Schlagwort-Archive: Start-Ups

Projektegoismus

Täglich werden wir mit einer Fülle von Ideen konfrontiert. Start Ups, etablierte Unternehmen, Wissenschaftler, Politiker und gemeinnützige Einrichtungen buhlen um unsere Aufmerksamkeit für ihre Projekte. Die große Auswahl ist erfreulich. Je größer der Wettbewerb, umso größer ist die Möglichkeit, dass ein Projekt Zustimmung erfährt und sich durchzusetzen vermag. Ist es aber auch wirklich so?

Ich befürchte, dass ein großer Hang zum Projektegoismus besteht. Damit will ich das Interesse daran bezeichnen, das eigene Projekt durchzuboxen und dabei auf vielleicht bessere Projekte anderer nicht nur keine Rücksicht zu nehmen, sondern deren Bedeutung überhaupt zu negieren. Dafür will ich ein Beispiel geben: Vor über einem Jahrzehnt habe ich im Rahmen der von mir vertretenen Ruck – Stiftung des Aufbruchs das Projekt für „Lehrer-Lease“ eine Personalagentur für Lehrer entwickelt. Teilweise in der Presse, aber auch bei der damaligen Bundesbildungsministerin Frau Schavan fanden meine Ideen große Zustimmung.

Verwirklicht wurde dieses Projekt allerdings nie, weil jeder für die Schulbildung zuständige Minister der Länder eigene Vorstellungen dazu entwickelt, was er für richtig hält. So hatte das von mir entwickelte Modell überhaupt keine Chance, berücksichtigt zu werden, obwohl damit zielgenau geeignete Lehrer ohne großen bürokratischen Aufwand hätten in die Schulen vermittelt werden können und die Flexibilität eine bedarfsgerechte Unterrichtsgestaltung ermöglicht hätte.

Selbstverständlich wäre damit auch eine erhebliche Kostenreduzierung bei gleichzeitiger Entwicklung und Einstellung von Lehrern ermöglicht worden. Vielleicht hätten sich auch noch Gestaltungsvarianten ergeben und das Projekt sich einbauen lassen in ein erweitertes Modell. Aber, soweit konnten die Überlegungen gar nicht gedeihen, weil das Projekt eines Nichtpolitikers sich nicht als betrachtungswürdig erweist.

So verhält es sich mit einer Fülle guter Projekte und offenbart unsere Unfähigkeit, uns vorbehaltlos und neugierig mit den Projekten anderer zu beschäftigen, diese zu begleiten, zu fördern oder auch weiter zu entwickeln. Denn auch dies erscheint mir wichtig. Der Spiritus Rector eines entwickelten Projektes sollte willentlich das von ihm entwickelte Projekt anderen anbieten mit der Bitte und Aufforderung, doch das ihre hinzuzufügen und somit dem Projekt noch mehr Geltung zu verschaffen.

Stattdessen ist meist Projektegoismus, Abschottung und fehlende Einsichtsfähigkeit in verbesserungsfähige Errungenschaften zu verzeichnen. Ein kooperatives künftiges Verhalten kann eine Tür zu noch mehr sinnstiftenden Möglichkeiten öffnen. Gehen wir also durch diese Tür der Wahrnehmungsbereitschaft und Kooperation.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Künstliche Intelligenz II

Stephen Hawking soll der künstlichen Intelligenz dieselbe Bedeutung zugemessen haben, wie der Einführung der Elektrizität oder der Mobilität. In ihrem aktuellen Wahlprogramm verkündet die CDU/CSU, dass sie in der nächsten Legislaturperiode eine Vollbeschäftigung der Arbeitnehmer in Deutschland anstrebe. Allerorten werden vor allem jungen Menschen gefeiert, die in sogenannten Pitches neue Unternehmen, sogenannte Start-Ups vorstellen.

Menschen sollen disruptiv in ihrem Leben neue Wege gehen, kollaborativ mit anderen zusammenarbeiten und zukünftig vielfältig die Voraussetzungen für ihren Lebensunterhalt schaffen. Angesichts des sich statistisch vergrößernden Armutsbereichs in weiten Teilen der Bevölkerung wird über eine finanzielle Grundversorgung aller Menschen zumindest in Deutschland nachgedacht. Aber das passt nicht zusammen, wenn man der künstlichen Intelligenz die entscheidende Bedeutung bei der künftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung auf dem Territorium unseres Planeten beimisst.

Wie soll trotz aller anderslautenden Beteuerungen vermieden werden, dass diese künstliche Intelligenz den Menschen verdrängt? Wie soll angesichts der Aufgaben, die die künstliche Intelligenz übernehmen kann, der Mensch mit seiner angesichts dieser Intelligenz vergleichbar eingeschränkten Fähigkeiten noch mit dieser konkurrieren können? Ist die Existenz des Menschen unter ökonomischen Gesichtspunkten noch gerechtfertigt?

Zu verhindern sein wird die Ausbreitung der künstlichen Intelligenz nicht. Sicher sollten und werden wir sie nutzen. Wir befinden uns aber in einer Konkurrenzsituation und müssen auf unsere Fähigkeiten pochen, die uns der künstlichen Intelligenz gegenüber überlegen machen. Die künstliche Intelligenz mag so intelligent sein, wie wir das initiiert haben, d. h. sie mag über mehr Wissen verfügen, als wir jemals akkumulieren können.

Wir aber sind bildungsfähig, d. h. in der Lage, nicht in der Form simpler Rechenfunktionen, sondern in sprunghaften, emotionalen, intellektuellen, also disruptiven Prozessen Vorgänge zu gestalten, was die künstliche Intelligenz wohl niemals vermag. Wir dürfen die Situationen, in die wir uns gebracht haben, nicht bedauern. Sie sind folgerichtig und vernünftig. Was in Zukunft geschieht, ist erwartbar, aber wir müssen uns stets vergegenwärtigen, dass wir nur dann konkurrieren können, wenn wir begreifen, dass alles von Menschen für Menschen gemacht werden soll: „Humans First“.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Start-Ups

Start-Ups. Man könnte auch sagen, neue deutsche Welle. An vielen Orten, und zwar nicht nur in Berlin, finden unzählige Veranstaltungen statt, bei denen Jungunternehmen in sogenannten Pitches ihre kreativ/wirtschaftlichen Vorhaben vorstellen. Das ist eine Art des Realitätschecks, der Selbstbestätigung, aber auch der Hoffnung, Unterstützung zu finden. Gemeint ist die Unterstützung durch Business-Angels, Investoren oder Kreditoren.

Durch Kooperationen können sich auch Vertriebswege auftun, Partner finden lassen oder Tipps für Änderungen bzw. Ergänzungen des Businessplans. Die Veranstaltungen sind hilfreich. Das ist nicht zu leugnen. Erstaunlich ist nur, dass heute noch mit Start-Up-Unternehmen in der Regel junge Menschen in Verbindung gebracht werden, also solche, die sich wirtschaftlich auf den Weg im eigenen Interesse gemacht haben.

Das ist nicht zwingend. Auch und gerade ältere Menschen, die mit 55+ ihren ersten Erwerbsprozess abgeschlossen haben, sind jung genug, erfahren genug und oft auch finanziell so ausgestattet, dass sie Ideen, die schon lange in ihnen reifen, nun auch unternehmerisch umsetzen könnten. Das setzt aber voraus, dass man älteren Menschen dies auch zutraut, ihnen ggf. auch Kredite gewährt und nicht mit veralteten Lebenserwartungstabellen ihren Exit berechnet.

Ältere Menschen fokussieren möglicherweise im Gegensatz zu jungen Menschen nicht nur eigennützige Projekte, sondern auch fremdnützige. Shareholder Value kann sich auch umsetzen in gemeinnützigen Trägerschaften. Für junge und alte Unternehmen stehen in der Kooperation zudem ganz neue Crossover-Erfahrungen zur Verfügung, die genutzt werden sollten. Um diese nutzen zu können, sollten junge und ältere „Start-Uper“ aber dringend rechtzeitig Expertise einholen, und zwar insbesondere dazu, was die Organisationsform des Unternehmens, den Abschluss von Kooperationsverträgen, Exit-Regelungen und Undiscloser-Vereinbarungen angeht.

Die erworbenen Rechte müssen geschützt werden, um bleibende Erfolge zu sichern. Die Nachfolge sollte ebenso bedacht werden, wie familiäre Erwartungen. Eine rechtzeitig in Anspruch genommene Beratung ist weitaus kostengünstiger als der Aufwand, langzeitig und mit mäßigem Erfolg enttäuschte Erwartungen wieder zu kompensieren. Damit Start-Ups nicht nur einen kurzfristigen Hype bieten, müssen sie getragen werden von echter unternehmerischer Verantwortung und langfristige Ziele im Auge behalten. Engagierte Unternehmer sind für Deutschland, Europa und unsere Gesellschaft ein Segen, ganz egal, ob sie jung oder alt sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski