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Ausreden

Jede Ausrede ist billig. Obwohl wir dies wissen, benutzen wir sie dennoch. Wir sind auch nicht so blöd zu glauben, dass der Adressat der Ausrede unser Anliegen nicht durchschaut. Die Ausrede ist ein verabredetes soziales Phänomen und erlaubt eine Gesichtswahrung selbst noch dann, wenn man sich eigentlich schämen müsste. Da Ausreden zur sprachlichen Ausrüstung jedes Menschen gehören, wird ein gewisses Kontingent davon auch nicht sozial geächtet, aber bemerkt.

Häufen sich die Ausreden, schadet dies der Verlässlichkeit. Das soziale Ansehen sinkt, der inflationäre Gebrauch an Ausreden schafft Unglaubwürdigkeit, es sei denn, die Ausreden erreichen ein politisch relevantes Niveau. Beispiele: Weil wir die Souveränität fremder Staaten nicht verletzten wollen, können wir Menschenrechtsverletzungen, Vergewaltigungen und Metzeleien nicht verhindern.

Um die Währungsstabilität nicht zu gefährden, müssen öffentliche Bauvorhaben, wie Straßenbau und Schulsanierungen, warten. Sicherheit und Ordnung ist leider nicht mehr zu gewährleisten, weil wir zu wenig Polizisten haben. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Manche der Behauptungen mögen war sein, aber zu jeder Ausrede im politischen Raum gesellt sich auch ein Grund für das fehlerhafte Verhalten. Dieser Grund wird nicht benannt, sondern allein die Ausrede soll den Grund liefern.

Wie im politischen verhält es sich zuweilen auch im privaten Bereich. Die Ausrede lautet u. a.: Weil man mir nichts beigebracht hat, kann ich auch nicht arbeiten, sondern bin auf Hartz VI angewiesen. Ich bin dick, weil meine Drüsen nicht richtig funktionieren. Ich soll anderen helfen, aber wer hilft mir? Auch hier steckt in jeder Ausrede wiederum ein wahrer Kern. Dennoch wird die fehlende Bereitschaft für sich und andere etwas zu leisten mit einem allgemein umschriebenen Unvermögen kaschiert. Dass auch dies eine Ausrede ist, erkennt man an der Vehemenz, mit der sie vorgebracht wird. Derjenige, der die Ausrede erkennt, kommt dann noch glimpflich davon, wenn ihm attestiert wird, dass er gut reden könne, aber die Situation natürlich völlig verkenne. Was soll man auch machen, wenn man als Mensch von seinen Genen, seinem sozialen Umfeld und davon bestimmt ist, ob man zu den Reichen oder den Armen gehört.

Was bleibt, ist also nur, sich in sein Schicksal zu fügen und jedem zu erzählen, wie schlecht es einem geht. Bloß nicht versuchen, etwas zu ändern und dabei das Gelingen oder Scheitern in Kauf zu nehmen. Mit Ausreden lebt es sich einfach bequemer.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

MARKE

Marken haben den Zweck, den Güterverkehr unterscheidbar zu machen und sich im Bewusstsein der Konsumenten einzuprägen. Auch im philanthropischen Bereich spielt die Marke eine große Rolle, macht sie doch spezifische Dienstleistungsangebote erst wahrnehmbar. Die Marke philanthropischen Handelns insgesamt schafft in einer vom Warenverkehr bestimmten Welt das notwendige Unterscheidungskriterium für ein von der Gesellschaft bewertbares Handeln.

Unter philanthropischer Marke verstehen wir das Gütesiegel für eine Verhaltensweise, die sich abhebt von derjenigen, die sich alleine am renditeorientierten Markt bewährt. Auf dem Geldbeschaffungsmarkt erweist sich diese Marke als Siegel der Verlässlichkeit für die Einwerbung von Geldmitteln zum Zwecke einer nützlichen und nachhaltigen Tätigkeit für die Gesellschaft. Insofern transportiert die Marke mehr als das Produkt und ist gleichzeitig eine Rückversicherung des seine Geldmittel einsetzenden Konsumenten, dass er seine Kompensation auf Dauer zielgerichtet und unangreifbar vorgenommen hat. Jede Marke birgt auch eine „Soft Issue“. Darunter ist die Vermittlung von Werten wie Ethik, Vertrauen, Werthaltigkeit und Verlässlichkeit zu verstehen.

Die Marke versinnbildlicht auf dem Markt den Erfolg philanthropischer Tätigkeit und ist auch so ein „Object of Desire“, mit welchem sich jeder schmücken sollte, der diese herausragende Auszeichnung erhält. Sie löst einen Nachahmungseffekt aus und schafft für die handelnden Menschen eine verlässliche Befriedigung, die dauerhaft zum persönlichen und auch gemeinschaftlichen Glück beitragen kann.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski