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Was Notare wirklich bewegt

Notare sind die Sachwalter fremder Interessen. Ausgestattet mit einem öffentlichen Amt protokollieren sie Verabredungen in Form von Verträgen, einseitige Erklärungen in Form von Testamenten, Übereinkünfte in Form von Satzungen und Gesellschaftsverträgen und viele andere ihnen zugetragene Schriftstücke. Auch wenn das Verlesen der vorbereiteten Texte nebst Anlagen, die Überwachung der Unterschriftsleistung und Vollzug der Urkunde am Auffälligsten von den Beteiligten wahrgenommen wird, erschöpft sich die Tätigkeit des Notars keineswegs in diesen Verrichtungen.

Der Notar übernimmt seine wesentliche Verantwortung in der Vorbereitung von Beurkundungsvorgängen dadurch, dass er den Willen der Beteiligten ermittelt und deren Wünsche und Verabredungen aus der realen Welt in die rechtsbeständige Welt überträgt. Da diese Welten nicht deckungsgleich sind, muss der Notar dabei aufklärend wirken, auf Risiken und Gefahren aufmerksam machen, belehren und vor allem Wege finden, die den gewünschten Erfolg der Beteiligten ermöglicht. Weitestgehend deshalb, weil die Interessen der beteiligten Vertragspartner nie deckungsgleich sind.

Um das Gelingen eines Rechtsakts herbeizuführen, ist der Notar auf die Mitwirkung der Beteiligten, ihre Informationsbereitschaft, ihren Ordnungssinn und ihr kooperatives Verhalten untereinander und mit ihm angewiesen. Erfahrung, Einfühlungsvermögen und ein hohes Maß an Flexibilität verbunden mit juristischer Kompetenz ermöglichen es dem Notar, den Beteiligten Vorschläge zur Lösung ihres Anliegens zu unterbreiten, auch wenn diese oft zunächst selbst nicht erkennen, wie der Weg zum Ziel führt. Um zielgerichtete Vorschläge unterbreiten zu können, ist es erforderlich, dass der Notar sich kontinuierlich fortbildet und mit einem hohen Maß an Konzentration und juristischer Kombinationsgabe auch schwierige Vorhaben einer Lösung zuführt.

Entgegen der Auffassung vieler Rechtssuchenden bestehen systemisch viele Unklarheiten und Unsicherheiten, die analysiert werden müssen, stets fokussiert auf das Gelingen des Werkes. Die Mandanten wollen ihren Erfolg und der Notar ermöglicht diesen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Von der Hand gesprungen

Tod, wo ist Dein Stachel, heißt es beim ersten Korinther 15, Vers 15. Tod, wo ist Dein Sieg heißt es weiter. Egal. Tod ist Ende, aus. Rien ne va plus. Stillstand. Kein Herzschlag mehr, keine Hirnaktivitäten, keine Transaktionen sind mehr möglich; alles ist vorbei, nachwirkend nur Gefühle, Gedanken von Mitmenschen und Testamente.

Das Leben ist von der Hand gesprungen, wie die Schriftstellerin Rosemarie Bronikowski meint. Alle Lebensaufregungen haben zu einem Ende gefunden, aber waren sie vergeblich? Keineswegs. Bei Psalm 90, Vers 12 steht: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Wir müssen das Leben mehr vom Ende her denken, begreifen, dass die Ausbildung, die wir im Leben erfahren, wichtig dafür ist, dass wir am Schluss loslassen können.

Ein in der Selbstausbildung noch unvollendeter Mensch stirbt und hinterlässt meist eine Unordnung, die vergiftend nachwirken kann. Nicht Erbschaftsteuer und Verteilungsgerechtigkeit beim Nachlass erhält das Andenken an den Verstorbenen und den Sinn seines Lebens aufrecht, sondern seine Fähigkeit beizeiten, das Materielle von dem Immateriellen zu trennen und seinen nächsten Angehörigen und der Welt etwas zu hinterlassen, was das Leben wirklich ausmacht: Liebe, Schönheit und Demut.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski