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Spielanordnung

Gehen Sie über Los und kassieren Sie 2.000,00 Euro! So oder so ähnlich lauten viele Spielanweisungen. Der Spieler streicht das Geld befriedigt ein und bereitet sich auf die nächste Runde vor. Neues Spiel, neues Glück. Im Augenblick des Aufbruchs erfährt er in sich den Wunsch, alle seine Fähigkeiten zu nutzen, um die nächste Runde besser zu bestehen, erfolgreicher zu sein als in der letzten Runde und es möglichst weit zu bringen.

Die Umstände sind im Spiel und im Leben die Heraus­forderungen, denen sich der Mensch stellen muss. Es sind aber nicht die unüberwindbaren Umstände, die einen Menschen davon abhalten können, erfolgreich zu sein. Wie im Spiel macht der Mensch auch im Leben seine Züge und nimmt Einfluss auf seinen Erfolg. Die An­ordnungen im Spiel wie im Leben sind ähnlich. Es gilt, Heraus­forderungen zu bestehen. Gelangt man auf das falsche Feld, muss man eine Runde aussetzen, auf anderen Feldern kommt man weiter. So ist das Spiel dem Leben nachgebildet. Das Leben kennt Förderer, Verbündete, objektive Hindernisse und unerwartete Verbesserungen. Im Spiel ist der Spieler innerhalb der Runde wieder am Zuge, im Leben dagegen ge­schieht es zuweilen, dass der Spieler aufgibt und es anderen überlässt, sein Spiel zu Ende zu spielen. Worauf beruht diese Erkenntnis?

Im Spiel erscheint die Spielanordnung oft einfach. Auch ist man frei in seiner Entscheidung, überhaupt zu spielen. Die Herausforderungen des Lebens dagegen sind vielfältig und permanent. Das Leben wird meist ohne verbindliche Spielregeln gespielt bzw. der Mensch lässt es zu, dass andere Mitspieler Spielregeln entwerfen und diese auch wieder ändern. Er protestiert hiergegen nicht, da ihm seine Mitspieler erläutert haben, dass diese Regeln für ihn nützlich seien, sie sein Spiel spielten. Doch mitmachen lassen sie ihn nicht. Bis zu einem gewissen Grad ist dies richtig, denn wenn die Mitspieler keine Lust mehr hätten, nicht bereit wären, das Spiel der anderen zu spielen, käme es zu Konflikten, die die Spielanführer selbst ins Hintertreffen bringen würden. So wird scheinbar gemeinsam spielend jede Klippe gemeistert.

Der spielende Mensch in dieser Versuchsanordnung gewöhnt sich aber daran, dass ihm Züge abgenommen werden. Es wird für ihn gewürfelt und die Steine gesetzt. Er ist allmählich umfassend abhängig von seinen Mitspielern. Im wirklichen Leben sind seine Mitspieler diejenigen, die sich in Verbänden, Gruppierungen und politischen Parteien organisiert haben und mächtig Einfluss darauf nehmen, was und wie gespielt wird. Sie benötigen die Anpassungsfähigkeit des Spielers, um ihr Spiel zu spielen und haben sich selbst schützend in die Etappe begeben. Geschieht dem Bürger Schlimmes, so bleibt das in seiner Verantwortung. Haben die Mitspieler Erfolge, so verdankt der Mensch seine Teilhaber­schaft daran auch diesen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Fußball

Aus, aus, das Spiel ist aus! Deutschland ist nicht Europameister des Jahres 2016. Ach herje, schlimm, aber eigentlich auch nur Nebensache. 90 Minuten lang spielen 22 Spieler mit einem Ball, den sie ohne Hände über das Spielfeld treiben und in der Regel nicht mehr als ein bis zwei Tore schießen. Langweilig? Nein, keineswegs.

Das ist kein Spiel. Das ist Kampf und der Rasen das Schlachtfeld. Es geht um Verteidigung und Angriff. Manchmal gibt es Sieger und Verlierer, oft Beides. Richtige Schlachten sind zu unübersichtlich, als dass man immer genau weiß, woran man ist. Bei Schlachten, die auf 90 Minuten getaktet sind, sowie noch eine Erfrischungspause zur Halbzeit aufweisen, ist das genau das Gegenteil. Jeder Stratege auf der Zuschauertribüne oder vor dem Fernseher kann mitreden und Vorschläge machen. Würden sie aber berücksichtigt, wäre das Chaos groß.

Es wird die Zeit kommen, dass sekundenschnell über Spielzüge per Twitter abgestimmt und die Kommandos der größeren Mehrheit an Zuschauern an die Spieler weitergegeben werden. Dann erfährt das Fußballspiel seine ultimative demokratische Legitimation.

Fußball spielen, ist keineswegs ungefährlich. Es gibt Blessuren, aber wenn nach 90 Minuten alles vorbei ist, können Wunden wieder heilen, die körperlichen und auch die seelischen. Das dauert seine Zeit. Wenn Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich trotz des besseren Spiels verliert, ist das zwar keine Schande, aber unendlich schmerzlich. Erst etwa 1 ½ Stunden zuvor erklang noch die Nationalhymne, war die Überlegenheit des Weltmeisters greifbare Realität, dann diese Niederlage. Ein Tor und das Aus.

Berlin blieb ruhig und versank in Wehmut. Verzweifelte Ruhe breitete sich im ganzen Land aus. Wenn schon die weniger enthusiastischen Fußballgelegenheitszuschauer sich eintrüben lassen, wie geht es dann denjenigen, denen Fußball alles bedeutet? Ihre Trostlosigkeit kann nur mit dem Versprechen weiterer glanzvoller Spiele und damit kompensiert werden, dass auch ein gnädiger Fußballgott aus jeder Niederlage einen Sieg zu zaubern vermag. Versprochen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski