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Vampirismus

Neulich habe ich gelesen, dass es Forschern der Stanford Universität gelungen sei, die Lebenszeituhr so präzise zu beschreiben, dass eine im Menschen selbst verborgene Uhr leicht abzulesen sei. Wie alt bin, wie alt kann ich werden? Keine Frage der äußeren Umstände mehr, sondern der Gene und des Bluts. Alten Mäusen hat man bereits das Blut jüngerer zugeführt und dabei festgestellt, dass die Stammzellaktivitäten der älteren Mäuse angeregt werden. Die Mäuse haben sich erheblich verjüngt.

Was für Mäuse gilt, gilt bald auch für Menschen. Der Run auf Jungblut wird erheblich zunehmen und etliche werden ihre eigenen frühkindlichen Blutkonserven einfrieren, um später darüber bei Bedarf wieder verfügen zu können. Ob das alles klappen wird, wissen die Forscher natürlich jetzt noch nicht, werden es aber in ein paar Jahren herausgefunden haben. Es wird dann so sein, dass das „Jungbaden“ im Blute möglich wird und der Vampirismus in Hochform aufläuft.

Auf rätselhafte Art und Weise wird dadurch bestätigt, was wir alles im Hinblick auf Veränderungen schon kennen. Längst bevor die wissenschaftlichen Arbeiten aus Stanford dies belegten, war in den Mythen und Sagen bereits klar, was jetzt möglich zu werden scheint. Graf Dracula und die Sagenvampire werden mit Knoblauch und ins Herz gerammten Holzpflöcken bekämpft, denn sonst haben die Untoten ein langes Leben.

Werden künftige Menschen oder auch Maschinen zu ähnlich drastischen Mitteln greifen müssen, um den ewig sich erneuernden Menschen wieder loszuwerden? Von kommenden Generationen wird man nicht mehr reden können, wenn alle Menschen abhängig von der Frischblutzufuhr sich erneuern und ewig leben. Kriege, Krankheiten und Unfälle werden umständehalber die einzigen lebensbeendenden Maßnahmen darstellen. Lebenszyklen sind unbekannt, es sei denn, sie werden künstlich vorgegeben. Für jeden Menschen oder nur für Gruppen? Und wer stellt die Uhr neu? Die Maschinen?

Bewahrheitet sich das, was erste Forschungsergebnisse vermuten lassen, gibt es kein „geborgtes Leben“ mehr, eine andere Gesellschaft mit völlig neuen Herausforderungen und Perspektiven beherrscht dann den Planeten, wenn es ihn noch eine Weile geben sollte. Gott sei Dank werde ich das nicht mehr erleben.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski