Wenn wir bei unseren Betrachtungen Aspekte des Menschseins beleuchten, die uns nicht ohne Weiteres vertraut sind, so reagieren wir mit Skepsis und Argwohn. Dies ist wahrscheinlich schon deshalb gerechtfertigt, weil der Mensch bei seiner Entwicklung immer das „rechte Maß“ benötigt, d. h. uns die Kontrolle über alle Gedanken, Empfindungen und Handlungen erhalten bleiben muss. Wir neigen dazu, alles auszublenden, was wir nicht verstehen oder wofür uns die Zeit noch nicht reif genug erscheint. Dies zu ermessen, liegt oft außerhalb unserer Reichweite. Es gibt allerdings auch Erfahrungen, die wir einmal besaßen, verloren hatten und wahrscheinlich glauben, dass wir unsere Gründe hierfür hatten. Es liegt uns sehr viel daran, den Menschen als ein vernünftiges, ausgeglichen emotionales, funktionelles, also ganz und gar erfassbares Wesen zu beschreiben. Erfahrbar und erfassbar sollen auch die Kräfte des Menschen sein. In der Regel sind sie durch Sprache- und Gesten bestimmt und vermitteln sich unserem Bewusstsein als hinnehmbar. Anders verhält es sich mit Kräften, deren Ursache wir nicht ohne Weiteres einordnen können und deren Wirkung wir folglich auch bezweifeln. Dies ist zwar aufgrund des Sicherungsbedürfnisses des Menschen verständlich, aber korrekturbedürftig. Jeder Mensch verfügt über Kräfte, deren Bedeutung er nicht wahrhaben will, er sie daher individuell oder kollektiv unterdrückt bzw. aufgrund des angestammten Übungsverhaltens nicht mehr wahr- nehmen kann. Die Wahrnehmungsfähigkeit ist bei Menschen unterschiedlich. Der nicht ständig abgelenkte Mensch darf feststellen, dass die Konzentration seiner Kraft nicht nur sprachlich oder gestisch viel vermag, sondern auch in seinem Körper insgesamt wirkt. Dieser Mensch ist in der Lage, sich in einigen Aspekten selbst zu heilen, in dem er Kontakt mit sich, seinen Organen, seinen Schmerzstellen etc. aufnimmt. Diese Kraft, die nach innen wirkt, kann der Mensch auch einsetzen, um Andere zu heilen, sie über Gestik und Konzentration zu beeinflussen und ihnen dadurch Erleichterung zu verschaffen.
Die Existenz einer solchen Kraft habe ich vielfältig kennen gelernt. Sie ist kein Allzweckmittel bei jeder Form von Krankheiten und körperlichen Schwierigkeiten, schafft aber die Ultima Ratio jedes Selbstheilungsprozesses und schafft Vergnügen daran, Anderen zu helfen, ihre körperlichen Gebrechen zu überwinden.
Wir sollten beginnen, uns mehr zu vertrauen, unsere Fähigkeiten anzunehmen und Anderen auch dann zu helfen, wenn wir nichts dafür bekommen. Wenn das klar ist, werden wir auch nicht ständig von Ansprüchen strapaziert.
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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski