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Horizonterweiterung

Wir sind, wer wir sind. Mit unseren Nöten, Sorgen, Befürchtungen, Neid, Angst und Hoffnungen. Es ist naheliegend, dass wir mit dem, was uns zur Verfügung steht, unsere Welt basteln. Die große Welt soll dann unserer kleinen zumindest ähneln. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit.

Wir wissen, dass das Menschenzeitalter nur mit Veränderungen zu bestehen ist und wir die Überschreitung selbstgezogener Grenzen als wichtige Voraussetzung für unser Weiterleben ansehen. Wir sind „wir“ und vermögen mehr, als wir gelegentlich vorgeben, um Überforderungen zu vermeiden. Ja, feige sind wir auch und delegieren Aufgaben lieber an andere, als uns selbst anzustrengen. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Wir greifen ein, um uns zu schützen, zuweilen greifen wir an, um unsere Möglichkeiten zu erweitern. Wir sind nicht auf eine Rolle festgelegt.

Wir können lieben und hassen, uns verständigen oder streiten. Alles steht uns zur Verfügung und wir nutzen das Angebot nach Maßgaben, deren Sinn uns oft im Augenblick des Handelns noch verborgen ist. Wir erweitern unseren Horizont aus Neugier oder Zwangsläufigkeit.

Es gibt in diesem Menschenalter nichts, das uns unmöglich erscheint, sondern ganz im Gegenteil. Erschreckenderweise haben wir festgestellt und stellen immer wieder fest, dass es keinerlei Tabus gibt. Wir stellen auch fest, dass unser Vorstellungsvermögen im Hinblick auf das, was wir anrichten, wächst. Wir stehen in einer ständigen Überprüfung und müssen uns rechtfertigen vor den Regeln, die dafür gelten, dass dieses Menschenzeitalter gelingt. „Hinterm Horizont, da geht es weiter“, so heißt es im Lied. Es sind nur Vorläufigkeiten, die unsere kurzen Lebensabschnitte prägen, für die wir aber Verantwortung tragen, um das Gelingen des Ganzen auch in der Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder zu gewährleisten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski