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Ändert Euch!

Bei der Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften, Stöbern im Internet und allen weiteren verfügbaren Medien gewinnt man leicht den Eindruck: Jetzt ist alles schon gesagt und kaum ein neuer wesentlicher Gedanke kann noch dazukommen. Gerade weil alle wichtigen Themen schon angesprochen sind, ist zuweilen die Aufforderung an andere Menschen, aber auch Institutionen und Staaten unüberhörbar: Ändert Euch, beansprucht weniger und gebt mehr. Das ist sicher im Kleinen genauso vernünftig wie im Großen. Nur die Summe der kleinen Schritte schafft das große Ganze. Solange die Verschwendung anhält, kann der Planet wohl kaum gerettet werden. Aber, wie kriegen wir den großen Wurf hin?

Meines Erachtens nur dann, wenn wir den Menschen Angebote machen, die ihren Interessen entsprechen. Hierfür sind wiederum Anreize nötig, die sowohl materieller als ideeller Natur sind. Wir haben ein außerordentlich verkümmertes soziales Anerkennungssystem. Diejenigen, die sich engagieren, zum Beispiel ehrenamtlich, werden eher milde belächelt, anstatt als das Herz unserer Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Wir machen Mülltrennung, weil wir dazu verpflichtet werden, aber nicht, weil diese Mühseligkeit belohnt wird. Vieles, was der Mensch leistet, wird als selbstverständlich betrachtet, allenfalls erfahren Politiker Schauspieler oder Sportler die höheren Weihen der Anerkennung. Dabei wäre es schon gut, die Vorbilder des Tages oder der Woche zu publizieren, damit sie durch diese Wahrnehmung eine Genugtuung erfahren, die ihnen meist in dieser Gesellschaft völlig versagt bleibt. Soziale Kälte? Ja schon, aber wer ruft den Menschen in diesem Land mit ständiger Begeisterung denn zu, dass das Leben eine lange wunderbare Veranstaltung ist, die jedem Menschen Gelegenheit gibt, zu erfahren, zu sehen, zu riechen, zu schmecken, überhaupt sich auszubilden, um dann am Ende irgendwann auf sein Leben zurückzuschauen und zu sagen: Ich habe alles getan, was in meinen Kräften stand und dieses Leben hat sich für mich gelohnt.

Der Mensch, der für seine Leistungen anerkannt wird, sowohl materiell als auch ideell, weiß, dass sich Leistung für ihn lohnt und diese Zuwendung nicht nur ein Wortbeitrag für irgendeine Medienstory ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski