Neulich hatte ich mir bei einem Sturz heftige Prellungen im Rippen- und Rückenbereich zugezogen. Auf Empfehlung meines Arztes wurde ein CT angefertigt, bei dessen Auswertung der Röntgenarzt keine Brüche hat feststellen können. Soeben erhielt ich aber den Anruf, dass er am folgenden Sonntag sich die Befunde nochmals angesehen und dabei tatsächlich einen Rippenbruch habe feststellen können. Es tat ihm unendlich leid, mich zunächst falsch informiert zu haben und bat um Entschuldigung.
Einmal abgesehen davon, dass ich froh bin, nunmehr genauer Bescheid zu wissen, brachte ich ihm gegenüber meinen Dank und meine Anerkennung zum Ausdruck, weil er eine bereits abgeschlossene Untersuchung nochmals überprüft habe, um sich selbst zu vergewissern. Dies ist heute schon ungewöhnlich und rechtfertigt den Respekt. Besonders beachtenswert ist aber auch, dass er zu Fehlern, die er gemacht hat, sich bekennt und dabei ein tröstliches Gleichgewicht zwischen ihm und mir wiederherstellt.
Ich kann ihm verzeihen und mich dabei auch richtig wohlfühlen, darüber freuen, dass es doch etliche Menschen gibt, die nicht von Routine abgestumpft sind, sondern gewissenhaft und mit Freude ihrer Arbeit nachgehen. Erst vor wenigen Tage hatte ich auch Gelegenheit, eine Verkäuferin darauf anzusprechen, dass sie so ein freundliches und fröhliches Wesen trotz Hektik und Verdrossenheit der drängenden Kunden habe. Sie nahm das Kompliment gern an und erklärte, dass ihr mit dieser Einstellung die Arbeit wesentlich leichter von der Hand ginge. Das ist nachvollziehbar und sollte uns anstacheln, selbst darauf zu achten, dass wir gewissenhaft, zugewandt und fröhlich mit unseren Mitmenschen umgehen, ob bei der Arbeit, der Freizeit oder Familie.
Sehr gerne lese ich die Rubrik in der „Zeit“: „Was mein Leben reicher macht.“ Dem einen oder anderen mag diese Rubrik einfältig erscheinen, tatsächlich vermittelt sie eine wesentliche Botschaft: Alles, was wir machen, machen Menschen für andere Menschen. Das ist eine große Herausforderung für uns alle, auch an unsere Menschlichkeit.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski