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Wissen wozu?

Wohlfeil wird auf dem Markt angepriesen, dass wir in einer Informations- und Wissensgesellschaft leben. Wissen wozu? Unbestreitbar wird mehr informiert und mehr Wissen veröffentlicht, als je zuvor erfolgte und möglich war. Kommunikation und Wissen stehen in einem Wechselverhältnis zueinander. Der „User“ des Internets hat scheinbar unbegrenzt viele Möglichkeiten, über das Wissen anderer zu verfügen, sich Informationen herunterzuladen und selbst für ihre Verbreitung zu sorgen. Um diesen interaktiven Prozess zu gestalten, benötigen die Beteiligten viel Kraft und Zeit sowohl was die Aufnahme von Informationen als auch deren Weitergabe anbetrifft. Der Mensch selbst wird so zum Medium der von ihm geschaffenen Technologie, einerseits unverzichtbar, andererseits auch nur ein Mitbeteiligter. Denn, die sich selbst teilweise ergänzenden Informationen und Wissensvervielfältigungen verlinken sich im Netz auch ohne die gestaltende Anwesenheit des Menschen. Die Gedächtnisleistung des Rechners hat die des Menschen bei weitem überrundet. Der Rechner ist uns unheimlich. Neidvoll schauen wir auf ihn. Was der alles weiß, welche enormen Informationsmengen er birgt. Dabei scheinen wir zu vergessen, dass jedes Wissen, jede Information vergeblich ist, wenn daraus nicht ein neues schöpferisches Produkt entsteht.

Die gedankliche und emotionale Leistung des Menschen ist unverzichtbar, da erst aus der Irrationalität grenzenlosen Spinnens die gedanklichen Leuchtfeuer entzündet werden, die Wissen und Informationen wichtig machen. Anderenfalls füllen sich die Internetregale nur mit Zutaten, die keinen Verwendungszweck haben. Auch der Austausch der Produkte oder der Regale ändert daran nichts. Aufgrund fehlender Rezepte laufen wir Gefahr, dass Informationen und Wissen keine Wirkung entfalten können und wir Menschen uns abkehren von den Möglichkeiten und der Suche nach dem schöpferischen Sinn des verfügbaren Angebots.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski