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Verpackung

Neulich las ich, dass die Bürger Deutschlands Weltmeister im Verpacken seien. Es wird bei uns also gemessen an der Anzahl der Bürger das höchste Maß an Verpackungsmüll produziert. Die Ursachen sind Lieferdienste und Retouren, Einwegbecher, Flaschen und Transportmaterial. Das hätte ich nicht gedacht. Ich hätte den größten Anteil an Verpackungsmüll pro Kopf in den USA vermutet. Zugegebenermaßen, nicht jeder Müllanteil wird hier produziert. Wir erhalten Verpackungsmaterial aus der ganzen Welt, müssen es aber hier gleichwohl entsorgen. Ist das Müllproblem nicht aber eigentlich eine Steilvorlage für uns wohlmeinende Bürger, die wir etwas dafür tun wollen, dass sich das Müllproblem nicht ausdehnt?

Yes, we can. Fangen wir doch mit Coffee-Einwegbechern an. Diese in Mode gekommenen Einwegbecher – to go – sind aus meiner Sicht modische Nuckelflaschen für infantil gebliebene Erwachsene. Entsprechend unseres Bedürfnisses nach Geborgenheit, hat die Kaffeeindustrie Ideen entwickelt, die die Verbreitung des eigentlich simplen Produkts Kaffee optimiert.

Und überhaupt: Anstatt in Geschäfte zu gehen, können wir auf völlig überflüssige Weise uns sämtlichen Gegenstände, die wir glauben, haben zu müssen, nach Hause liefern lassen, um sie bei Nichtgefallen zurückzuschicken. Zukünftig sind wir auch nur noch mittelbar Dirigent unserer Ernährung. Alles wird uns wohl verpackt geliefert. Der Einkaufskorb hat dann ausgedient.

Abgesehen davon, dass wir bei Änderung unseres Verhaltens ein Zeichen gegen Vermüllung und für die Erhaltung der Umwelt setzen könnten, fällt es uns offenbar schwer zu begreifen, dass wir uns in eine Abhängigkeit von Distributoren gebracht haben, die schon jetzt für uns denken und handeln. Während wir uns in unseren Handlungsmöglichkeiten immer mehr reduzieren, wächst die Handlungsmöglichkeit der verteilenden Wirtschaft und des Staates.

Der Verpackungsmüll ist nur der signifikante Ausdruck einer Entwicklung, die uns in die völlige Abhängigkeit von anderen führt, die uns zuteilen, was sie für gerechtfertigt erachten. Irgendwann halten wir nur noch unsere Schnäbel auf und schlucken alles, es sei denn, wir protestieren. Wir könnten unseren Protest mit der Müllvermeidung beginnen und dabei auch noch etwas für die Umwelt tun.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kochen (Teil 2)

Die Ergebnisse sind schon sichtbar und belasten nicht nur jeden von uns persönlich, sondern auch die ganze Gesellschaft. Di­abetes grassiert selbst bei jungen Menschen, Kreislauferkrankungen und Anfälligkeiten für andere Infekte sind auf der Tagesordnung. Abgesehen von steigenden Kosten der Krankenfürsorge steigen auch die Kosten der Umweltbelastung durch Ressourcenverschwendung und Verpackungsmüll.

Und dabei gibt es eine einfache Alternative: selbst kochen. Selbst kochen für sich selbst und die ganze Familie. Das ist viel einfacher, als die meisten Menschen denken, insbesondere dann, wenn sie noch niemals gekocht haben. Die Meisten meinen, ein Kochbuch, eine Anleitung sei erforderlich. Überhaupt nicht! Kochen muss nicht erlernt werden, Rezepte sind nicht nützlich. Es genügt etwas Mut, Wille und Kontrolle. Zutaten sind das Gemüse der Saison, ein Kochtopf – möglichst ein Dampfkochtopf – etwas Wasser und ca. 20 min. Geduld, bis die Zutaten gegart sind.

Überhaupt keine Hexerei! Alles schmeckt köstlich – auch den Kindern. Kochen geht fast ausnahmslos ohne Kochbuch, Reste lassen sich wunderbar verarbeiten und es lässt sich hervorragend experimentieren mit allen sonstigen Zutaten, die sich in der Küche so zufällig anfinden.

Für die tägliche Mahlzeit sind Sterneköche schlechte Ratgeber, sie zwingen zur ausführlichen Vorauswahl, zum Kochbuch und zur strikten Einhaltung der Vorgaben. Alles nicht wichtig, wenn man aus dem Handgelenk herausarbeitet und wunderbare Speisen zaubert, die immer wieder variieren, wegen ihrer Zutaten geheimnisvoll sind und natürlich gut schmecken. Kürbis mit roter Beete und Schafskäse in der Pfanne, Mohrrüben mit Kartoffeln und Erbsen, Bohnen in einer Honig-Paprika-Sauce, alles geht und wir wissen, was wir essen. Viel Vergnügen und guten Appetit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski