Bildung ist der menschliche Ausdruck für die Nutzung sämtlicher Fähigkeiten von Verstand, Gefühlen und Speicherkapazitäten für Wissen, Erfahrbares aufzunehmen, weiterzuverarbeiten, weiterzuvermitteln und zur Verbesserung der eigenen und fremden Lebensbedingungen einzusetzen. Bildung ist ein Zustand der Eigenverantwortung des Menschen gegenüber Anderen und seinem Leben. Ohne die Verantwortlichmachung jedes einzelnen Menschen ist Bildung daher undenkbar.
Unter Bildungsauftrag ist das Anliegen der Gemeinschaft zu verstehen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich der Einzelne von Kindesbeinen an in einem verantwortlichen Umfeld entwickeln kann und dabei die notwendige Unterrichtung und Impulse erfährt, um sein eigenes Anliegen und das der Gesellschaft – und zwar Fähigkeiten weiter zu fördern – umfassend zu erfüllen.
Mit der Geburt des Kindes nehmen den Bildungsauftrag zunächst die Eltern, Verwandte und Freunde wahr. Sie stehen in der allgemeinen Pflicht, dem heranwachsenden Kleinkind diejenigen Strukturen nahe zu bringen, die es ihm erleichtern, seinen eigenen Bildungsweg zu finden. Die sogenannte frühkindliche Erziehung ist von eminenter Bedeutung und kann nur bewerkstelligt werden, wenn die Eltern ebenfalls eine entsprechende Ausbildung erfahren, die sie in die Lage versetzt, Bildungsangebote an ihre Kinder weiterzugeben. Wichtig dabei ist insbesondere das Gespräch mit dem Baby, welches über Lalllaute und Wiederholung sinnloser Phrasen hinausgehen muss. Gerade auch in intensiven, ernsthaften Gesprächen akkumuliert das Kleinkind diejenigen Erfahrungen, die es später sprachgewandter, interessierter und bildungsoffener sein lassen.
Im frühkindlichen und kindlichen Erziehungsprozess spielen einerseits die verant- wortlichen Eltern, anderseits aber auch die im Kinde geweckte Verantwortung für sein eigenes Leben eine entscheidende und zielöffnende Rolle. Bildung und Ausbildung müssen darauf gerichtet sein, die Kontaktpersonen der Kinder so auszubilden, dass sie in der Lage sind, bildungsadäquat mit den Kindern zu kommunizieren. Dies gilt im Übrigen auch für frühkindliche Erzieher und Lehrer. Spezifische Bildungsangebote sollten frühzeitig unterbreitet werden, um von Grund auf die Voraussetzungen für entwicklungsfähige Bildungsinhalte zu schaffen. System Bildung beinhaltet eine Erfahrung der Öffnung der vermittelnden Personen und des Kindes durch die Einrichtung von:
- Sprach- und Sprechkreise für Kinder
- Frühkindliche Musikerziehung
- Tanz/Bewegung
- Blick- und Beobachtungserziehung
- Kontaktaufnahme mit anderen Bildungsforen
Ein Kleinkind wird niemals überfordert, weil es die Anforderung als Spiel begreift und gerne auf Herausforderungen reagiert. Nur die Unterforderung schafft Langeweile und dadurch eine Überforderung, die zur Ablenkung und schließlich auch zur Ablehnung von Bildungsangeboten führt.
Wichtig ist die Ausbildung der Lehrer, die fächerübergreifend sein muss und verstehen lehrt, welche psychischen und mentalen Voraussetzungen ein Schüler mitbringen muss, um sich Bildungsangeboten zu öffnen. Manche Jugendliche in einer bestimmten Lebensphase sind den praktischen Erfahrungen besonders aufgeschlossen. Das Leben begreifbar zu machen, geschieht in erster Linie dadurch, dass man Kindern und Jugendlichen etwas zum Greifen gibt. Die „Spanischen Erbfolgekriege“ sind für die jugendliche Erfahrung weniger wichtig als Beispiele, die unser Leben in seiner Komplexität erfahrbar machen. Ist ein Jugendlicher über praxisnahe Vorgänge orientiert, ist er auch bereit, diese Erfahrung auf andere Gebiete, z. B. die Literatur etc. zu übertragen, um dadurch sein eigenes Bildungsinteresse zu weiten und die gewonnenen Fähigkeiten später sinnstiftend einzusetzen. Auch hier ist zu bedenken, dass zurückhaltende Angebote an Jugendliche eher dazu führen, dass diese sich zurückziehen und nicht mehr aus eigener Kraft für ihre Ausbildung sorgen werden.
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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski