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Parallelwelten

Wie soll das gehen, Parallelwelten?

Wir atmen dieselbe Luft, essen, trinken, haben Wohnungen oder leben auf der Straße, bewegen uns in der Regel im gleichen Tagesrhythmus, werden geboren, leben und sterben. Natürlich jeder für sich, aber wir haben strukturell die gleichen Lebenserwartungen. Natürlich leben wir nebeneinander her, jeder für sich, in seiner Familie, Beruf und Freizeit. So lebt halt jeder in seiner Blase. Und wieso sollen dies Parallelwelten begünstigen oder ausdrücken?

Vielleicht deshalb, weil genetisch und sozial, meist bereits vor der Geburt eines Menschen, Voraussetzungen für die lebzeitige Zuweisung von Vorteilen in einer Welt geschaffen wurden, die so konstruiert und konditioniert ist, dass eine Veränderung des eigenen Status erschwert ist bzw. meist ganz ausscheidet. Der systemimmanente Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Welten kann zwar negiert, aber nicht beseitigt werden.

Das mag schädlich sein, kann als ungerecht empfunden werden und ist sogar Auslöser vieler Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen. Sie entsprechen aber einer Realität, die weder durch Appelle und Argumente noch durch deren Negieren beseitigt oder verändert werden kann. In der Akzeptanz anderer Welten kann jedoch auch eine Bereicherung für die Entwicklung eigener Möglichkeiten durch Zuwendung, wie auch durch Wettbewerb geschaffen werden.

Wenn dies gefährdungsfrei geschieht, haben alle Bürger der unterschiedlichsten Welten eine Chance, die Zukunft einsichtiger, vielfältiger und damit ertragsreicher zu erleben. Es empfiehlt sich der weite Blick.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Lehrer-Lease

Unter „Lehrer-Lease“ ist eine Beschäftigungsagentur für Lehrer zu verstehen, bei der junge, engagierte Lehrer mit überdurchschnittlichem Examen beschäftigt werden sollen. Diese werden je nach Bedarf Schulen zur Verfügung gestellt, und zwar sowohl um längerfristige Unterrichtsstrategien realisieren zu können, als auch um Unterrichtsverkürzungen oder gar deren Ausfall zu vermeiden. Es sollen zudem Schulen von Personalaufgaben entlastet werden.

Diese Überlegungen tragen den PISA-Studien Rechnung, wonach Deutschland im schulischen Bereich erheblich hinter den Erwartungen der Öffentlichkeit zurückbleibt. Politischer Wille zur nachhaltigen Verbesserung der Situation ist zwar teilweise zu erkennen, doch von einer grundlegenden Reform unseres Bildungssystems sind wir weit entfernt und stets scheinen die Haushaltslagen der Länder zum Sparen zu zwingen.

Um der Bildungsverpflichtung in Schulen gerecht zu werden, soll eine Beschäftigungsagentur für Lehrer dort wirksam sein, wo bereits heute eine Schnittstelle zwischen öffentlicher Schulversorgung und privaten Schulen sichtbar wird. Lehrer-Lease stärkt die Kompetenz öffentlicher Bildungseinrichtungen und bildet dabei nicht nur einen Rechtsformträgerwechsel zwischen öffentlichen und privaten Schulen ab, sondern schafft dabei etwas Neues, ein an Effektivität und Lernzielen inhaltlich organisatorisch und wirtschaftlich orientiertes neues Schulgebilde.

Durch Outsourcing und Verantwortungsteilung soll sozusagen ein neuer Typ einer zukunftsorientierten Ausbildungsstätte geschaffen werden. Ziel ist es dabei, bestehende Bildungsangebote an die Herausforderungen einer komplexen Lebens- und Arbeitswelt anzupassen, sowohl durch den strukturellen Umbau, als auch die Erweiterung vorhandener Bildungseinrichtungen, die Förderung der kulturellen Kommunikation, eines grenzüberschreitenden Austausches im Bildungsbereich und dies auf allen Sektoren einschließlich KI und Internet.

Um dies zu gewährleisten, sind speziell ausgebildete Lehrer erforderlich, die aber bisher kaum vorhanden oder noch nicht einsetzbar sind, wo sie benötigt werden. Es ist daher erforderlich, junge Lehrer, die ein ausgezeichnetes oder gutes Examen gemacht haben, so weiter zu qualifizieren, dass sie neue überzeugende Ideen konzipieren und realisieren können. Sie müssen sich sowohl fachlich, als auch methodisch fortbilden und über hohe kommunikative und soziale Kompetenz verfügen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auch auf die Vertiefung der Kenntnisse in der Jugendpsychologie zu setzen sein. Lehrer sollten in der Lage sein, die unter den jeweiligen Lern- und Arbeitsbedingungen erforderlichen Sozialformen zu durchschauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski