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Weltanteile

In der Wirtschafts- und Warenwelt sind uns Begriffe wie Shareholder Value oder Stakeholder Value weitgehendst geläufig. Sie bezeichnen die wertmäßige Beteiligung an Unternehmen bzw. Unternehmungen. Doch welchen Wert haben Anteile jedes einzelnen Menschen an der Welt?

Jeder Mensch ist ein geborenes Mitglied der Weltgemeinschaft, Anteilseigner und damit auch Stakeholder. So wohl die allgemeine Anschauung, aber hält diese Betrachtung der Wirklichkeit stand? Um welche Anteile geht es? Die Anteile des Menschen sind zunächst seine Lebensrechte, d. h. Anrecht auf Luft, Wasser, Erde, Teilhabe an Nahrung, aber auch Selbstbestimmungsrecht und Organisationsrecht. Diese Einforderung unterscheidet sich kaum von den Ansprüchen, die Stakeholder oder auch Shareholder an Kapitalgesellschaften geltend machen, wenn es um ihre Kapitalien geht. Und doch hat beides nichts miteinander zu tun. Weshalb?

Können Stakeholder in der Wirtschaft recht frei agieren, solange sie bestimmte Regeln einhalten, werden die geborenen Anteile eines Menschen an der Welt von Anfang an unter vormundschaftsrechtliche Aufsicht gestellt. Sie werden eingezogen und zugeteilt nach Maßstäben, die der Mensch weitgehendst nicht beeinflussen kann. Solange der Mensch die Ausübung seiner Weltanteile nur auf Zeit anderen überträgt, sollte er aber Kontrollrechte haben. Diejenigen, die er zur Ausübung seiner Rechte durch Contract Social bevollmächtigt hat, sind ihm Rechenschaft schuldig.

Geht der Mensch seiner Rechte insgesamt verlustig, obwohl sie eigentlich unentziehbare natürliche Rechte sind, zum Beispiel aufgrund Willkür und Fehlinformation wird er selbst unberechenbar, weil er nichts mehr hat und  nichts mehr verlieren kann. Was kümmert dann noch Umweltschutz, Arterhaltung, Vielfalt und kulturelle Entwicklung.

Mit dem Verlust der Anteile steht die Würde auf dem Spiel. Sie darf dann auch nicht nur als Gnadenakt zugewiesen werden durch den, der mehr Anteile an dieser Welt besitzt, als ihm geborenermaßen zustehen. Um die Balance in der Weltgemeinschaft wieder zu finden, ist es unumgänglich, durch Überzeugungsarbeit alle zu motivieren, die Weltanteile wieder gerecht zu verteilen oder Einziehungsverfahren zu installieren, um bei Uneinsichtigkeit derer, die sich der Anteile bemächtigt haben, den selben Erfolg zu erreichen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski