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Bildung

Wie im Falle des Begriffspaars Besitz und Eigentum, geht auch bei Wissen und Bildung einiges durcheinander. Besitz bedeutet die Herrschaftsgewalt an einer Sache, Eigentum deren rechtliche Zuordnung. Bei rechtmäßigem Besitz kann der Besitzer selbst den Eigentümer von der Verfügungsgewalt ausschließen.

Wissen ist die umfassende Sachherrschaft von uns Menschen an allen Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen, seien diese historisch oder gegenwärtig. Bildung wird mit der Zueignung des Wissens durch jeden einzelnen Menschen entsprechend seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten begründet. Deshalb können Elternhäuser, Kindergärten, Schulen und Universitäten nur insoweit Bildungseinrichtungen sein, als sie emotional, logisch und intellektuell die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Mensch auf sehr subjektive Art und Weise aufnahmefähig und empfangsbereit für Wissen wird.

Kein Computer, kein Internet und Datenstrom bewirkt die Bildung eines Menschen, sondern allein dessen Reaktion auf alle Wissensangebote. Bildung ist ein kommunikativer Augenblick der Wissensaufnahme, der Reflexion und der Verinnerlichung, um sich der Wahrnehmung zu versichern.

Ohne eine gesellschaftliche Verankerung ist Bildung nicht denkbar. Bildung ist eine Erfahrung, die alle Menschen miteinander in Dankbarkeit teilen sollten, weil jeder einzelne Mensch wissend dazu beiträgt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski