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Kräftemessen

Armdrücken, Fingerhakeln oder auch Autorennen in der Innenstadt. Die Beispiele umfassen sämtliche Bereiche unseres Lebens. Meist bestimmt der Wettbewerb unser Tun. Der Mitwettbewerber ist unser Konkurrent, ermöglicht uns aber die eigene Leistung, weil er das Kräftemessen zulässt, ja dieses um seinetwillen will, aber auch, um unseretwillen. Denn würden wir den Wettbewerb verweigern, keine Lust haben mitzumachen, würde sein Handeln durch unsere Verweigerung sinnlos werden. Wir Menschen schöpfen nicht nur aus der Anerkennung, sondern aus dem Wettbewerb Kraft, Machtzuwachs, Neuerungen und Selbstverwirklichungen. Wir messen uns mit anderen Menschen, um dadurch zu erfahren, welchen Stellenwert wir selbst im Leben haben.

Gäbe es keine Konkurrenz, keinen Wettbewerb und könnten wir uns nicht mit anderen Menschen messen, führe die allgemeine Zurückhaltung zum Verlust jeglicher Kreativität. Dies würde den Fortschritt verhindern, aber auch paradoxerweise viel Leid ersparen. Im internationalen Wettbewerb findet das Kräftemessen auf militärischem Gebiet, der Diplomatie, aber auch der Wirtschaft statt. Ließe sich der Prozess des Kräftemessens thematisch auf ein Gebiet wie den Umweltschutz und der Erhaltung des Planeten fixieren, könnte der Wettbewerb auch maßgebliche positive Entwicklungen hervorrufen.

Da Kräftemessen aber auch stets eine Machtausübungsoption beinhaltet, ist naheliegend, dass jeder Wettbewerb, selbst auf einem erwünschten Gebiet, unfriedlich ausgehen könnte. Deshalb wird es immer erforderlich sein, den Wettbewerb durch Regeln und Gesetze so einzuhegen, dass das Kräftemessen stets nur in einem kontrollierten bzw. kontrollierbaren Raum stattfindet. Verträge können dabei hilfreich sein, aber im Konfliktverhalten kommt es vor allem auf den Willen der Schiedsrichter an, für eine Ausgewogenheit des Kräftemessens zu sorgen.

Dies vermögen sie nur dann, wenn sie über Gestaltungsmacht verfügen und von den Wettbewerbern anerkannt werden. Soweit Menschen bzw. die von ihnen eingesetzten Einrichtungen berufen sein sollten, das Kräftemessen der Wettbewerber zu beurteilen, sollten auch deren Eigeninteresse und Manipulierbarkeit bedacht werden. Es ist wahrscheinlich, dass eines Tages der Wettbewerb einen digitalen, aber nicht rechtlichen Ordnungsrahmen erhält. Vielleicht ist dies dann sein Ende.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Weltanteile

In der Wirtschafts- und Warenwelt sind uns Begriffe wie Shareholder Value oder Stakeholder Value weitgehendst geläufig. Sie bezeichnen die wertmäßige Beteiligung an Unternehmen bzw. Unternehmungen. Doch welchen Wert haben Anteile jedes einzelnen Menschen an der Welt?

Jeder Mensch ist ein geborenes Mitglied der Weltgemeinschaft, Anteilseigner und damit auch Stakeholder. So wohl die allgemeine Anschauung, aber hält diese Betrachtung der Wirklichkeit stand? Um welche Anteile geht es? Die Anteile des Menschen sind zunächst seine Lebensrechte, d. h. Anrecht auf Luft, Wasser, Erde, Teilhabe an Nahrung, aber auch Selbstbestimmungsrecht und Organisationsrecht. Diese Einforderung unterscheidet sich kaum von den Ansprüchen, die Stakeholder oder auch Shareholder an Kapitalgesellschaften geltend machen, wenn es um ihre Kapitalien geht. Und doch hat beides nichts miteinander zu tun. Weshalb?

Können Stakeholder in der Wirtschaft recht frei agieren, solange sie bestimmte Regeln einhalten, werden die geborenen Anteile eines Menschen an der Welt von Anfang an unter vormundschaftsrechtliche Aufsicht gestellt. Sie werden eingezogen und zugeteilt nach Maßstäben, die der Mensch weitgehendst nicht beeinflussen kann. Solange der Mensch die Ausübung seiner Weltanteile nur auf Zeit anderen überträgt, sollte er aber Kontrollrechte haben. Diejenigen, die er zur Ausübung seiner Rechte durch Contract Social bevollmächtigt hat, sind ihm Rechenschaft schuldig.

Geht der Mensch seiner Rechte insgesamt verlustig, obwohl sie eigentlich unentziehbare natürliche Rechte sind, zum Beispiel aufgrund Willkür und Fehlinformation wird er selbst unberechenbar, weil er nichts mehr hat und  nichts mehr verlieren kann. Was kümmert dann noch Umweltschutz, Arterhaltung, Vielfalt und kulturelle Entwicklung.

Mit dem Verlust der Anteile steht die Würde auf dem Spiel. Sie darf dann auch nicht nur als Gnadenakt zugewiesen werden durch den, der mehr Anteile an dieser Welt besitzt, als ihm geborenermaßen zustehen. Um die Balance in der Weltgemeinschaft wieder zu finden, ist es unumgänglich, durch Überzeugungsarbeit alle zu motivieren, die Weltanteile wieder gerecht zu verteilen oder Einziehungsverfahren zu installieren, um bei Uneinsichtigkeit derer, die sich der Anteile bemächtigt haben, den selben Erfolg zu erreichen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski