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Tod

Endgültigkeiten, wie der Tod, sind uns lästig. Wir sind es gewohnt, Auswege mit einzuplanen, Endgültigkeiten so zu umgehen oder diese auch in höchster Not zu leugnen. Den Tod gibt es also nicht. Punkt. Basta. Das stimmt aber nicht. Das wissen wir. Der Tod sitzt uns lebenslang im Nacken. Dass er dennoch üblicherweise kein Thema ist, hat damit zu tun, dass wir kaum wissen, wie wir ihm begegnen sollen.

Natürlich gibt es viele und ausufernde Anleitungen, seien diese körperlich, spirituell, leugnend oder beschwörend. Das meine ich aber nicht, sondern ich spreche vielmehr von dem Schluss, der nicht nur uns Menschen, sondern allem wiederfährt, dem Baum wie dem Krokodil und dem Felsen von Gibraltar, um aus der Fülle etwas zu nennen. Der eine oder andere Tod lässt sich Zeit, um vorbereitet und wirkungsvoll aktiv zu werden. Er ist konsequent und erfolgreich.

Aber, wie gehen wir selbst mit diesem Schlussmachen um? Heiter, entspannt, spielen wir eine Sonate, rezitieren wir ein letztes Gedicht, beten wir vielleicht? … Alles ist gut möglich, aber, was kümmert das den Tod? Die Antwort auf die mir selbst gestellte Frage mag überraschen: Es kümmert den Tod mehr, als wir ahnen! Warum? Weil Tod und Leben Geschwister sind, und zwar eineiige, die so miteinander verbunden sind, dass sie sich stets spüren und aufeinander reagieren, ohne den anderen nicht existent.

Mit dem Urknall hat das Leben den Tod herausgefordert und auch ohne unsere Benennung finden Prozesse statt, die sich bedingen, Entwicklungen hervorbringen und Metamorphosen ermöglichen. Ins Leben ist der Tod gestiftet. Er ist die gereifte Form des Lebens, wie bereits erwähnt, ohne den Tod kein Leben. Bereits im Urknall sind alle Phänomene des Lebens angelegt worden. Der Urknall hat sie aus dem Tod erschaffen. Sinnhaftigkeit wie Sinnlosigkeit sind die Vorder- und Rückseiten derselben Medaille.

Man sollte daher alles, was mit dem Urknall ausgelöst wurde, als strukturierte Anreicherung von Erfahrungen begreifen. Es fügt sich alles, das Denken wie das Handeln oder Nichtdenken bzw. Nichthandeln, in einen Prozess ein, der seine ihm verliehene Energie zum Fortschritt nutzt, aber kein werbendes Bewusstsein der Sinnhaftigkeit haben muss. Gäbe es keinen Tod, gäbe es auch kein Leben, es hätte sich der Urknall nie ereignet und wäre die Endgültigkeit niemals eine Herausforderung für uns geworden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Zeit und Zeitbewusstsein

Was hat es mit unseren Zeitvorstellungen auf sich? Gibt es überhaupt eine allgemein verbindliche Zeit? Was bedeutet denn für uns die Zeit, der Stundenschlag, die verrinnenden Stunden und Minuten, das schwindende Leben? Birgt die Zeit einen Inhalt und ist gleichzeitig eine Methode der Erfassung unserer Befindlichkeit angesichts des von uns vermuteten Urknalls?

Ist die Zeit für uns also ein Bedienungsladen, sowohl für Wissenschaftler, als auch für Privatpersonen? Die Zeit verschafft eine zumindest vorübergehende Sicherheit, einen Rahmen der Orientierung, wenn alles auseinanderzudriften scheint. Objektiv ist nichts da. Subjektiv nutzen wir das eigene Verständnis für die Zeit, um mit denjenigen, die unsere Verabredung zur Zeit teilen, eine Chance zu haben, stabil Augenblicke des Innehaltens und des Aufbruchs zu nutzen.

Unsere Zeit ist die des Pendels. Mit den Schwingungen des Pendels beherrschen wir die Zeit und das Pendel beherrscht uns, zeigt uns, wann uns die Stunde schlägt. Unsere Vorstellung von der Zeit ist eine phänomenologische des steten nicht Erreichbaren, um dessen Beherrschung wir uns aber bemühen. Die Zeit haben wir vorgefunden, mit unseren Sehnsüchten bestückt, wir versuchen sie zu unseren Zwecken zu nutzen und verlassen sie mit unserem Tod zeitlos für immer.

Die Zeit, die die Welt und der Weltraum haben, entspricht nicht nur von den Dimensionen her in keiner Weise unseren Vorstellungen, sondern sie ist auch etwas Anderes, gleichgültig gegenüber unserer Begrifflichkeit. Wir benötigen die Begrenzung, um zu leben, die Welt muss sich zeitlich entgrenzen, um zu bleiben. Die Zeit an sich bemüht sich in keinerlei Weise um Dimensionen, nur wir.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Sein oder nicht sein, das ist die Frage

Philosophen und Wissenschaftler arbeiten sich an der Frage ab, wie es geschehen konnte, dass Materie entstand, ohne gleich wieder durch Antimaterie verschlungen zu werden. Der ewige Dualismus von Sein und Nichtsein, von Etwas und Nichts, beschäftigt uns.

Dieser Dualismus, dieses Wissen darum, dass man das, was man eingeschaltet hat, auch wieder ausschalten kann, hält unser Gemüt im Gleichgewicht. Und nun zu uns selbst? Unsere Erde, alle Planeten des Weltraums, alles wurde irgendwann vorhandengemacht, eingeschaltet und der Ausschalter verloren?

Dieser verlorene Ausschalter ist die Antimaterie, die in der Beschleunigungsanlage Cern auftaucht, aber auch in unseren Spekulationen und sich möglicherweise in den Weiten eines unvorstellbar großen Weltraums verloren hat. Im Urknall ist uns die Antimaterie abhandengekommen. Für immer? Vielleicht, ausdenken können wir uns dabei alles. Wir können zum Beispiel bedenken, dass die Antimaterie sich in der Materie spiegelt, sozusagen seitenverkehrt oder voneinander abstoßend, wie Magneten, die gleichgepolt sind.

Jeder Turnaround von Materie in Antimaterie würde uns dann vernichten. Es ist so einfach, sich diese Welt und die Ungeheuerlichkeit des Weltraumes auszudenken und mit der Vorstellung zu leben, dass jede Implosion nach dem Urknall alles verschwinden lässt und dem Nichts keine Erkenntnisfähigkeit des Etwas überlässt. Bis zum nächsten Urknall und den Folgenden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski