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Das Leben ist schön

Der bemerkenswerte Titel des Filmes von Roberto Benigni erinnert uns daran, das Leben trotz aller widriger Umstände mutvoll anzunehmen und uns dadurch zu bewähren. Das ist schnell gesagt, aber schwer getan. Vieles stinkt uns, wir sind genervt vom Wetter, dem Verkehr oder unseren Nachbarn. Wir haben zu wenig Geld, fühlen uns krank, übergangen, überhaupt schlecht behandelt. Die Liste der Befindlichkeiten, zu denen wir fähig sind, ist kaum zu erstellen.

Die meisten Befindlichkeiten sind dabei negativ besetzt. Es geht uns schlecht und das Leben ist überhaupt nicht schön. Wenn das alles so ist, warum leben wir dann und wie leben wir? Wir leben, weil wir geboren wurden. Wir haben uns das nicht ausgesucht. Auch wenn wir heute missmutig sind, so haben sich doch in den allermeisten Fällen bei unserer Geburt unsere Eltern über uns gefreut. Wir haben uns auch gefreut zu leben und dies durch alle zutraulichen Aktivitäten bei Aufnahme der Muttermilch bis zum Nachplappern des Gehörten zum Ausdruck gebracht.

Unsere Kindheit war meist schön, es sei denn, wir wurden systematisch unterdrückt und schlecht behandelt. Was hat dazu geführt, dass wir den Glauben an das Schöne am Leben auf der Strecke lassen? Die äußeren Umstände sind dies zwar auch, vor allem aber unsere eigene Ein­stellung, die routiniert schlechte Vorkommnisse addiert, die guten aber wie selbstverständlich aussondert. Wir sind auf das Unschöne fixiert. Missmut und Kritik kommt uns leicht über die Lippen, weniger aber Anerkennung und freudvolle Zustimmung.

Damit uns das Leben aber nicht nur zeigt, was es versagen kann, ist es erforderlich, dass wir es willkommen heißen, seine Schönheit behaupten, um dann den Beweis als Belohnung für unsere Zuversicht zu erfahren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski