder andere ungesicherte Lebensstandard. Um sich diese vermeintliche Sicherheit und den vermeintlichen Lebensstandard zu erhalten und zudem die Anforderungen des Staates zu bedienen, erhöht der Bürger kontinuierlich die Schlagzahl seiner Tätigkeit auf Kosten seiner Lebenszeit, seiner Gesundheit, seiner Effizienz und Lebensfreude. Obwohl er der Souverän ist, ist der Bürger gleichwohl bisher nur selten den staatlichen Gelderwerbssystemen entgegengetreten, sondern hat sie sogar meist befürwortet. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Weil die meisten Bürger hoffen, dass der Staat für Abgabengerechtigkeit eintrete, haben Sie letztlich keine Einwände dagegen, dass der Staat Steuern einzieht und sogenannte „Steuersünder“ unerbittlich verfolgt.
  • Vielen Bürgern scheint es aufgrund der eigenen gewohnt bequemen Lebensführung angemessen, wenn andere Bürger – also die Politiker – den Takt vorgeben und das System vorhalten, welches ihnen Lebensstandard und Sicherheit verspricht.
  • Der Rückfluss von Steuermitteln in den sozialen Bereich oder auch sonstige Steuervergünstigungen und Subventionen erwecken bei den Begünstigten den Eindruck, das Steuersystem bevorzuge ihre Haltung, was allerdings einer Wahnvorstellung gleichkommt.
  • Ein Großteil der Bürger ist Nutznießer der staatlichen Geldverteilungspolitik und nimmt daher gerne, was ihm gegeben wird. Richtig ist, dass der Bürger als interessensgesteuerter Mensch kaum bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen, solange der Lebensstandard nicht gänzlich in Frage steht und der Besitzstand gewahrt ist. Warum sollte er seine Einstellung ändern?

Alleine deshalb, weil diese Bürger-Staats-Beziehung nichts mit Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein zu tun hat? Das ist nicht zu erwarten, vielmehr muss der Staat selbst das Schrittmaß für den Bürger vorgeben, in dem er sich einschränkt und dadurch diesem Entfaltungsmöglichkeiten überlässt, sein Leben selbst zu bestimmen.

Vergegenwärtigt man sich für einen Moment unsere Gesellschaft als einen Körper, so wird jeder Betrachter dieses Bildes sofort begreifen, dass nicht jede Zelle dieses Körpers vom Gehirn aus gesteuert und kontrolliert werden kann. Vielmehr ist jede Zelle autonom und doch bilden alle Zellen das Ganze, indem sie mit anderen Zellen kommunizieren und ihre Erfahrungen an diese Zellen, aber auch an das Gehirn weitergeben.

Die allein durch die bewusste Wahrnehmung des Gehirns entstehenden Störungen werden bis zur möglichen, aber vom Menschen nicht gewünschten Kapitulation seiner zerebralen Fähigkeiten von den Zellen des Körpers korrigiert und einer Heilung zugeführt. Am Beispiel des Körpers und seiner Zellen kann der Bürger lernen, was Selbstvertrauen, Verantwortung, Zuversicht und Zuverlässigkeit vermag, und zwar jeder Bürger für sich und in der Gemeinschaft. Man muss nur den Willen haben, sich aufeinander zu verlassen und wissen, dass dieser Wille von der Aufnahme- und Umsetzungsfähigkeit eines anderen Bürgers seine Rechtfertigung erhält.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski