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Das kulturelle Selbstverständnis (Teil 2)

Der Künstler geht den mühsamen Weg oder wählt die rasche Fahrt. Wer helfen will, sollte Rasthäuser einrichten und nicht durch übereilte Schmeicheleien dafür sorgen, dass gerade derjenige, der sich auf den dornigen Weg gemacht hat, durch üppige Schlemmerei vorschnell satt wird und seinen Elan verliert.

Auch ist der Muezzin mit seinen Klageliedern nicht glaubwürdig, wenn er von der sterbenden Welt des privaten Kapitals singt. Keiner kann schlüssig belegen, dass die Abhän- gigkeit von staatlichen Subventionen anders ausgestaltet ist, als diejenige von privatem Kapital. Welche Freiheit liegt denn in staatlichen Subventionsverträgen? Keine. Welche Freiheit liegt in privatwirtschaftlichen Verträgen? Die Abschlussfreiheit und die Freiheit der inhaltlichen Ausgestaltung. Der Verdacht besteht.

Da singt so mancher Muezzin besonders inbrünstig in die Welt, dass das private Kapital schmutzig sei, Kunst und Kultur durch gezielte Boshaftigkeit und Eigennutz verderbe. Solange der Mensch schlecht ist, greift derjenige, der so singt, auf seine eigenen Erfahrungen zurück, müsste dabei aber gestehen, dass Politiker und Kulturfunktionäre auch nur ihr eigenes Süppchen kochen. Das Kreisen der Argumente führt zum Ausgangspunkt zurück. Kunst und Kultur benötigen nicht jeden Fürbitter, denn eine Spezies inszeniert sich stets selbst, um etwas mitzuglänzen. Sie hat dabei aber etwas Gefährliches. Selbstgefällig meißelt sie das Gesamtdenkmal der Kultur, dem „nachhaltigen Kulturmanager.“

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski