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Kontrolle

Ein Oppeln tut das nicht! Mit dieser Ermahnung meines Vaters waren eine Fülle durchaus attraktiver Möglichkeiten, sich nur zum eigenen Vorteil anderen gegenüber zu verhalten, erledigt. Die familiäre Kontrolle funktioniert. Dabei bin ich – wie jeder andere Mensch auch – zu allem fähig, aber, wie bereits die familiäre Kontrolle, vermag auch die genetische und die auf eigenen Erkenntnissen und Abwägungen beruhende Kontrolle einzugreifen, wenn die Bereitschaft, egozentrische Gedanken und Gefühle umzusetzen, zu mächtig wird.

Das Gewissen meldet sich. Zudem ist ergänzend die gesellschaftliche Kontrolle zu bedenken. Dafür gibt es zunächst einen einfachen Merksatz, dass man anderen nicht zufügen solle, was man selbst nicht erleiden möchte, der sehr passend ist. Selbstverständlich erschöpft sich diese Kontrolle nicht in dem Verhalten von Mensch zu Mensch, sondern umfasst auch Sitten und Gebräuche, regelt also Rituale, die im menschlichen Zusammenleben Orientierung verschaffen.

Dass dies vorteilhaft ist, scheint mir heutzutage nicht mehr einer allgemeinverbindlichen Ansicht zu entsprechen. Manche Kontrollen, wie man sich zum Beispiel an Feiertagen verhält und sich kleidet, mögen als veraltet gelten, aber jeglicher Kontrollverlust z. B. bei der Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit oder bei der Nahrungsaufnahme schafft bei den Handelnden und Erlebenden Frust.

Das Ergebnis ist, dass die Eigenkontrolle allgemein erlahmt und sich jeder so verhält, wie es seiner augenblicklichen Eingabe entspricht. Der Mensch ist lernfähig, aber vor allem verlernfähig. Irgendwann, und zwar wahrscheinlich sehr bald, erodiert das Vertrauen in andere Menschen, insbesondere dann, wenn die Maßstäbe menschlichen Handelns völlig zur Disposition gestellt werden.

Dass dies sehr bald geschehen könnte, liegt auf der Hand. Sobald infolge des Klimawandels, der Energiekrise, der Überbevölkerung, der Migrationsströme und anderen Herausforderungen nur funktionierende, persönliche, familiäre und soziale Kontrollen noch ein ertragbares Miteinander ermöglichen, werden wir uns darauf besinnen müssen, dass die Freiheit, auch auf Kontrollen zu verzichten, den Vorteil sie zu haben, nicht übertrifft. Es ist gut, souveräner in den Grenzen, welche die Familie, die Gesellschaft, die ich mir selbst vorgebe, zu handeln.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ethic Solutions (Teil 1)

Die Welt ist schön! Vor Jahrtausenden haben wir damit begonnen, sie nach unseren Bedürfnissen zu gestalten. Wir haben immer alles von Menschen für Menschen gemacht und dabei entsprechend unserer Bedürfnisse auch auf die Ressourcen dieser Welt zurückgegriffen. Bei der Übertreibung unserer Nutzungsmöglichkeiten haben wir viele Fehler gemacht. Wir haben großen Schaden angerichtet, aber vieles ist uns auch gelungen. Probleme, die im Anthropozän besonders sichtbar geworden sind, beruhen auf unserer Fähigkeit, Entwicklungen auf allen Gebieten voranzutreiben.

Das Ergebnis ist ein enormes Bevölkerungswachstum, aber auch weniger Seuchen und Krankheiten, eine enorme Energieausbeute mit allen bekannten Konsequenzen, aber auch weniger Hunger, mehr Arbeit und Beschäftigung, kurzum mehr Lebensperspektive. Wir müssen alles sehen. Auch die großen Fortschritte, obwohl sie stets eine Kehrseite aufweisen, die uns Angst macht und uns verzagen lässt: Überbevölkerung, Verseuchung der Meere, Abschmelzen der Pole, Klimawandel, Atomkraft, Digitalisierung und schließlich „artificial intelligence“. Wir dürfen uns aber von der Verantwortung nicht zurückziehen, sondern haben Grund zu handeln, nicht völlig anders, weil dies unserem Leben nicht entspricht, aber mit abweichenden Perspektiven als bisher.

Kein „anderes Wesen“ kann uns retten, sondern wir können selbst unsere Fähigkeiten nutzen, die wir bei der Ressourcenausbeutung erworben haben. Vor dem Handeln steht das Erkennen. Unsere Welt ist unternehmensbestimmt. Sie ist aufgrund der industriellen Revolution, wie wir sie nennen, auf den Warenverkehr ausgerichtet, der den Stakeholdern, aber auch den Destinatären nutzt. Die dadurch gewonnenen Erfahrungen im Kapitalismus sollten ausgedehnt werden auf einen bisher kaum erschlossenen Bereich, um auch dort Mehrwerte zu schaffen, die uns gesellschaftlich und persönlich voranbringen. Philanthropie steht da für ein ethisches Verhalten, das kapitalistische Befähigungen mit den Möglichkeiten verbindet, ideell und finanziell einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und zu nutzen.

Dies kann in allen Bereichen geschehen und geschieht bereits jetzt schon in der Gesundheitsfürsorge, der Pflege, der Bildung, der Müllvermeidung, der Zweit- und Drittnutzung von Gegenständen, der Finanzierung, der Ernährung, der Energie und der Wohnungswirtschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gedankenwechsel

Meist mit Anglizismen wird in letzter Zeit ein Vorhaben beschrieben, das mit „Mind Change“ und dem Prozess des Changemanagements zu tun haben soll. Damit wird die Erwartung verbunden, dass dann, wenn überhaupt irgendein Wechsel vom bisherigen Denken weg vollzogen sein sollte, sich irgendwelche Probleme lösen ließen. Diese Probleme sind etwa: Klimaveränderungen, Verdichtung der Städte, Vertreibung und Flucht, Alterung der Gesellschaft und Überbevölkerung, um nur ein paar Felder zu nennen.

Dass es Probleme im Großen und Kleinen gibt, um die wir uns kümmern müssen, dürfte jedem klar sein. Das war schon immer so. Nicht ganz klar nachvollziehbar ist mir allerdings die Feststellung, dass die bisherigen Methoden des Denkens und Argumentierens keine Lösungen mehr bieten würden, vielmehr ein „Change of Mind“ erforderlich sei. Darunter mag man disruptive Prozesse verstehen, „Design Thinking“ und was immer da noch angeboten wird.

Ich will das überhaupt nicht herabwürdigen, denn alles, was geeignet sein sollte, Probleme zu lösen, ist hoch willkommen. Aber ist es nicht so, dass wir schon immer ein Problem betrachten, dieses von allen Seiten her einhegen und unter unsere Möglichkeiten subsummieren, um es so zu lösen? Eine Art Relationstechnik, der sich die Lösung jeglichen Problems zu stellen hat. Der Bestandsaufnahme des Problems eröffnet sich die Vielfältigkeit der Betrachtungen aus unterschiedlichsten Perspektiven, die zum Denken in Sinnzusammenhängen veranlassen und durch Anreicherungen mit vielerlei Wissen Lösungen andeuten, die im wahrsten Sinne des Wortes überschlafen werden müssten. Problemlösung ist ein Prozess.

Problemlösung ist auf Zeit angelegt, weil unser Problembewusstsein selbst dann an diesem arbeitet, wenn wir uns dessen zumindest momentan gar nicht bewusst sind. Dies gilt individuell, wie auch kollektiv. Nicht auf hektisches „Mind Change“, sondern nur auf unsere Fähigkeiten, Probleme zu meistern, ist Verlass. Ist es uns gelungen, ein Problem gemeinsam zu erkennen, es in seiner Vielfältigkeit zu beschreiben und eine Lösung aufzuzeigen, steht der Beseitigung dieses Problems schon deshalb nichts mehr im Wege, weil wir nicht von der Beseitigung des Problems, sondern von dessen Erkennen her unseren Weg zur Lösung genommen haben.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Sicherheitsalarm

Wir sind Ohrzeugen eines verbalen Schlagabtausches zwischen dem amerikanischen Präsiden­ten Donald Trump und dem nordkoreanischen Präsidenten und Volksführer Kim Jong Un. Jeder hält den anderen für geisteskrank und will ihn platt machen. Die Völker gleich mit dazu. Das ist der Plan. Werden sie es tun?

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, einem Vortrag des ehemaligen Botschafters und heutigem Vorsitzenden der Münchener Sicherheitskonferenz – Prof. Wolfgang Ischinger – zu folgen. Sein Thema war: „Zerfällt die Weltordnung?“ Er hat dies bejaht und ausgeführt, dass wir in schlimmen Zeiten leben. Dank seiner Kompetenz hat er alle derzeitigen Konfliktlagen beschrieben und die Bedeutung der Sicherheitskonferenz bekräftigt, ein Ort, an dem sich Machthaber unterschiedlichster Herkunft und Absichten treffen und sich über ihre Pläne austauschen können. Trotz des pessimistischen Szenarios sieht er die unausweichliche Notwendigkeit der Diplomatie, die Konflikte anzugehen.

Trotz des unüberhörbaren Moll-Tons im Vortrag von Herrn Prof. Ischinger beruhigten mich seine Ausführungen, denn sie bestätigten, was wir schon längst wissen, und zwar: auf der Ebene zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen, ob Staaten, Völker oder Einzelne, es gibt immer wieder Lösungen, weil trotz aller Emotionen die praktische Vernunft in der Lage ist, Ergebnisse mitzusteuern. Es gibt allerdings Bereiche, die bei Sicherheitskonferenzen offenbar nicht mitbedacht werden.

Dies sind die Beurteilungen von Verteilungskämpfen, die sich zum einen aus der Überbevölkerung, zum anderen aus erodierenden Kulturen und zerstörter Natur einschließlich Klima und Ozean herleiten. Diese Bedrohung wird nicht mit bedacht, sondern die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Staaten und Völkern in Kauf genommen. Dabei wissen wir, dass die auf uns zukommende Katastrophe unsere Sicherheitsarchitektur nachhaltig erschüttern und uns schon jetzt zwingen müsste, global strategisch gemeinsam diese Problemfelder zu bedenken, anstatt uns darüber zu ereifern, ob die Ukraine in die Nato aufgenommen werden sollte.

Warum sind wir so kurzsichtig? Warum sehen wir nicht, dass die Bevölkerungsexplosion uns in unabsehbare Verteilungskriege führen wird? Warum sehen wir nicht, dass territoriale Ansprüche hinweggeschwemmt werden von Wetter und Ozeanen? Warum sehen wir nicht, dass sich allmählich die Ordnungsrahmen der menschlichen Gemeinschaft durch Kulturverluste auflösen und wir in der Vereinzelung hilflos sind?

Vielleicht ist es der Plan des Lebens, jede Herausforderung auf die Spitze zu treiben, um zu sehen, ob wir uns dann noch bewähren können. Jedenfalls sollte neben Nordkorea, Krim, Syrien, Ukraine, Irak, Sudan und Libyen auch die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten mit auf die Tagesordnung von Sicherheitskonferenzen gesetzt werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wahrheiten

Nicht selten hört man auch von Fachleuten in jüngster Zeit, dass der drohenden Überbevölkerung nur mit Kriegen und/oder einer Pandemie beizukommen sei. Es würde in nicht allzu langer Zeit nicht mehr ausreichend genug Wasser für die Menschen geben, Menschen ganzer Landstriche aufgrund Wasserknappheit verdursten. Hinzukommen die üblichen Szenarien, die auf Klimaveränderungen zurückgeführt werden. Unser Planet ist massiv bedroht. Wenn der Hebel einmal umgelegt werden würde, gäbe es kein Zurück. Unser menschliches Experiment müsse scheitern. Horrorszenario? Der Verschwörungstheorie nahe? Fake oder Wahrheit?

Irgendwie leben wir so weiter wie immer. Irgendjemand wird es schon richten. So schlimm ist es dann doch nicht gekommen, denken wir zum Beispiel an das Waldsterben. Schonungslose Offenheit? Fehlanzeige! Wir sehen und spüren, wie Völker nach Europa drängen, weil die Probleme der Überbevölkerung und der aggressiven Auseinandersetzung in ihren Heimatländern nicht gelöst werden. Unsere Reaktion: Sie sollen wegbleiben. Unsere Gesellschaft will mit den Problemen möglichst nicht behelligt werden, weil die Gesellschaft aus Individuen besteht, die ohnehin keinen Plan haben.

Also verdrängen wir lieber, was uns bevorsteht. Ist das fair gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern? Was können wir tun? Zunächst einmal müssen wir uns auch im öffentlichen Raum intensiv zu Wahrheiten bekennen, anstatt zu beschwichtigen. Eigentlich wissen wir sehr genau, was wahr ist, wollen diese Erkenntnis aber aus Bequemlichkeit nicht wahrnehmen. Dies zu ändern, wäre der Anfang. Dann muss aber auch gehandelt werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski