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Ohnmacht

Wenn wir dies in einem Wort ausdrücken wollen, sagen wir, dass uns im Falle einer Ohnmacht die Sinne derart verlassen, dass wir für die Dauer des Anfalls nicht mehr, zumindest kognitiv, wahrnehmungsfähig sind. Teilen wir das Wort in „Ohn“ und „Macht“, gibt es Auskunft darüber, dass ein bestimmter Zustand ohne Macht auskommen können muss. Generell gesprochen sind den Menschen beide Zustände geläufig. Manchmal ereignen sie sich gleichzeitig. Es kommt auf den Tatsachen- bzw. Sinnzusammenhang an. Ohnmächtig bin ich nicht, wenn ich mich meiner Machtlosigkeit bewusst bin.

Es könnte sogar sehr hellsichtig sein, wenn sich meine eigene Machtlosigkeit mit der auf der Welt bestehenden Machtfülle oder gar der absoluten Macht der Welten und Planten nicht in Wettbewerb begibt, sondern diese anerkennt. Der französische Philosoph Blaise Pascal hat – wie viele andere auch – festgestellt, dass der Mensch angesichts der allgemeinen Machtfülle ohne Macht sei, aber ihm zugebilligt, angesichts der allgemeinen Machtlosigkeit sehr mächtig zu sein.

Er drückt dies zwar in der Spiegelung von ´allem´ und ´nichts´ etwas anders aus, würde aber sicher meine Einschätzung teilen. Die Attribute der menschlichen Macht sind vielfältig, natürlich vor allem Geld, aber auch Sprache, Verstand, Durchsetzungskraft, Gestik und viele weitere Darstellungsmittel, die üblicherweise andere Menschen beeindrucken.

Zur äußeren Prägung der Macht kann sich allerdings auch das gesellen, was durch Demut, Zuwendung, Naivität und Verständnis bestimmt wird. Die Macht ist durchaus für unterschiedliche Lebensmodelle aufnahmefähig, seien diese real oder virtuell. Ohnmacht stellt sich allerdings dann ein, wenn sich der Mensch dazu entschließen sollte, die ihm anvertraute Macht verantwortungslos zu nutzen und daran heillos erkrankt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gesunder Menschenverstand

Gesunder Menschenverstand. Was für eine merkwürdige Kombination von Begriffen, die so selbstverständlich in dieser Aneinanderreihung wirken, als wisse man, was darunter zu verstehen sei. Wenn es einen gesunden Verstand gibt, was müssen wir dann unter einem kranken verstehen? Liegt die Betonung auf Mensch oder Verstand und was ist überhaupt gesund in diesem Zusammenhang?

Von einem kranken Menschenverstand ist wohl nie die Rede. Krank und Verstand scheinen sich zu widersprechen. Wenn sich aber Verstand und gesund aufeinander beziehen, kann es doch nur gesund sein, wenn allein der Verstand seine Stellung behauptet. Weshalb dann das Attribut gesund? Wodurch zeichnet sich denn Verstand beim Menschen aus? Durch die Fähigkeit, Dinge zu verstehen oder ist Verstand ein Abstraktum?

Wenn ich etwas verstehe, ob dies nun gesund oder krank sein sollte, habe ich die Möglichkeit, daraus eine Initiative abzuleiten. Wenn mein Verstand nicht gesund ist, verstehe ich vielleicht etwas falsch und ziehe daraus die falschen Schlussfolgerungen. Wenn mein Verstand aber gesund ist, dann denke ich richtig und treffe auch die richtigen Entscheidungen. Nur, was ist richtig? Kann mir mein Verstand sagen, was richtig ist? Weiß ich es oder bilde ich mir nur ein, er sei gesund? Gibt es einen objektiven Maßstab für einen gesunden Verstand? Ist dieser mehr physisch, kognitiv oder emotional bestimmt? Kennen sich Psychiater mit gesunden Menschenverständen aus oder eher Theologen, Philosophen?

Ist gesunder Menschenverstand möglicherweise nur eine Metapher für eine allgemein verbindliche Einschätzung, dass es etwas Absolutes im menschlichen Begreifen gibt und sich diese Absolutheit unter den gesunden Menschenverstand subsummieren lässt? Es kommt mir die Idee, dass gesunder Menschenverstand eine flexible Einschätzung ist, die mich entlasten kann, wenn ich das Richtige denke, es aber auch schlimme Konsequenzen nach sich zieht, wenn ich mir nur vorstelle, richtig zu denken, aber das Denken und vor allem aber auch das Fühlen der Einschätzung sich mit dem Denken anderer nicht verträgt.

Es scheint mir, als sei gesunder Menschenverstand keine individuelle Erfahrung, sondern Gruppenerlebnissen vorbehalten. Die Mehrheit entscheidet dann darüber, was gesund, was Verstand und schließlich darüber, was vom Menschen sonst noch Verwertbares übrig bleibt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski