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let´s start Griechenland

Griechenland verlässt den Euroraum. Griechenland wird daraus verdrängt. So lautet schlagwortartig das Fazit wechselseitiger Bemühungen zu vertuschen, was unvermeidbar ist oder scheint. Das ist allerdings eine Blamage für die beteiligten europäischen Staaten und die EU-Gruppe, aber auch für Griechenland. Es ist eine Blamage, sozusagen in einem letzten Aufbegehren durch eine Volksbefragung, die Verantwortung der griechischen Bevölkerung aufzubürden. Es ist auch eine Blamage zu glauben, einen Ausschluss Griechenlands aus dem Euroraum damit rechtfertigen zu können, dass in Griechenland eine Volksbefragung zu dem dürftigen Ergebnis der Verhandlungen durchgeführt worden ist. Aber, es ist gut so, dass nun ein Ende ist, zumindest ein vorläufiges.

In jedem Untergang liegt bekanntermaßen ein Neubeginn. Allein systemisch lässt sich dieser nicht herbeizaubern. Griechenland, davon bin ich überzeugt, wird eines Tages wie Phoenix aus der Asche steigen und auch ein Beispiel für eine eigene gesellschaftliche Erneuerung liefern. Das hat natürlich auch mit Geld zu tun, aber nicht nur mit Geld.

Deutschland hat sich von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts nur dadurch erholen können, dass jenseits aller finanziellen Planbarkeit die Menschen – ob in Betrieben oder in wirtschaftlicher als auch politischer Verantwortlichkeit an einem Strick gezogen haben, frei nach dem Motto: Wir wollen es schaffen, das Elend unserer verlorenen Kriege und das ungeheure Leid, welches wir über Europa und den Rest der Welt gebracht haben, aufzuarbeiten. Deutschland hat dies geschafft. Deutschland hat auch seine Wiedervereinigung geschafft. Deutschland hat viel geschafft, aber auch nur deshalb, weil andere mitgewirkt, geholfen haben. Diese anderen waren aber keine Oberschulmeister, sondern solche, die an Deutschland und seine Erneuerungskraft glaubten und nicht meinten, dass Geld allein die Welt regiere, die nicht glaubten, dass vor allem die Termine für Zinszahlungen wichtig seien, die nicht glaubten, mit Geld pressen und erpressen zu können.

Was ist das nur für ein Spiel? Einerseits platzen Finanzblasen, Milliarden sind angeblich vernichtet und schon nach kurzer Zeit ist das Jucken auf der Haut kaum mehr zu spüren. Es wird Geld gedruckt in rauen Mengen, Schuldverschreibungen ausgegeben und dennoch behauptet, dass Geld etwas wert sei. Rein finanztechnisch, so heißt es, sei Griechenland in Europa eine Nebensache, aber gleichwohl nehmen in den Verhandlungsrunden vor allem Besserwisser und Aufseher Platz. Jedem ist verständlich, dass nach Griechenland nicht weiter unendlich viel Geld gepumpt werden kann. Aber, man sollte die Griechen ernst nehmen, es ihnen überlassen, den Weg aus ihrer Krise zu finden, und zwar ganz egal wie ihr Plan aussieht.

Es ist falsch, sie bereits jetzt mit Zinszahlungen und Rückzahlungsverpflichtungen zu belasten, aber auch ein Schuldenschnitt ist nicht angesagt. Wir sollten den Griechen Gelegenheit geben, ihren Weg zu gehen, und zwar selbst dann, wenn es uns noch ein Paar Milliarden kosten sollte. Zu finanzieren wäre allerdings nicht der aktuelle Bedarf, sondern der Vorhabenplan selbst. Wir sollten beobachten, wie die Griechen in Würde und ohne Druck ihre eigenen Pläne umsetzen und wenn es weitere 5 bis 10 Jahre dauert. Bei einer Beteiligung Griechenlands am Bruttosozialprodukt Europas von gerade 2 % dürfte das ja nicht allzu schwierig sein. Was ist so schlimm am Stunden der Rückzahlung gewährter Kreditmittel?

Jetzt bekommen die Gläubiger bei einer Pleite Griechenlands gar nichts. Wenn sie allerdings gelassen in die Zukunft dieses Staates investieren, werden sie sehen, dass die Selbsterhaltungskraft eines Volkes viel stärker ist, als das eigene vertraute Misstrauen. Auch die Griechen könnten aus dieser Erfahrung lernen: Wer überzieht, hat Probleme, Maßlosigkeit verbraucht die Ressourcen und Freunde sind enorm wichtig. Man erreicht nie etwas, wenn man andere vor den Kopf stößt, diese beschuldigt, wegen des eigenen innenpolitischen Erfolgs, so kurz er auch sei. Das Prinzip ist so denkbar einfach und wird freudvoll angewandt: Benenne einen Feind oder Gegner, entweder im eigenen Haus oder außerhalb, und Du hast Freunde zumindest auf Zeit. Die Rechnung geht nicht auf und die Ernüchterung hinterlässt Betroffenheit als auch Ratlosigkeit.

Fazit: Willkommen Griechenland! It´s not over, let´s just start!

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski