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Fremd

Wie fremd ist uns das Fremde? Warum ist es so? Wie fremd sind wir anderen, auch uns selbst? Empfinden wir Fremdes als Belastung, als nicht zugehörig? Ist Fremdeln eine Haltung oder beruht sie auf der fehlenden Möglichkeit der Einschätzung? Ungewohntes ist uns fremd und wir benötigen eine Anleitung, um uns im Fremden zurechtzufinden, ob in einem fremden Land oder auch mit fremden Menschen.

Wenn wir uns mit dem Fremden zurecht gefunden haben, gelingt es uns, ein Arrangement zu treffen. Zuweilen kommt das Fremde uns auch entgegen, um unsere Scheu zu überwinden. In fremden Ländern stellen wir fest, dass vieles anders ist, aber auch die Gewohnheit uns den Umgang mit dem anderen erleichtert. Wenn wir uns sicher fühlen, empfinden wir das Fremde auch als wohltuende Herausforderung. Das Wissen kann dabei helfen, uns zum Beispiel die Fremdheit unter den Menschen zu erklären und dadurch eine Verbindung zu schaffen, die durch das Bemühen allein nicht zu erreichen ist.

Menschen können uns durch ihre Hautfarbe fremd sein. Um diese Fremdheit zu überwinden, reicht es nicht, dass wir erfahren, dass diese Menschen und wir genetisch völlig übereinstimmen. Wenn wir aber wissen, dass wir Europäer aufgrund der Lichtverhältnisse weiß geworden sind, können wir den Unterschied in der Hautfarbe besser einordnen und ihr die Relevanz bei der Beurteilung des Fremden nehmen.

Wissen schafft Verständigung und erlaubt es, ohne Schuldzuweisung für Fehlbeurteilungen in der Vergangenheit sich auf die Suche nach der Entdeckung des anderen zu begeben und daraus Vorteile für unsere Zukunft abzuleiten. Wir können nicht so tun, als seien wir alle gleich, aber die Bereitschaft, unser menschliches Verhalten zu reflektieren, eröffnet uns auch die Möglichkeit, nicht nur Momentaufnahmen zu menschlichem Versagen und Gier zu machen, sondern wir begreifen, dass die Ausbeutung anderer Menschen für eigene Zwecke aus Gründen der Nützlichkeit stigmatisierend wirkt und Fremdsein begründet.

Es liegt daher an uns, das Fremde dadurch zu schätzen, dass die Vorurteile, die uns in der Vergangenheit oft nützlich waren, überwunden und das Fremde neu bewertet werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski