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1968 (letzter Teil)

Dutschke war ein Vorgebildeter, einer, der schon was wusste, als keiner der Studenten auch nur die blasseste Ahnung von Marx, Lenin und der gesamten Arbeitergeschichte hatte. Es wurde ihm daher leicht gemacht, die Themen zu besetzen und Studenten unter seine Fittiche zu nehmen. So er kann, geht jeder Mensch den bequemen Weg. Was Dutschke verkündete, musste nicht mehr überprüft, geschweige denn nachgelesen werden. Es war halt so wie er es sagte. Da die Mehrheit applaudierte, war es den Meisten auch recht. Es leuchtete vielen aber auch ein, was er sagte, denn die Zustände in Deutschland waren verdächtig, angesichts des gesellschaftlichen Phlegmas, der Verschärfung der Arbeitsbedingungen in Fabriken und Betrieben und der Eindeutigkeit der weltpolitischen Machtansprüche der Führungsmacht USA. Die Beschreibung des Unterdrückungsszenarios überzeugte und die Gutmenschhaltung, für die Arbeiter- und Unterdrücktenklasse selbst dann etwas tun zu wollen, wenn dies von ihr überhaupt nicht erbeten wurde, war festgemacht an der angeblich fehlenden Aufklärung der Arbeiter über ihre ausgebeutete Situation. Es war die Selbstsuggestion, sich dem Werteverfall entgegenzustemmen, die schließlich dazu führte, dass sämtliche Werte implodierten, als sich erwies, dass die Phrasen der Wirklichkeit nicht entsprachen, sondern von den Handelnden selbst konterkariert wurden. Deutlich, wie immer ging es auch bei dieser Auseinandersetzung nur um Macht und deren Verteilung, ob in Straßenkämpfen in Frankfurt am Main, in Berlin oder Hamburg.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

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