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Fremdheit

Das Fremde ist ein Anderssein, das diesen Status dadurch erlangt, dass es von irgendeiner Norm abweicht. Die Norm ist das Bekannte. Das Unbekannte ist fremd. Diese Eigenschaft kann objektiv, aber auch subjektiv begründet sein. Objektiv fremd ist etwas, was zu dem Anderen nicht passt. Objektiv fremd ist zum Beispiel eine Pflanze, die aus Venezuela eingeschleppt wurde und sich hier ausgebreitet hat. Subjektiv fremd ist etwas, was entdeckt werden muss, um seine Nähe und Nützlichkeit zu erkennen.

Man könnte hierbei zum Beispiel an die Kartoffel oder die Gewürze denken. Im weitläufigen Sinn sind Nähe und Fremdsein nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern lediglich der Anschauung. Wir bestimmen, was fremd ist und implizieren dabei auch die Lüge, indem wir das dem Sein immanente, biologische und physiologische Fremdsein auf Behauptungen übertragen, deren Beweis in ihnen selbst zu wohnen scheint.

Das Fremde ist zudem oft auch angstbesetzt und entrückt. Die Lust auf das Fremde, die Neugier, das Unbekannte und Fremde kennenzulernen, scheitert an der mehrheitlichen Ablehnung a priori. Die schillernden Aspekte des Fremdseins durchmischen Wirklichkeit und Trug. Es ist an uns, Entscheidungen zu treffen, die Begriffe neu zu bewerten und Fremdheit zuzulassen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski