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Luther, der Kardinal und die Daten (Teil 1)

Papst Leo, X. belegte am 15.06.1520 Martin Luther wegen dessen Thesenanschlags in Wittenberg mit einer Bannandrohungsbulle, der Exsurge Domine. Luther soll seine The­sen zurücknehmen. Im Falle der Weigerung drohe Luther die Exkommunikation. Wie wir wissen, nahm Luther seine Thesen nicht zurück und wurde folglich exkommuniziert, mit dem Kirchenbann belegt und als Häretiker kirchlich gebrandmarkt.

Dem gingen etliche Verhöre Martin Luthers voraus, unter anderem beim Reichstag zu Augsburg, 1518. Die Anhörung ereignete sich im Stadtpalast des Jakob Fugger und wurde von Kardinal Thomas Cajetan geleitet. Kardinal Cajetan forderte Luther eindringlich auf, seine Thesen, die er für ketzerisch halte, zu widerrufen. Luther strebte selbst den Disput an, der schließlich eskalierte. Er bestritt vehement, sich der heiligen Schrift und dem Glauben zu widersetzen, vermochte aber weder zu überzeugen, noch dem kirchlichen Bann zu entgehen.

Das historische Vorbild gibt den Blick auf einen gegenwartsbezogenen Disput zwischen Luther und dem Kardinal frei, der sich nicht – wie sein historisches Vorbild – Cajetan, sondern GAFA nennt. GAFA steht für Google, Apple, Facebook und Amazon – Unternehmen, die das Internet beherrschen. Alibaba hat es sich unter dem Kardinalshut eingerichtet. Weitere Datenschöpfer, Händler und Verwerter verbergen sich passend unter der weiten Sutane GAFAs, der Ecclesia digitalia.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski